Karamellisierter Ziegenkäse und Zucchinishot – wird oftmals zwischen Hauptgericht und Dessert eingenommen, da es die Geschmacksnerven neutralisiert, wie Fendrich erzählt. Foto: Grziwa

Großauheim

Peter Fendrich betreibt Supper Club - Essen in Wohnzimmer-Flair

Großauheim. Kochen und gemeinsam essen gehört für viele zu einer guten Lebensqualität dazu. Der Supper Club in Großauheim macht es möglich, in einer entspannten Wohnzimmer-Atmosphäre gutes Essen zu genießen.

Von Nicole Grziwa

Schmackhafte Düfte, entspanntes Zusammensitzen, sich bekochen lassen und das bei fremden Leuten, in fremden Wohnzimmern. Supper Clubs, auch bekannt als Guerilla Diner oder Social Diner haben viele Ursprünge. In Kuba waren sie illegal. Zu Zeiten der Wirtschaftskrise gab es dort kaum Essbares in den Lebensmittelgeschäften zu kaufen. Nachbarschaften halfen sich aus, indem sie etwas aus den Lebensmitteln kochten, die sie zu Hause hatten.

Supper Clubs als TrendAuch in den USA und in Großbritannien gab es in den 30er und 40er Jahren Supper Clubs. In Großbritannien genoss man zu dem Menü Jazzmusik, die in dieser Zeit durch die Amerikaner modern wurde. Mittlerweile sind Supper Clubs eine Trendform abseits von Restaurants. Seit etwa einem dreiviertel Jahr sind sie als Social Diner auch in Deutschland bekannt. Sie erinnern an die Sendung „Das perfekte Dinner“, nur ohne Kamera.

Peter Fendrich arbeitet in Steinheim als Koch. Nicht nur dort schwingt er den Kochlöffel, sondern auch zu Hause für fremde Gäste. Er betreibt in seiner Wohnung in Großauheim einen Supper Club. Gemeinsam mit seiner Freundin bekocht und bewirtet er seit August letzten Jahres fremde Menschen, die sich vorher über Facebook bei ihm gemeldet haben.

Kochen ist eine Leidenschaft„Ich war für eine längere Zeit krankgeschrieben, da ich einen Bandscheibenvorfall hatte. Ich habe mich zu Tode gelangweilt, deshalb hatte ich Lust auf etwas Neues“, so Fendrich. Für ihn ist Kochen nicht nur ein Beruf, sondern eine Leidenschaft. Seit seinem Krankenstand versucht er ein bis zwei Mal im Monat ein Event zu organisieren, was Fendrich über verschiedene Gruppen auf Facebook bewirbt. Für diese Events kocht er ein Menü mit mehreren Gängen. „Es ist nicht schwer sein Essen selbst zu kochen. Aus einfachen Lebensmitteln kann man etwas sehr Gutes zubereiten. Das möchte ich meinen Gästen auch vermitteln“, so der Koch.

Darüber unterhält er sich auch oftmals mit seinen Gästen, die ihm während des Kochens natürlich über die Schulter schauen dürfen. Dabei hat das Paar schon nette Bekanntschaften gemacht. Für Fendrich sind diese speziellen Kochabende auch eine Art Eigentherapie, denn der Koch ist eher ein zurückhaltender Mensch. Durch den Supper Club zwingt er sich selbst auf Menschen zuzugehen und aus seiner Initiative heraus ein Gespräch anzufangen.„Wir haben leider nur Platz für vier Leute, aber es ist immer wie ein Abend mit Freunden. Meinetwegen können die Gäste auch gerne in Jogginghose kommen. Sie sollen sich wohlfühlen“, sagt Fendrich.

Nur der Unkostenbeitrag wird beglichenMit dem Supper Club darf man keinen Gewinn erzielen. Dennoch zahlen die Gäste einen Preis für die Lebensmittel und den Strom, nicht aber die Arbeitskraft. So bekommen sie ein tolles Menü zubereitet, aber für weniger Geld als im Restaurant.

„Zurzeit mag ich persönlich eine Mischung aus asiatischem und amerikanischem Essen am liebsten“, so Fendrich. Privat hat er in den letzten Jahren einen ganz eigenen Kochstil entwickelt. Er verwendet beispielsweise gerne verschiedene Trockenmarinaden für verschiedene Fleischsorten, was einen eigenen Geschmack zur Folge hat.

Unterstützung von der FreundinWährend der Supper Club Abende gibt es aber nicht nur seine Lieblingsgerichte. Zum Oktoberfest hat das Paar beispielsweise ein Event organisiert, an dem typische Gerichte der Wiesn auf den Tisch kamen. Passende Biersorten durfte Fendrichs Freundin aussuchen. Sie arbeitet auch in der Gastronomie und unterstützt ihren Koch etwa bei der Getränkeauswahl.

„Ich versuche von A bis Z alles selbst zu zubereiten“, sagt der Koch, dem schon viele weitere Mottoabende für seinen Supper Club vorschweben.

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