Philipp Weber redet schnell und unterstreicht seine Worte mit dem gesamten Körper. Foto: Pauly

Hanau

Philipp Weber begeistert im ausverkauften Stein´s Tivoli

Hanau. Bereits zum vierten Mal war der Amorbacher Kabarettist Philipp Weber zu Gast bei der Hanauer Reihe Kultour und auch dieses Mal hatte der „Turboquassler“ sein Publikum im ausverkauften Stein's Tivoli Hanau binnen Minuten in seinen Bann gezogen.

Von Andrea Pauly

Mehr als zweieinhalb Stunden unterhielt und informierte der Verbraucherschützer unter den Kabarettisten seine Fans bestens. Eine von Zuschauerlachern gefolgte Pointe jagte die nächste inklusiver viel Wissenswertem zum Thema manipulativem Marketing und Werbung.

Weber redete schnell, philosophierte, reflektierte, ereifert sich über Zeitgeist-Idioten oder ging wie das legendäre HB-Männchen in die Luft. Dabei warf er mit originellen Sprüchen, scharfsinnigen gesellschaftlichen Beobachtungen, Kalauern und satirischen Spitzen nur so um sich. Das inzwischen fünfte Programm des mehrfach ausgezeichneten Kabarettisten – „Weber N°5: Ich liebe ihn!“ – präsentierte sich als gewitzte Gebrauchsanweisung für den freien Willen und drehte sich um die Macht des Marketings, um Werbung und Manipulation. Und auch darum, ob sich ein Kabarettist nach allen Regeln der Kunst vermarkten lassen sollte.

Zwischen Kommerz und MoralDabei hat Weber einen hohen Anspruch an sich selbst „als Intellektueller“, will sich der Werbung mit ihren vielen Lügen und dem Kommerz entziehen. Aber auch er könnte bei seinem rhetorischen Marathon durch unsere Marketing dominierte Zeit schwach werden, wenn es um 5000 Euro geht. Denn auf den Rat seines Schulfreundes und Agenturbesitzers lässt sich Weber auf völlig abstruse PR-Aktionen ein.

Doch seine Gags sind nicht nur seinem intellektuellem Anspruch geschuldet. Manchmal muss es einfach nur krachen. Zum Beispiel, wenn er sich als Küchengeräte-Junkie outet, der Milchschäumer, Pfannen und überdimensionierte Webergrills sammelt. Auch beim Deo für den Mann gibt er sich eindeutig etwas derber: „Es gibt kein Deo, das Weiber geil macht.“ Er hat sie alle ausprobiert – wieder ein Lügenpunkt für die Werbung. Außerdem sei es völlig normal, dass ein Mann, der zum Einkauf einer Schachtel Eier losgeschickt werde, mit einem Laubbläser oder einem PC nach Hause komme – ohne Eier – ist klar.

Politiker und WerbestrategienSezierend analytisch widmete sich der Kabarettist unseren Bedürfnissen und wie sie von der mit Emotionen spielenden Werbung kurzfristig befriedigt werden, um neue Bedürfnisse zu wecken. Bei Weber stehen die Politiker ebenso im Fokus wie Werbestrategen, die sich um pränatales Marketing kümmern oder so etwas wie die rappende Pudding-Kuh Paula erfinden.

Und natürlich war auch der von der Industrie forcierte geplante Verschleiß ein Thema, der uns nötigt, permanent neue Dinge anzuschaffen. „Aber wir kaufen auch Dinge, die wir nicht benötigen, um Mensch en zu beeindrucken, die wir nicht mögen“ so Weber.

Eine letzte einfache aber vielschichtige Wahrheit gab der studierte Chemiker seinem völlig begeisterten Publikum kurz vor der Zugabe über „Slowfood“ und Wohlstandsallergien noch mit auf den Heimweg: „Sie wissen ja – das Wichtigste im Leben bekommt man immer nur geschenkt“.

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