Der Pilgermusiker bei seinem Auftritt in der Kirche St. Elisabeth in Kesselstadt. Foto: Seifert

Hanau

Pilgermusiker unterwegs von Polen nach Santiago de Compostela

Hanau. In Polen ist Piotr Damasiewicz ein bekannter Jazzmusiker in der Jazzszene und hat als Trompeter, Pianist, Bassist und Komponist mit eigener Band Power of the Horns viele Auftritte – auch in Deutschland. Für seine Doktorarbeit hat sich der 39-Jährige nun etwas Besonders vorgenommen und so auch nach Hanau gekommen.

Von Thomas Seifert

Sein außergewöhnliches Vorhaben hat ihn am vergangenen Wochenende nach Kesselstadt in die St.-Elisabeth-Gemeinde geführt hat.

Der 39-Jährige ist samt sechs Kilogramm schwerem Equipment, bestehend aus Trompete, Aufnahmegerät, Mikrofon, Kamera, Ladegerät und diversen Kleinteilen, seit dem 13. Mai auf der Via Regia und dem Jakobsweg per pedes unterwegs und will spätestens am 21. November in Santiago de Compostela in Nordspanien ankommen.

Zu seiner Ausrüstung gehören natürlich noch Kleidung und Dinge des täglichen Lebens sowie Schlafsack und Planen, denn nicht immer findet der Musikpilger ein ‧festes Dach über dem Kopf. „Ich schlafe aber bei gutem Wetter sehr gerne unter freiem Himmel, die Ausrüstung dafür habe ich ja dabei“, berichtete er im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER, bevor er über Frankfurt, Mainz und Trier weiter nach Frankreich wanderte.

100 Kurzkonzerte auf 4000 Kilometer langer Reise

Seine Ausbildung hat Piotr Damasiewicz an den Musikakademien vom Katowice und Bydgoszcz absolviert und befasst sich derzeit intensiv im Studienbereich Instrumentalistik mit dem Thema „Klang und Akustik heiliger Orte im Kontext zeitgenössischer instrumentaler Darbietungen“.

Deshalb wird er insgesamt 100 Kurzkonzerte auf seiner 4000 Kilometer langen Pilgerreise geben und von diesen Auftritten Aufnahmen mitschneiden. „Es geht mir um eine akustische Vermessung von Kirchen oder Synagogen, wenn ich mit meiner Trompete gedämpfte und kontemplative Musik spiele“, stellte Damasiewicz fest. Die gesammelten Tonaufnahmen will er nach seiner Rückkehr nach Polen auswerten, die Ergebnisse sollen in seine Doktorarbeit mit dem Titel „Akustische Charakteristik des Jakobswegs und der direkte Einfluss des Klangs auf die Atmosphäre von Tempeln, Kirchen und Kapellen ausgewählter heiliger Orte“ einfließen.

Kontakt zur St.-Elisabeth-Gemeinde

Seine Pilgerreise begann der Pole in seinem Heimatland nahe der ukrainischen Grenze in einem Ort, wo die Urgroßeltern lebten, deren Vorfahren wiederum im 18. Jahrhundert aus Sachsen ausgewandert waren. In Görlitz überschritt Damasiewicz die Grenze und wanderte durch Sachsen, Thüringen und Bayern, ehe er in Hessen ankam.

Den Kontakt zur St.-Elisabeth-Gemeinde stellte die Schwester eines polnisch-stämmigen Gemeindemitglieds her, deren Familie den Besuch des Pilgers „als Fingerzeig Gottes und großes Geschenk“ empfand. Über diese Frau wurde wiederum der Kontakt zu Pfarrer Andreas Weber geknüpft und Piotr Damasiewicz hatte am Samstag während der Aufbauarbeiten zum Kirchweihfest und im Anschluss an den Festgottesdienst gleich zweimal die Möglichkeit, vor Helfern und Gläubigen zu spielen. „Die Gottesdienstbesucher wollten ihn gar nicht gehen lassen“, berichtete seine Gastgeberin.

Musik öffnet Türen

„Die Reise auf dem multikulturellen Pilgerweg hat eine kontemplative und spirituelle, aber auch eine kulturelle Fokussierung durch Musik und Klang“, beschreibt der 39-Jährige, der im Durchschnitt etwas mehr als 20 Kilometer pro Tag bislang zurückgelegt hat.

„Die Menschen waren überall sehr zuvorkommend und Musik öffnet noch so manche Tür zusätzlich. Das galt vor allem für Kirchen oder Synagogen, wo ich sehr gerne spielen und Aufnahmen machen wollte. Zum Beispiel gleich in Görlitz, in Bautzen, in Naumburg, in Bamberg oder in Gelnhausen und am Sonntag in St. Elisabeth“, stellt Damasiewicz fest. Insgesamt hat er bereits 76 Konzerte absolviert und bei seiner Ankunft in Mainz diese Woche die Hälfte der Strecke zurückgelegt.

Straffes Programm

„Dann kann ich mich mehr auf das Wandern konzentrieren und muss in Frankreich und Spanien jeweils nur noch 15 Konzerte spielen. Denn zwischendurch muss ich für fünf Tage wegen einer Verpflichtung in meine Heimat und die fehlen mir natürlich. Aber ich bin zuversichtlich, am 21. November in Santiago de Compostela anzukommen“, blickte der sympathische Musiker optimistisch auf die restlichen über 2000 Kilometer.

Infos über Piotr Damasiewicz und seine Aktivitäten gibt es auf Facebook, in Wikipedia (englisch) und in YouTube unter Power of the Horns. Wer die Pilgerreise des Musikers unterstützen will, kann ihm Geld auf das Konto IBAN PL77 1090 2516 0000 0001 4305 3270 überweisen.

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