Die blaue Fee und die Grille stehen Pinocchio zur Seite. Der gerät immer wieder in Schwierigkeiten, weil er einerseits schlau, andererseits gutgläubig und dumm ist. Hier merken auch seine Freunde, wie die Nase wächst, wenn man lügt. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Pinocchio - das Musical überzeugte mit Moderne

Hanau. Ein wenig aufgeregt waren sie schon, die großen und kleinen Zuschauer, die am Samstagnachmittag im großen Saal des Congress Park Hanau (CPH) ihre Sitzplätze suchten.

Von Ulrike Pongratz

„Da müssen wir rein“, hörte man sie rufen oder auch fragen: „Siehst du was?“ Pünktlich um drei Uhr öffnete sich der Bühnenvorhang für „Pinocchio – das Musical“, eine Eigenproduktion des Theater Liberi, das mit dem HANAUER ANZEIGER als Medienpartner in der Brüder-Grimm-Stadt gasierte.

Mit den ersten Klängen endete das Getuschel schlagartig, die Allerjüngsten kletterten auf den Schoß von Oma oder Opa. Zwei Stunden lang boten Pinocchio und Geppetto, Fuchs und Kater, die Blaue Fee und Grille für Alt und Jung unterhaltsame, witzige Dialoge, akrobatische Tanzeinlagen und mitreißende Lieder, Eigenkompositionen, die von Blues, Funk, Jazz, Rock’n’Roll oder Pop beeinflusst sind. Die Zuschauer verfolgten gebannt, was auf der Bühne geboten wurde: ein modernes Familien-Musical im besten Sinn.

Keine Kenntnis nötig

Die Kinder mussten das italienische Märchen von Carlo Collodi nicht unbedingt kennen, sie konnten der Handlung, die in der Werkstatt des Schreinermeisters Geppetto ihren Anfang nimmt, mühelos folgen. Dieser schnitzt sich aus Pinienholz eine Marionette, die mit Hilfe der blauen Fee lebendig wird. Eine ‚Wunder-Puppe‘ mit langer Nase, voller Tatendrang, neugierig und abenteuerlustig, aber auch leichtgläubig und naiv.

Pinocchio muss sich in der Welt erst zurechtfinden. Als personifiziertes „Gewissen“ steht dem hölzernen Gesellen Grilletta, die nur für ihn sichtbare Grille, zur Seite, die schon mal entnervt ausruft: „Du treibst einen in den Wahnsinn.“

Mit Pinocchio, der Großes erleben will und feststellen muss, wie schwer es ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, können sich die Kinder leicht identifizieren. Er spricht, denkt und handelt wie sie; er stürzt sich in Abenteuer, macht Fehler und lernt schließlich daraus. Am Ende zeigt sich, er ist auf einem guten Weg, ein „echter Junge“ eben.

Eindeutig und kindergerecht

Auch die anderen Charaktere, wie der sorgenvolle Vater Geppetto, die beiden listigen Gauner, Kater und Fuchs und auch die sanftmütige blaue Fee sind eindeutig und kindgerecht, aber nicht klischeehaft dargestellt. Autor Helge Fedder: „Im Kern geht es in diesen Geschichten immer um zentrale Werte, die einfach aktuell bleiben: Das kann Freundschaft sein, Toleranz, Selbstvertrauen oder Mut. Ich versuche dabei immer, selbstbewusste Charaktere zu schaffen, die in der Lage sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“ Nicht nur die Texte, auch die Kompositionen von Hans Christian Becker und Christoph Kloppenburg sind eine Eigenproduktion des Theater Liberi. In Hanau gab es für das Familienmusical begeisterten Applaus in der sehr gut besuchten Vorstellung.

Das Theater Liberi ist seit 2008 von Oktober bis April mit Familien-Musicals auf verschiedenen Bühnen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zu Hause. Unterschiedliche Ensembles zeigen etwa 450 Shows pro Saison. Die vielfach bekannten Geschichten werden neu und modern inszeniert, alle Stücke sind Eigenproduktionen: „Texte, Musik, Bühnenbild, Kostüme – alles wird von uns selbst konzipiert und umgesetzt“, erklärt Produzent Lars Arend, der die künstlerische Gesamtverantwortung trägt.

Eine besondere Herausforderung

Was mit einer Idee und vier Menschen in Bochum begonnen hat, wird mittlerweile von über hundert Mitarbeitern professionell und mit Leidenschaft getragen. Denn das Tournee-Theater ist eine besondere Herausforderung für Ticketing, für Darsteller und Bühnenbild. Auch in Hanau wird noch am selben Abend alle Elemente in Lastwagen verstaut, denn bereits am nächsten Tag steht Kassel als Spielort auf dem Plan.

Nach der Vorstellung sind die Schauspieler für die Kinder zum Anfassen nah, nehmen sich Zeit. Im Gedränge werden Fotos gemacht und Autogrammwünsche erfüllt. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. „Ich hab' von allen eine Unterschrift“, konnte sich eines der Kinder freuen.

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