Von den Werkstätten, Garagen und Panzerhallen, die im Halbkreis auf der ehemaligen US-Kaserne Pioneer standen, ist nichts mehr übrig. Jetzt ist der Weg für den Hochbau frei. Luftbild: Axel Häsler

Hanau

Pioneer Park: 400 000 Tonnen Abbruchmaterial geschreddert

Hanau. Es sind nur noch wenige Relikte, die darauf hinweisen, dass auf dem knapp 50 Hektar großen Areal an der Grenze zur Bulau im Stadtteil Wolfgang einst eine Kaserne stand.

Von Kerstin BiehlDer hintere Teil der Kaserne, der aus der Luft aussieht wie ein Fächer, ist dem Erdboden gleichgemacht. Vereinzelt sind in der Ferne Bagger auszumachen, auch die Werbefahnen eines Immobilienentwicklers wehen dort, wo Pioneer an die Bulau grenzt, im kalten Februarwind. Immer wieder stößt man auf mal kleine, dann wieder etwas größere Haufen Bauschutt. Abbruchmaterial aus Garagen, Panzerhallen, Werkstätten und vielen andere Gebäuden, die einst im Halbkreis aufgereiht waren. Ein Großteil des Abbruchmaterials ist bereits geschreddert.

400 000 Tonnen insgesamt. Das Gute: Ungefähr die Hälfte davon konnte recycelt und unter anderem für den Straßenunterbau genutzt werden. „Solches Material auf die Deponie zu bringen ist teuer und Deponieraum ist außerdem knapp“, erklärt Dieter Heymann. Er ist Projektleiter bei der LEG, die das Gelände entwickelt.

Frei von Altlasten

Heute, gut ein Jahr nach Beginn der Bauarbeiten, ist der Pioneer Park frei von Altlasten. Diese aus dem Boden zu bekommen sei gar nicht so einfach gewesen sagt Heymann: „Es wurden immer wieder Panzermatten gefunden. Das hat es unheimlich schwer gemacht auf Kampfmittel zu sondieren, denn die entsprechenden Geräte haben auf das Metall angeschlagen.“ Inzwischen sind die Matten entfernt, Reste liegen aufgehäuft auf dem Gelände, müssen noch entsorgt werden. Waffen, Munition, kleinere und drei große Bomben gehörten ebenfalls zu dem Material, das aufgespürt und entsorgt werden musste. Der Kampfmittelräumdienst begleitet sämtliche Erdbauarbeiten; im ersten Bauabschnitt ist die Sondierung weitestgehend abgeschlossen.

Eine Altlast, die im künftigen Wohngebiet verbleiben soll, sind Teilstücke der alten Eisenbahnschienen. Sie sollen an einer Stelle im neuen Quartier integriert werden, als Hommage an die Eisenbahnpioniere, die die Kaserne einst, noch vor den Amerikanern und der Wehrmacht, bewohnten.

Im März sollen dann im ersten Bauabschnitt, im Osten des Areals, die Hochbauarbeiten starten. Ein Mix ausGeschosswohnungsbau, aus Stadtvillen, Reihen- und Doppelhäusern sowie Einfamilienhäusern wird dann aus dem Boden wachsen. „Bis auf zwei bis drei Grundstücke ist hier alles veräußert“, weiß der Projektleiter.

Vier Gebäude stehen noch

Vier Gebäude im Bereich des Fächers, der aus der Luft nach wie vor gut erkennbar ist und dessen Struktur erhalten bleiben soll, sind stehen geblieben. So sucht die Stadt für das ehemalige Pförtnerhäuschen nach wie vor jemanden, der dort einen Kiosk oder ein kleines Café betreiben möchte.

Für die unter Denkmalschutz stehende Kirche müsse ebenfalls noch ein passendes Konzept gefunden werden, sagt Heymann. Zwar liegen der Stadt bereits verschiedene Ideen vor, was man in den Räumen realisieren könnte, eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Anders beim ebenfalls denkmalgeschützten ehemaligen Heizkraftwerk. Das imposante Gebäude ist an einen privaten Investor veräußert, der dort Loftwohnungen und eine Fahrzeughalle für seine Oldtimersammlung schaffen will.

Stehen geblieben ist auch das ehemalige Kasino – ebenfalls aus Gründen des Denkmalschutzes. Zunächst war dort Gastronomie geplant, aus Lärmschutzgründen musste von diesen Plänen allerdings Abstand genommen werden. Nun soll das Gebäude für Seniorenwohnen genutzt werden.

Für Gewerbe genutzt

Am Rand des Fächers stehen die elf Brüder. Imposante Gebäude, in denen zu Kasernenzeiten die Verwaltung untergebracht war. Die westlichen fünf Brüder sollen für Gewerbe genutzt werden, Praxen und Büros werden dort einziehen. Die östlichen Brüder sind dem Wohnen vorbehalten, allerdings wird zwischen den Gebäuden nachverdichtet. Heißt: Es werden weitere Gebäude errichtet, die viel von der charmanten Weitläufigkeit wegnehmen dürften. Und für die zudem der alte Baumbestand weichen muss. „Zum Ausgleich werden auf dem gesamten Gelände 700 Bäume neu gepflanzt“, informiert Heymann.

Abgerissen werden muss der elfte Bruder, der Stiefbruder. Er ist jünger als seine zehn Geschwister und muss weichen, damit an Ort und Stelle Platz für den Neubau einer Schule und einer Kindertagesstätte ist.

Im Bereich des Triangle Housing werden im April die ersten Bewohner in ein erstes saniertes Gebäude einziehen können. Dort, im Südosten von Pioneer, werden 372 Eigentumswohnungen in einem Teil der Bestandsgebäude durch die LEG zu Konditionen unterhalb der marktüblichen Preise angeboten (Quadratmeter-Preise zwischen 2000 und 2500 Euro).

"Großer deutscher institutioneller Investor"

Nun hat zudem ein „großer deutscher institutioneller Investor“, wie es in einer Pressemitteilung der LEG heißt, im Bereich Triangle Housing elf energieeffiziente Gebäude mit insgesamt 144 Neubaumietwohnungen und mehr als 12 000 Quadratmetern Wohnfläche gekauft, die derzeit zwischen den Bestandsgebäuden neu errichtet werden. Sie sollen voraussichtlich ab Anfang 2021 fertiggestellt sein. Die Ende Januar beurkundete Transaktion umfasst ein Gesamtvolumen von rund 60 Millionen Euro und beinhaltet auch eine Quartiersgarage.

Damit sind die insgesamt 516 sich im Bau befindlichen Wohneinheiten im Triangle Housing fast vollständig verkauft. „Den Erlös aus dem Verkauf der Mietwohnungen nutzen wir, um die bezahlbaren Eigentumswohnungen zu subventionieren“, sagt Martin Bieberle, Geschäftsführer der LEG Hessen-Hanau.

Bis Mai soll dann auch die komplette Lärmschutzwand stehen, die vor den Autogeräuschen der angrenzenden Aschaffenburger Straße schützen soll. Auch hier wird recyclet, denn gefüllt wird die Wand mit dem Abbruchmaterial der alten Gebäude.

Auch die Stadtverordnetenversammlung wird sich am Montagabend (17.30 Uhr, Bürgerhaus Wolfgang) mit dem Pioneer Park auseinandersetzen. Konkret geht es um den Beschluss zum Ankauf eines Grundstücks auf dem Areal zum Bau einer Schule und einer Kindertagesstätte.

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