Mit Altpaier ist nicht mehr viel Geld zu verdienen – das bekommt auch die Stadt Hanau zu spüren. Foto: Kerstin Biehl

Hanau

Problemfall Altpapier: Hanau wird den Papiermüll nicht mehr los

Hanau. Die Zeiten, in denen Städte mit Altpapier gutes Geld verdienen konnten sind vorbei. Das bekommt auch die Stadt Hanau zu spüren. Die Preise für Altpapier befinden sich im Keller. Die Gründe dafür liegen rund 7000 Kilometer von uns entfernt: in China.

Von Kerstin Biehl

Das Land in Asien ist Hauptabnehmer für deutsches Altpapier. Aber seit ungefähr einem Jahr macht China strikte Vorgaben, wie das Altpapier, das es importiert, auszusehen hat: Es darf nahezu keine Fremdstoffe mehr enthalten. Weniger als ein Prozent, lautet die Vorgabe, was einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Anfang des Jahres zu entnehmen ist.

Dort heißt es, dass das faktisch als Importstopp anzusehen sei. Auch andere asiatische Staaten folgten Chinas Beispiel. Dies gehe auf die sogenannte Green-Fence-Inititiative der chinesischen Regierung zurück, in deren folge umfangreiche Maßnahmen gegen Müllimporte erfolgen, die sich auch andere Staaten zu eigen machen. Seitdem breche der deutsche Altpapierexport ein, in Branchenblättern sei von „homöopathischen Dosen“ die Rede – mit Folgen für die kommunalen Entsorgungsbetriebe.

Einnahmen aus Altpapier halbieren sich

Diese Entwicklung betrifft auch die Stadt Hanau, konkret den Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), der in der Grimmstadt für die Abfallentsorgung zuständig ist. Laut städtischer Pressestelle sind die HIS-Einnahmen aus dem Verkauf von Altpapier in den vergangen zwei Jahren um rund 55 Prozent zurückgegangen, von rund 450 000 Euro auf nunmehr geplante 200 000 Euro.

Derzeit erfolgt die Vermarktung des Hanauer Altpapiers über den Main-Kinzig-Kreis. Von dort heißt es, dass der Altpapiermarkt wie jeder andere Markt, von Angebot und Nachfrage bestimmt werde. Kreispressesprecher Frank Walzer: „Ein dort seit einem längeren Zeitraum zu beobachtender Preisverfall hängt laut Branchenkennern mit einer geringeren Nachfrage aus Asien und damit einem starken Überangebot auf den europäischen Märkten zusammen. Gerade jetzt im Winter könnte sich das Preisniveau noch einmal verschlechtern.“

Zum einen sei über den Jahreswechsel eine große Zahl an Fabriken aus dem Markt gegangen. Einer sinkenden Nachfrage stehe zum anderen ein saisonales Überangebot durch die große Menge an Verpackungsmaterial aus der Weihnachtszeit gegenüber. Welche genauen preislichen Auswirkungen das haben wird, könne man derzeit aber nicht sagen. Fakt sei, dass mit dieser Situation alle Entsorger klarkommen müssten.

Altpapier landet auf Deponie in Hailer

Der Kreis nimmt über den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft die eingesammelten Altpapiermengen aus dem Main-Kinzig-Kreis auf der Deponie in Hailer entgegen. Dort wird das Papier zu Ballen gepresst, von einem beauftragten Entsorgungsunternehmen abgeholt und vermarktet. Dieses Entsorgungsunternehmen habe die Absatzmärkte natürlich im Blick, sagt der Kreis und prognostiziert, dass es sich auf die veränderte Marktsituation einstellen werde.

„Wir erwarten aber aufgrund der Weltmarktlage in der Tat niedrigere Erlöse für die Städte und Gemeinden“, heißt es von der Pressestelle. Insofern sei es richtig, dass die Stadt Hanau, genau wie anderen Kommunen, den Altpapiermarkt im Blick behielten. Schließlich sei in den vergangenen Jahren verlässlich ein hoher Millionenbetrag an die Städte und Gemeinden zurückgeflossen. Hanau habe aus der erfolgreichen Arbeit des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft dabei den Löwenanteil erhalten.

Zunächst keine Auswirkungen für Bürger

Fakt ist, dass sich die Situation nicht auf lokaler Ebene ändern lässt. Auf die Hanauer Bürger werden sich die sinkende Altpapiererlöse aber zunächst nicht auswirken. Im Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 sind keine Gebührenerhöhungen vorgesehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema