Auf dem Gelände der ehemaligen Pioneer-Kaserne, die innerhalb von fünf Jahren zum Wohngebiet Pioneer Park entwickelt wird, müssen die Arbeiten vom Kampfmittelräumdienst begleitet werden. Luftbild: Axel Häsler

Hanau

Pioneer: Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg im Feuerlöschteich

Hanau. Erst eine Bombe, jetzt diverse Waffen – das Gelände der ehemaligen Pioneer-Kaserne, auf dem in den kommenden Jahren ein komplett neues Stadtviertel für rund 5000 Menschen entstehen soll, scheint einige Überraschungen parat zu haben.

Von Kerstin Biehl

Kein Wunder, wurde das 50 Hektar große Areal über Jahrzehnte militärisch genutzt. Erst von der Wehrmacht, später von den amerikanischen Streitkräften. Diese dürften es mit der Müllentsorgung wohl nicht so genau genommen haben. Am Freitag vergangener Woche nämlich sind in einem ehemaligen Feuerlöschteich auf dem Gelände militärische Ausrüstungsgegenstände und Flugzeugteile der deutschen Luftwaffe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gefunden worden.

Ein Informant hat unsere Zeitung auf den Fund aufmerksam gemacht. Die Stadt und auch das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) bestätigten den Fund auf HA-Nachfrage, konnten aber keine genaueren Angaben zu Umfang und Art machen. Fotos existierten laut Stadt nicht. Verwunderlich angesichts der Menge und Art der Militaria.

Amerikanische und deutsche Waffen

„Bei den Funden handelt es sich mehrheitlich um Hinterlassenschaften der deutschen Luftwaffe, allerdings sind auch amerikanische Funde darunter, welche darauf schließen lassen, dass die militärischen Ausrüstungsteile hier nach Kriegsende von den amerikanischen Streitkräften entsorgt wurden“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Stadt und LfD.

Der HA-Informant spricht von Dutzenden Maschinenkanonen des Modells MK 108 sowie einem Motor eines Messerschmitt-Düsenjägers und weiteren Flugzeugteilen. Auch eine Lore sei unter den Fundstücken. Fast einen Container füllten die Fundstücke. Zwar seien die Waffen und auch der Motor nicht mehr funktionstüchtig, „manches Museum würde sich aber die Finger danach lecken. Diese Funde sind schon etwas Besonderes“, so die Einschätzung unseres Informanten. Für das geplante Dokumentationszentrum Hanauer Militärgeschichte könnten die Funde also durchaus von Interesse sein.

Ehemalige Feuerlöschteich wurde als Müllkippe verwendet

Der Fundort, einst ein Löschteich, der von den Amerikanern zugeschüttet und im Zuge der jetzigen Baumaßnahmen entsiegelt wurde, dürfte als eine Art Müllkippe gedient haben. Denn auch Coladosen und anderer Unrat seien dort gefunden worden.

Der Feuerlöschteich sei vollständig ausgeräumt worden, mit weiteren Funden – zumindest dort – sei laut Stadt und LfD nicht zu rechnen.

Kampfmittelräumdienst begleitet die Arbeiten

Die Stadt beziehungsweise die LEG Hessen-Hanau GmbH als Entwickler des Areals machen in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass das Betreten der Großbaustelle Pioneer aus Sicherheitsgründen verboten ist. „Auch aus den Unwägbarkeiten, die sich bei den Arbeiten auf einem ehemaligen Kasernengelände ergeben“, lautet die Erläuterung.

Es ist davon auszugehen, dass bei diesem Verbot auch die Angst vor Plünderung eine Rolle spielt.Deshalb würden alle derzeitigen Arbeiten stets vom Kampfmittelräumdienst begleitet. Dies sei bei Konversionsprojekten ein ganz normales Procedere.

Kleinkalibrige Munition für Fliegerbordkanonen sei bereits abtransportiert

Das Regierungspräsidiums Darmstadt (RP), bei dem der Kampfmittelräumdienst angesiedelt ist, teilt über seine Pressestelle mit, dass nach Rücksprache mit dem RP das Pioneer-Areal aktuell im Auftrag der Stadtwerke Hanau und der LEG Hanau systematisch durch eine private Fachfirma auf Kampfmittel untersucht werde. „Da die Stadt Hanau bekanntlich im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert wurde und dies natürlich auch und besonders auf die ehemaligen Armee-Flächen zutrifft – wobei es hier zusätzliche entsprechende Flakstellungen (Fliegerabwehrkanonen) der Wehrmacht gegeben hat –, werden hier noch entsprechende Hinterlassenschaften vermutet“, heißt es seitens des Regierungspräsidiums.

Bislang sei vor allem viel kleinkalibrige Munition von den Bordkanonen der Flieger gefunden worden. Diese seien vom Kampfmittelräumdienst fachgerecht verpackt, abtransportiert und andernorts unschädlich gemacht worden. Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, die alle ehemalige Bundeswehrangestellte sind, seien entsprechend geschult; die Mitarbeiter der aktuell beauftragten Fachfirma ebenfalls.

Auch Flugzeugteile und Motoren wurden geborgen

Die im Rahmen der Sondierung, also der Suche nach metallischen Gegenständen in der Erde, gefundenen Flugzeugteile und Motoren sind keine Kampfmittel, fallen demnach also nicht ins Zuständigkeitsgebiet des Kampfmittelräumdienstes.

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