Wünscht sich, dass die FDP künftig geschlossen auftritt und in der Viererkoalition mehr Eigenprofil zeigt: der scheidende Vorsitzende Dr. Ralf-Rainer Piesold. Er wird bei den heutigen Neuwahlen nicht mehr für das Spitzenamt antreten. Foto: Degen-Peters

Hanau

Piesold tritt nicht mehr als FDP-Vorsitzender an

Hanau. Jetzt ist es raus: Der langjährige Vorsitzende der FDP Hanau, Dr. Ralf-Rainer Piesold, tritt bei den heutigen Vorstandswahlen nicht mehr für das Amt des Spitzenmannes an. „Ich stehe für einen Präsidiumsposten nicht mehr zur Verfügung“, erklärte Piesold gestern im Rahmen eines Pressegesprächs.

Von Jutta Degen-Peters

Damit erreicht das Zerwürfnis zwischen den Liberalen und ihrem Vorsitzenden seinen Höhepunkt. Für die Mitgliederversammlung soll es eine Liste mit zwölf Namen geben. Für das Amt des Vorsitzenden wird Henrik Statz gehandelt.

Piesold begrüßt Verjüngung der ParteiDie heute Abend in der Mensa der Karl-Rehbein-Schule stattfindende Mitgliederversammlung der Hanauer Liberalen verspricht dennoch spannend zu werden. Eröffnen wird sie Piesold als noch amtierender Vorsitzender. Und er wird, so kündigte er gestern an, auch Bilanz ziehen, bevor es an die Wahlen geht. Den Unternehmensberater Henrik Statz, der sich nach den Worten von Parteivize Holger B. Vogt um das Amt des Vorsitzenden bewerben wird, will Piesold wählen. Er begrüße, dass sich seine Partei mit Statz verjünge. Nach der Wahl werde er die Veranstaltung verlassen.

Wie Holger B. Vogt auf Anfrage erklärt, bewerben sich neben Statz auch Dr. Michael Weller und Holger B. Vogt jeweils um die beiden Posten als Vize-Vorsitzende. Michael Truckenbrodt werfe seinen Hut für das Amt des Schatzmeisters in den Ring. Die weitere Liste der Vorschläge umfasst laut Vogt neben Angelika Opfermann und Marion Oberesch sowie Tobias Funk, die sich als Beisitzer bewerben, eine Reihe neuer Kräfte. Darunter auch Marc Schmidt von den Jungen Liberalen. „Nach meinem Kenntnisstand tritt Dr. Piesold nicht mehr an“, sagt Vogt auf die Frage nach dem bisherigen Vorsitzenden.

Piesold musste seine Stabstelle abgebenDer wiederum stellt nicht in Abrede, dass sein Abschied von der Parteispitze mit der scheibchenweisen Demontage zu tun hat, der er sich spätestens seit der Wahl Thomas Morlocks zum Stadtrat ausgesetzt sah. Nach der Wahl des Liberalen Morlock zum Stadtrat musste der Wirtschaftsinformatiker die Stabsstelle Digitalisierung und E-Government abgeben.

Dagegen hatte Piesold vor dem Arbeitsgericht geklagt und Recht bekommen. Seit Anfang dieser Woche sitzt Piesold wieder in einem Büro der Stadt und bearbeitet dort das Thema Datenschutz.

„Das ist genug“Dieses Vorgehen hatten ihm Parteikollegen übel genommen. „Einige in der Partei haben mir meinen Abschied erleichtert“, sinniert der Ex-Stadtrat. 35 Jahre lang habe er Vorstandsarbeit bei den Hanauer Liberalen geleistet. Damit ist Piesold, der als Vize des damaligen Parteichefs Werner Dausien begonnen hatte, dienstältestes Vorstandsmitglied. „Das ist genug“, sagt Piesold. Zudem sei er 60 Jahre alt und blicke auf rund 100 000 Arbeitsstunden im Dienste der Partei zurück, währenddessen er sich über weite Strecken als Mädchen für alles betätigt habe.

Von seinen Parteikollegen war ihm mehrfach vorgeworfen worden, allein zu agieren und nicht im Team zu arbeiten. Jetzt solle ein „Neustart“ vollzogen werden. Das, so Piesold, verstehe er nicht. Schließlich habe die FDP bei den Kommunalwahlen (mit ihm) gut abgeschnitten. Die Möglichkeit, Akzente zu setzen, habe es immer gegeben, gibt er zu bedenken.

Dass er nicht schon früher gegangen ist, etwa, als er seine Stabsstelle Digitalisierung und E-Government räumen musste, erklärt der Betriebswirtschaftler und Wirtschaftsdozent auch mit einem Quäntchen persönlicher Eitelkeit. Er habe die Brocken während der Kampagne zur Bundestagswahl, für die er kandidierte, nicht hinwerfen wollen. Diesen Wahlkampf habe er aber zudem als FDP-Vorsitzender bestreiten wollen, betont Piesold.„Ich blicke ohne Zorn zurück“, erklärt er weiter und kündigt an, die Kommunalpolitik auch in Zukunft kritisch begleiten zu wollen. Er denke darüber nach, ob er bei den Kommunalwahlen 2021 ein Mandat anstreben solle. Und er wäre sogar bereit, weiter im Vorstand mitzuarbeiten. „Ich hoffe auf faire Prinzipien und Meinungsfreiheit“, sagt der scheidende Vorsitzende.

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