Hanau

Paula-Fürst-Schule zieht im Herbst 2020 in ihren Neubau

Hanau. Helle Räume, bunte Farben, freundliche Atmosphäre: Wer die Räume der Paula-Fürst-Schule betritt, die noch im ehemaligen Landratsamt untergebracht ist, wird sinnbildlich mit offenen Armen empfangen. Wie das bei den Schülern dieser Einrichtung ankommt, das dokumentiert eine auf die Wand gemalte überdimensionale Eiche.

Von Jutta Degen-Peters

Auf den dort aus grüner Pappe angehefteten Blättern stehen Sprüche wie: „Es war gut, dass man in kleinen Gruppen unterrichtet wird“, „Hier gibt es keinen Druck“ oder „Ich fand's hier voll cool. Nur blöd, dass ich weg muss“.

Schüler sind nur wenige Wochen an der Schule

„Weg müssen“ bedeutet in diesem Fall tatsächlich das Verlassen der Schule. Denn anders als andere Schulen besuchen Kinder und Jugendliche die „Paula Fürst“ immer nur einige Wochen. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt vier bis sechs Wochen.

Eingerichtet wurde die Schule für Schüler, die über einen längeren Zeitraum wegen einer medizinischen oder therapeutischen Behandlung ihre Stammschule nicht besuchen können. Damit sie ihren Schulstoff nicht wochenlang verpassen, können sie sich während ihrer Zeit in Hanau an der „Schule für Kranke“ unterrichten lassen. Ein Angebot, das immer wichtiger wird, wie ein Gespräch mit der Leiterin der Schule, Claudia Steinkrüger, zeigt: Die Zahlen von Kindern und Jugendlichen mit seelischen Erkrankungen nehmen stetig zu.

Schülerzahl verdreifacht sich

Das hat zur Folge, dass die Paula-Fürst-Schule im nächsten Jahr umziehen und ihre Schülerzahl mehr als verdreifachen wird. Grund hierfür ist eine Aufwertung des Klinikstandortes Hanau: Die Stadt bekommt eine neue vollstationäre psychiatrische Klinik für junge Patienten, womit sich das Einzugsgebiet der Paula-Fürst-Schule künftig neben Schülern aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis auch auf Kinder und Jugendliche aus dem Raum Offenbach erstrecken wird

Bisher gibt es in der Goldschmiedestadt nur eine psychiatrische Tagesklinik für junge Patienten, die von der Vitos Klinik Herborn an der Geibelstraße unter Trägerschaft des Landeswohlfahrtverbandes unterhalten wird.

Geplante Eröffnung am 1. Oktober 2020

Der Umzug in ein ehemaliges Kasernengebäude am Sophie-Scholl-Platz ist unumgänglich, andernfalls würde die Paula-Fürst-Schule aus allen Nähten platzen. Bisher stehen der Bildungseinrichtung vier kleine Klassenräume und Verwaltungsräume zur Verfügung. Zum 1. Oktober, so hoffen Steinkrüger und ihr Team, soll am neuen Ort eine große und moderne Schule ihre Pforten öffnen.

„Wir möchten zeitgleich mit der neuen Klinik beginnen“, sagt die Schulleiterin und breitet nach einem kurzen Rückblick in die schwierigen Anfänge der Schule in beengten Verhältnissen an der Geibelstraße 18 stolz die Pläne für den neuen Bau auf dem Tisch aus.

Neun statt vier Klassenräume

Neun Klassenräume von rund 45 Quadratmetern soll es in dem Gebäude geben. „Zwei Klassenräume werden sich jeweils einen Differenzierungsraum teilen“, erläutert Steinkrüger. Denn anders als in anderen Schulen differiert das Lernniveau bei den Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters, die von verschiedenen Schulformen kommen. Auf zwei Etagen werden sich im sanierten Altbau die Klassenräume, eine Aula, Musikräume, Verwaltungsräume und eine Bibliothek verteilen.

„Die Kosten, auch die für die Ausstattung unserer neuen Schule, trägt der Landeswohlfahrtsverband“, so Steinkrüger weiter. Für weiteres Lehrmaterial, etwa für die Bibliothek, weiß sich die Schule der Unterstützung des Fördervereins sicher. Der besteht seit zehn Jahren, hat zurzeit etwa 25 Mitglieder und hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Verschönerungen gesorgt. „Das Klettergerüst wurde auch durch Spenden des Fördervereins ermöglicht“, sagt Steinkrüger und deutet aus dem Fenster nach unten in den Hof.

Einrichtung hat sich seit 2007 stetig weiterentwickelt

Begonnen hatte die Einrichtung im Januar 2007 an der Geibelstraße 18 mit einem kommissarischen Schulleiter und Lehrer-Abordnungen oder dem Einsatz ehemaliger Lehrkräfte, nachdem in Hanau eine Zweigstelle der Kinder- und Jugendpsychiatrie Herborn eröffnet worden war. Claudia Steinkrüger, die Gerhard Lux als Schulleiterin 2008 ablöste, schmunzelt, wenn sie an die Anfänge denkt. „Am alten Standort mussten wir die Räume noch täglich umräumen, weil nicht genug Platz für Lehrer, Elternsprechzeiten- und Unterricht bestand.“

Diese Zeiten hat das Kollegium längst hinter sich gelassen. „Gottseidank“, sagt Steinkrüger erleichtert. Derzeit kümmern sich die Lehrer, bei denen sich neun Personen als Teilzeitkräfte drei Stellen teilen, um durchschnittlich 15 Schüler. Im ehemaligen Landratsamt, wo die Schule noch untergebracht ist, geschieht das in vier Klassenräumen. Die sind klein und zugeschnitten auf kleine Gruppen von drei bis maximal sechs Kinder oder Jugendliche. „Den Schülern gefällt die familiäre Atmosphäre“, sagt Steinkrüger, die selbst Förderunterricht gibt, wenn sie nicht mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt ist.

Aktuell 20 Schüler

Aktuell besuchen 20 Kinder und Jugendliche die „Paula Fürst“. Sie unter einen Hut zu bekommen, ist für die Lehrer oft eine Herausforderung: „Hier findet Deutschunterricht für Förderschüler statt. Dort wird der Konjunktiv II als Oberstufenstoff der Haupt- oder Realschule drangenommen“, macht Steinkrüger die Leistungsunterschiede deutlich.

Der Spagat scheint zu gelingen. Das jedenfalls signalisieren die positiven Botschaften auf dem großen Baum aus Pappe im Flur. Sie stehen dafür, dass den Schülern mit Einfühlungsvermögen und Empathie begegnet wird. „Die Kinder sollen ja nicht in der Schule noch zusätzlichen Stress erleben. Aber wir wollen verhindern, dass sie den Anschluss verlieren“, betont Steinkrüger.

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