Die Polizeiführung bei der Präsentation der erfreulichen Polizeilichen Kriminalstatistik für 2017: Erster Polizeihauptkommissar Henry Faltin, Leitender Polizeidirektor Claus Spinnler, Polizeipräsident Roland Ullmann, Kriminaldirektor Karl-Heinz Becker und Polizeihauptkommissar Oliver Geyer (von links). Foto: Polizeipräsidium Südosthessen

MainKinzigKreis

Polizei: Kriminalität in der Region auf "historischem Tiefstwert"

Main-Kinzig-Kreis. Die Stadt Hanau hat in Sachen Kriminalität ein wahrlich turbulentes Jahr 2017 hinter sich. Angefangen von den Auseinandersetzungen unter Jugendlichen im Schlossgarten, über diverse Messerstechereien. Nun hat die Polizei ihre jährliche Statistik vorgelegt. Die sagt: Die Region ist keine Kriminalitätshochburg.

Von Kerstin Biehl

Vielmehr, so die Worte des Polizeipräsidenten Roland Ullman auf der gestrigen Pressekonferenz im Offenbacher Polizeipräsidium, leben wir hier sicher. Untermauert wird diese Feststellung durch den Blick zurück.

Im Jahr 2004 etwa wurden 64 221 Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums verübt (der höchste Wert in den Annalen des Präsidiums). In 2017 waren es noch 45 131. Das sind 124 Straftaten pro Tag – im Gegensatz zu 176 pro Tag im Jahr 2004. Auch die Aufklärungsquote konnten die Polizeibeamten in diesem Zeitraum anheben, von 45,5 Prozent auf jetzt 64,2 Prozent. „Fast zwei Drittel aller Straftaten wurden im Jahr 2017 aufgeklärt“, zeigt sich Ullmann stolz

Hanau verzeichnet Rückgang der StraftatenDie Fallzahlen in Hanau belegen Ullmanns Aussage vom „sicheren Leben“ einmal mehr: Die Stadt verzeichnet einen Rückgang der Straftaten um 635 Fälle (insgesamt wurden 7275 Delikte verübt). Mit diesem Rückgang von acht Prozent hat Hanau den prozentual stärksten Rückgang in den vom Präsidium betreuten Regionen verzeichnet. In Sachen Aufklärungsquote dürfen sich die Beamten auf die Schultern klopfen. Sie liegt bei 66,3 Prozent (2007 lag sie noch bei 51,1 Prozent). Auch im Main-Kinzig-Kreis hat die Kriminalität abgenommen. 10 360 Delikte gab es insgesamt, 681 weniger als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote liegt bei 62 Prozent.

Zu den Delikten zählten in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis auch fünf Tötungsdelikte (Vorjahr: 20). Eine Vielzahl von ihnen ereignete sich im familiären Umfeld. Unter anderem soll im Dezember vergangenen Jahres ein 52-Jähriger seiner von ihm getrennt lebenden Frau aufgelauert und sie vor der Marienkirche mit einer Stichwaffe attackiert haben (wir berichteten). Die Frau verstarb an den Verletzungen. Der Mann befindet sich seither wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Fälle von Betrug gab es in Hanau 1829, im Kreis 1703. Im Bereich Internetkriminalität wurden im Dienstbezirk des Polizeipräsidiums 2334 Fälle registriert.

2019 ist für die Eröffnung des Haus des Jugendrechts realistischIn Sachen Jugendkriminalität zeigt man sich höchst erfreut über das geplante Haus des Jugendrechts am Hanauer Schlossplatz. „Nach derzeitigem Planungsstand ist eine Eröffnung im Jahr 2019 als realistisch zu betrachten“, so Ullmann. Dort sollen Polizei, Justiz und Stadt vereint unter einem Dach vor allem Präventionsarbeit leisten.

Auch der Ende vergangenen Jahres gebildete Kreispräventionsrat im Main-Kinzig-Kreis leistet Präventionsarbeit, indem er sich mit den Sicherheitsbelangen der 29 Kommunen befasst. Hier wurde kürzlich eine erste Arbeitsgruppe zur Jugenddelinquenz eingerichtet.

Weniger Straftaten von FlüchtlingenDie Sorge, dass die Kriminalität im Kontext der Zuwanderung zugenommen hat weist Ullmann zurück. „In der Gesamtbetrachtung ist diese Sorge unbegründet. Vielmehr sind die Straftaten von Flüchtlingen zurückgegangen.“ Genauer hinsehen müsse man in Zukunft allerdings in den Bereichen Rauschgift (79 Straftaten) und Straßenkriminalität (75), denn hier ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Unter den Flüchtlingen gab es 209 Körperverletzungen, 174 Diebstähle und 143 Beförderungserschleichungen im Zuständigkeitsbereich.

Der Sicherheitsstandard für die Bürger der Region mag sich, betrachtet man die Zahlen, die ein gesunkenes Aufkommen an Straftaten und eine gestiegenen Aufklärungsquote belegen, auf hohem Niveau befinden. Ob diese Zahlen auch dem Sicherheitsempfinden – vor allem der Hanauer – zuträglich sind, muss sich zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren