Dr. Thomas Müller hat das Projekt "Kunst am Klinikum" initiiert. Foto: Pauly

Hanau

Privatdozent Dr. Thomas Müller: Bilder sollen Brücken bauen

Hanau. Mit Kunstausstellungen setzt die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe seit mehr als zehn Jahren unter der Leitung von Chefarzt Privatdozent Dr. Thomas Müller immer wieder Akzente, um den Klinikalltag zu durchbrechen. Wir haben mit Müller über das erfolgreiche Konzept Kunst am Klinikum gesprochen.

Von Andrea PaulyIm April wird die Bruchköbeler Künstlerin Brigitte Merz hier unter dem Titel „Vielfalt“ ein breites Spektrum ihres Schaffens präsentieren. Patienten wie Besucher erhalten durch die Ausstellungsreihe Inspiration, Anregungen und werden zu neuen Einsichten motiviert.Wer waren die Initiatoren von „Kunst im Klinikum“? Wie hat sich die Reihe entwickelt?„Initiiert habe ich das Projekt schon 2005 als damals neu berufener Chefarzt. Seither führe ich mit tatkräftiger Unterstützung durch meine Assistentin Britta Zorn das Projekt weiter. Zwischenzeitlich gab es auch einmal einen Kunstbeauftragten für das gesamte Klinikum, leider gibt es diese Position nicht mehr. Derzeit eröffnen wir meist drei Ausstellungen im Jahr. Interessierte Künstler sind immer herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden.

Großartig unterstützt werden wir durch Martin Hoppe, den Leiter des Fachbereichs Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau, und durch Beate Funck, die viele unserer Vernissagen eröffnet. Sie ist nicht nur Stadtverordnetenvorsteherin und sehr engagiert in der Hanauer Kunstszene, sondern auch Patientenfürsprecherin. Dass unsere Ausstellungen im entsprechenden städtischen Flyer und regelhaft im Hanauer Anzeiger bekanntgegeben werden, ist eine tolle Sache, und dass wir uns als städtisches Klinikum am Kulturleben unserer Stadt beteiligen können, ist doch wunderbar.“Und wie kam es dazu und wie definieren Sie die Zielsetzung dieser Reihe?„Nun, das Ambiente vor Ort war damals vorsichtig formuliert 'optimierbar', da erschien mir ein solches Projekt förderlich, außerdem bin ich selbst kunstinteressiert und habe daran also auch ganz persönlich Spaß. Wir nannten das Kunstprojekt der Frauenklinik 'Brückenbildung' (nach einer Idee von Herrn Gutheil). Brückenbildung steht für Verbindende: Von außen nach innen, weil Künstler in der Frauenklinik ausstellen; von innen nach außen, weil auch Klinikpersonal sich gelegentlich als Künstler präsentiert und Patienten, Mitarbeiter und Besucher über die Bilder kommunizieren und so ins Gespräch kommen.

Kunst verfolgt hier also anspruchsvollere Funktionen als bloße Dekoration zu sein, wobei auch dieser Faktor in einer manchmal als beängstigend empfundenen 'medizinischen' Umgebung nicht zu unterschätzen ist. Viele Krankenhäuser haben eine entsprechende Gestaltung längst als Unterscheidungskriterium für sich entdeckt, Kunst unterstützt den Imagewandel von Krankenhäusern hin zu Gesundheitszentren. Auch für die Künstler selbst können Ausstellungen in unserer Klinik von Interesse sein. Für sie eröffnet sich die Chance, ein größeres Publikum zu erreichen, das sonst keine Kunstausstellungen besucht. Kliniken sind also durchaus geeignete Orte der Kunstpräsentation.“

Wie denken Sie über die möglichen therapeutischen Effekte von Kunst und Kunstwerken? Kann es so etwas wie „objektiv“ heilsame Kunst geben oder liegt deren Wirkung immer im Auge des Betrachters?„Kunst ist meines Erachtens, was man als Kunstwerk betrachtet. Für den einen ist das Bild eines Angehörigen Kunst auf höchstem (emotionalen) Niveau, während andere wiederum nur echte, (wo und wie?) ausgebildete Künstler gelten lassen. Kunst im Krankenhaus soll eine grundsätzlich positive Ausstrahlung haben. Trotzdem blendet sie die Auseinandersetzung mit Leid und Trauer nicht aus. Heute werden Kunstwerke als sinnvoller Begleiter im Heilungsprozess gesehen. Kunst kann versöhnen, trösten und aufmuntern. Was liegt also näher, als Kunst zu jenen zu bringen, die diese Hilfe benötigen.“Die ausgestellten Werke stehen zum Verkauf. Haben sich Betrachter auch schon so in ein Bild „verguckt“, dass sie dieses erworben haben?„Nicht nur einmal. Ein, zwei Bilder werden fast immer verkauft. Die sicher erfolgreichste Ausstellung war die allererste. Gezeigt wurden großformatige Blumenbilder von Sabine Leue, damals Stationsleitung unserer Eltern-Kind-Station. Soweit ich mich erinnere, hat sie alle Bilder verkauft. Auch erfolgreich war zum Beispiel die Ausstellung von Marion Sulzmann – inzwischen hat sie ja eine eigene Galerie am Freiheitsplatz – und Michaela Kron. Die Bilder gefielen den Mitarbeitern so gut, dass Arbeiten der beiden Künstlerinnen heute in unseren Ambulanzen hängen.“Welche Erfahrungen konnten Sie über die vergangenen Jahre mit „Kunst im Klinikum“ machen? Wie nehmen Patienten und Mitarbeiter die Werke an den Wänden wahr?„Ich treffe gelegentlich Interessierte vor den Bildern die eigens wegen der aktuellen Ausstellung zu uns kommen. Das freut mich dann besonders. Die Rückmeldungen von Mitarbeitern sind natürlich sehr unterschiedlich. Interessanterweise hat es auch schon besonders gut gefallen, wenn ich selbst gar nicht so begeistert war. Die Geschmäcker sind eben sehr unterschiedlich und das ist ja auch gut so. Wenn wir über reine Wechseldekoration hinaus gelegentlich Freude bereiten und Denkanstöße vermitteln, haben wir erreicht was wir wollen. Hanaus Galerie mit den längsten Öffnungszeiten bleibt offen.“

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