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Prozess: Hanauer wollte offenbar junge Verlobte töten

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Mit häuslicher Gewalt, bei der der 19-jährige Angeklagte im März dieses Jahres seine Freundin drangsaliert und verletzt haben soll, befasst sich seit gestern die Jugendkammer des Landgerichts Hanau. (Symbolfoto)
Mit häuslicher Gewalt, bei der der 19-jährige Angeklagte im März dieses Jahres seine Freundin drangsaliert und verletzt haben soll, befasst sich seit gestern die Jugendkammer des Landgerichts Hanau. (Symbolfoto)

Hanau. Vor der Jugendkammer des Hanauer Landgerichts muss sich ein 19-Jähriger wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll seine Verlobte misshandelt und gewürgt haben.

Von Dieter A. Graber

Manuel ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er hat Lisa verprügelt. Er hat sie gewürgt, bis ihr schwarz wurde vor Augen und dabei geschrien: „Ich bring dich um! Mir ist alles egal!“ Dann hat er sie mit einem Tritt gegen die Schläfe aufs Bett befördert, sich auf sie gekniet, ihr eine Decke übergeworfen, so dass sie Atemnot bekam und in Todesangst schrie, und wäre sein Bruder nicht dazwischen gegangen, wer weiß, ob Lisa (die in Wirklichkeit anders heißt) heute überhaupt noch in diesem Gerichtssaal sitzen könnte.

Angeklagter bereits im Februar wegen Vergewaltigung verurteiltLisa ist 17 Jahre jung, ein schlankes Mädchen mit großen Augen in einem unschuldigen Kindergesicht. Wie kommt so eine an so einen? Und vor allem: Warum ist sie bei ihm geblieben nach alldem, was vorher geschah?Am 29. Februar dieses Jahres wurde Manuel von derselben Jugendstrafkammer, vor der er sich jetzt verantworten muss, zu zwei Jahren und neun Monaten wegen einer Vergewaltigung verurteilt. Das Opfer war eine Zufallsbekanntschaft.Die Geschichte nahm an einer Tankstelle ihren Ausgang. Manuel und sein Freund Niko hatten da dieses Mädchen getroffen. Lisa wusste von der Sache. Er beteuerte ihr, unschuldig zu sein. „Ich habe ihm geglaubt“, sagt sie mit dieser leisen, aber entschiedenen Stimme. Verliebt sei sie halt gewesen. Wie junge Menschen sind in diesem Alter: schwärmerisch und naiv und oft ein bisschen dumm.

Eltern der Verlobten aus Klein-Auheim stärkten Angeklagtem den RückenAber auch ihre Eltern waren im Bilde. Sie müssen ihn ins Herz geschlossen haben, diesen seltsamen jungen Burschen, anders ist das kaum zu erklären. Lisa stammt aus einer guten Familie; der Vater, ein selbständiger Handwerker, hatte Manuel, der nicht mal einen klitzekleinen Schulabschluss vorweisen kann, einen Job in seinem Betrieb gegeben; die Eltern ließen ihn sogar in ihrem Haus wohnen im Stadtteil Klein-Auheim, obwohl er ja noch ein Zimmer bei seiner Mutter hatte.Im Haus? In Lisas Zimmer durfte er übernachten, sie waren ja verlobt, ihre Tochter und der Manuel. Und als dann die Sexualstraftat ruchbar wurde, die Anklage kam und der Prozess, da haben sie ihn nicht etwa rausgeworfen, nein, vertraut haben sie ihm, seinen Beteuerungen geglaubt, und das ist jetzt am schwersten zu verstehen. . .Groß ist er, schlank, elegant sieht er aus in seinem schwarzen Sakko, ein wenig überheblich vielleicht, trotz der weichen Gesichtszüge, vor allem aber ein gutes Stück älter als die neunzehn Lenze, die in seinem Ausweis stehen. Lisa war fünfzehn, als sie sich verlobten. Es wird die übliche „große Liebe“ gewesen sein für sie, auf jeden Fall die erste, sie ging ja noch zur Schule damals.

Gegenseitige Eifersucht belastete BeziehungEr brachte sie morgens hin und holte sie mittags ab, was der Eifersucht geschuldet war, und dieser nagende Argwohn, diese kranke Angst vor Liebesverlust, die sie beide teilten, war vermutlich auch das einzig Verbindende in dieser jungen, sehr jungen Beziehung.Lisa berichtet: „Ich durfte nicht mit anderen Männern sprechen, nicht mal ins Schwimmbad ließ er mich gehen.“ Zweimal habe er ihr Mobiltelefon zerschmissen, aus Wut, weil sie ihm nicht Einblick in ihre Chats gab. „Hinterher hat er sich dann immer entschuldigt. Wir hatten ja auch gute Zeiten. . .“Sie trennen sich im Zorn, versöhnen sich. Er zieht bei ihr aus und wieder ein. Richterin Wetzel fragt: „Waren Sie ebenfalls eifersüchtig?“ Die Zeugin gibt es zu. „Haben Sie auch mal sein Handy kontrolliert?“ Ja, auch das. Es war an diesem Tag im vergangenen März. Seine Verurteilung lag ein paar Tage zurück. Er wusste, dass er bald würde einfahren müssen. Er sei anders gewesen, erinnert sich Lisa. Wie? „Nun ja, traurig. Auch wütend. Aggressiv. . .“

"Ausraster" nur wenige Tage nach Vergewaltigungs-UrteilManuel hängt abends vor einem Daddelautomaten in irgendeinem Bums in der Nähe des Freiheitsplatzes. Sie wartet geduldig am Tisch, bis er den letzten Euro verspielt hat. Dann gehen sie zu ihm nach Hause. Händchenhaltend, aber schweigend. Gedrückte Stimmung.Er hat sich bei ihrem Vater krank gemeldet. Aber er ist nicht krank. Nur verbittert wegen des Urteils. Lisa hat ihm versprochen, auf ihn zu warten. Dreiunddreißig Monate lang Askese und Treue. Welch ein Gelübde für eine damals Sechzehnjährige. Er wird es, zu Recht, nicht ernst genommen haben.In seinem Zimmer findet sie dann ein Handy, ein uraltes Ding mit Tasten und einem knackevollen Nummernspeicher. Lauter Mädchennamen. Sie stellt ihn zur Rede. Da sei er „ausgerastet“. Es gibt Fotos ihrer Verletzungen in den Akten. Sie sehen schlimm aus.Hätte er sie wirklich umgebracht, wenn ihr nicht die Flucht gelungen wäre? Fraglich, ob ihm Staatsanwalt Heinze eine wirkliche Tötungsabsicht, und zwar bis zur Vollendung der Tat, nachzuweisen vermag. Was bleibt, ist auf jeden Fall eine gefährliche Körperverletzung.Manuel will keine Angaben zur Sache machen. Vor dem Haftrichter hatte er lediglich eine Ohrfeige eingeräumt. Lisa ist Nebenklägerin in diesem Verfahren. Der Prozess geht weiter.

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