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Ein gemeinsames Fastenbrechen auf dem Marktplatz wird es in diesem Jahr nicht geben. 

Corona-Krise

Ramadan beginnt: Kein Fastenbrechen auf dem Marktplatz

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Weiterhin geschlossen in der Corona-Krise sind Kirchen, Synagogen, Moscheen und weitere religiöse Räume. Das hat auch Auswirkungen auf die an diesem Freitag beginnende wichtigste Zeit des Jahres für Muslime: den Fastenmonat Ramadan.

Über Religionsgrenzen hinweg galt und gilt, dass für bedeutende Feste und Begegnungen zurzeit andere Formen gefunden werden müssen. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky: "Um die Corona-Epidemie einzugrenzen, gilt derzeit in alltäglichen Situationen, Abstand zu halten. Ich finde es sehr erfreulich, dass die Religionsgemeinschaften allen Gläubigen auf vielen, zum Teil neuen, sehr kreativen Wegen Trost spenden. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite, ob am Telefon, im Internet, mit Hilfsangeboten und vielem mehr." 

Religion habe für viele Menschen gerade in solch schweren Zeiten eine besondere Bedeutung. Daher befürwortet Kaminsky, dass Vertreter aus Politik, von Religionsgemeinschaften und von Kirchen in diesen Tagen Konzepte für Öffnungen von Gotteshäusern diskutieren. Selma Yilmaz-Ilkhan, Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirats: "Wir haben ein Pessachfest hinter uns, bei dem unsere jüdischen Freunde keine Synagogen besuchen konnten, ein Ostern ohne Gottesdienste. Auch Ramadan wird ohne ein richtiges Zusammenkommen von Menschen durchgeführt." 

Selma Yilmaz-Ilkhan: "In Corona-Zeiten wird es auch in Hanau nicht einfach sein, Ramadan wie gewohnt durchzuführen"

Auch das seit 17 Jahren vom Islamischen Verein Hanau auf dem Marktplatz durchgeführte Ramadan-Zelt wird nicht stattfinden. Normalerweise würde an es an drei Abenden während der Fastenzeit (16. bis 18. Mai) auf dem Hanauer Marktplatz stehen. Auch das vom Hanauer Ausländerbeirat seit fünf Jahren veranstaltete Fastenbrechen im Bürgerhaus in Wolfgang am 26. April wird nicht stattfinden. "Das haben wir für dieses Jahr bereits im März abgesagt, denn die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger hat selbstverständlich Priorität", so Yilmaz-Ilkhan. 

Der islamische Fastenmonat Ramadan dauert rund vier Wochen, in denen Muslime tagsüber nicht essen und trinken dürfen sowie enthaltsam leben müssen. Abends treffen sie sich normalerweise in Familienverbänden, bei Freunden und in Moscheen, um gemeinsam zu essen, zu beten und zu meditieren. "Deshalb ist der Ramadan nicht allein eine Zeit der persönlichen Besinnung, der Geduld und der Enthaltsamkeit, sondern auch eine herausragende Zeit der Nachbarschaft, der Solidarität und des Zusammenhalts. In Corona-Zeiten wird es auch in Hanau nicht einfach sein, Ramadan wie gewohnt durchzuführen", sagt Yilmaz-Ilkhan. 

Online-Angebote sollen beibehalten werden

Die Moscheen in Hanau böten traditionell jeden Tag kostenfreies Essen für Personen, die zu Hause niemanden haben oder für Personen, die in der Gemeinschaft zusammen ihr Fasten brechen wollen. Damit keiner alleine sei, sei das eine wichtige Tradition der Hanauer Moscheen. "Aufgrund von Corona wird dies leider dieses Jahr nicht möglich sein", bedauert Selma Yilmaz-Ilkhan. Über das in diesem Jahr nicht stattfindende Ramadan-Zelt auf dem Marktplatz sagt sie: "Insbesondere nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar wäre es dieses Jahr umso wichtiger, mit Menschen unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten ein Zeichen gegen Rassismus und Hass zu setzen." 

Die Vorsitzende des Hanauer Ausländerbeirats freut sich daher, dass bereits jetzt die meisten Hanauer Moscheen im Internet aktiv seien, Gottesdienste und Vorträge anböten. Selma Yilmaz-Ilkhan: "Das wird auch im Ramadan beibehalten und die Menschen ein wenig trösten." Sie betont: "Es gibt bei Menschen in Hanau, egal welcher Religionszugehörigkeit, die Sehnsucht, wieder zusammenkommen zu können. Ein sehr wichtiges und entscheidendes Ritual wird durch die Corona-Pandemie wegfallen. Nächstes Jahr werden wir wieder einen gemeinschaftlichen Ramadan, Pessach und Ostern erleben."

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