Eine Patin mit ihren Pferden: Gerlind Fischer-Defoy hat gleich drei Patenschaften für die Holzpferde im Wilhelmsbader Karussell übernommen und so die aufwändige Restaurierung finanziert. Foto: Michael Bellack

Hanau

Paten der restaurierten Karussellpferde auf Tafel gewürdigt

Hanau. Sie heißen Askana, Helanchri, Ingeborg oder Spartacus. Gekostet haben sie 15 000 Euro – jeweils. Die restaurierten Karussellpferde im Staatspark Wilhelmsbad drehen schon seit 2016 wieder ihre Runden. Möglich gemacht haben das ihre Paten. Als Dank an die spendablen Geldgeber wurden nun Tafeln Nahe das Karussells enthüllt.

Von Michael BellackDie zehn Paten, ob Einzelpersonen, Paare oder Organisationen, haben dafür gesorgt, dass 14 der 16 Karussellpferde wieder in altem Glanz erstrahlen. Zumindest größtenteils. „Die Schönheit wurde ihnen zurückgegeben, die Patina wurde aber bewahrt“, sagte Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten, bei der Einweihung. Abgenutzte Stellen des ursprünglichen Lackes wurden bewusst nicht neu lackiert, um den Charme der über hundert Jahre alten Pferde zu erhalten.

Das war auch Bernhard Eckenroth wichtig. Das Mitglied des Fördervereins für das Karussell gab den Anstoß für die Patenaktion und ging selbst als gutes Beispiel voran. Gleich zwei Patenschaften hat er gemeinsam mit seiner Frau Heidemarie übernommen, die Holzpferde hat er nach seinen Kindern Simon und Nele benannt. Für den gebürtigen Pfälzer war es ein Herzenswunsch, die Pferde in altem Glanz zu sehen: „Ich lebe seit 1966 in Hanau und habe die Stadt mehr lieben gelernt als meine Heimat. Das Karussell ist einfach einmalig.“

„Sind sie nicht schön?“

Nun ist sein Name neben denen der anderen Spender auf der Tafel verewigt. Dazu sind die jeweils passenden Pferde abgebildet. Auf einer Info-Tafel gleich daneben wird zudem die Geschichte des 1780 errichteten Karussells beleuchtet. Dort sind auch die Namen der Pferde zu sehen. Diese wurden nach Kindern und Enkeln benannt – und nach bekannten Filmpferden. So dreht auch Old Shatterhands bekanntes Pferd Hatatitla seine Runden im Staatspark von Wilhelmsbad.

Gerlind Fischer-Defoy waren die Namen ihrer Pferde herzlich egal. Gleich drei Patenschaften hat die 91-Jährige übernommen. Askana, Leporello und Missi wurden die Holzrösser schließlich getauft. „Sind sie nicht schön?“, fragt die Ur-Hanauerin, als sie sich ihre Pferde noch einmal aus der Nähe ansieht. „Es ist eine Freude. Toll, dass man den Mut hatte, sowas zu machen“, sagt sie zu den restaurierten Rössern, deren Wiederherstellung sie finanziert hat. Als das Karussell nach der 2007 begonnenen, aufwändigen Restaurierung im Jahr 2016 seine ersten Runden drehte, war Fischer-Defoy gleich dabei. Als Kind war sie durch Wilhelmsbad getobt, das Karussell stets im Blick. Der zwischenzeitliche Zustand des ältesten feststehenden Karussells der Welt sei „schrecklich“ gewesen. Kein Wunder, dass sie ohne zu überlegen sofort dabei war, als nach Paten gesucht wurde.

1,4 Millionen Euro Spenden für das Karussell

„Ich bin begeistert, wie großherzig und spendabel sich die Paten der Pferde hier finanziell engagiert haben. Das zeigt, welchen hohen Stellenwert unser kulturelles Erbe für jeden Einzelnen hat“, betonte Worms in ihrer Ansprache. Auch für in Zukunft anfallende Instandhaltungskosten hätten die Paten bereits ihre Zusage gegeben. Zum Glück, so Worms, müsse man mit den Pferden nicht zum Tierarzt.

Einzig der Holzwurm war bereits ein Problem, wie Stefan Bahn, Vorsitzender des Fördervereins, erklärte. Er hob noch einmal hervor, in welchen finanziellen Dimensionen man sich bewegt. Insgesamt 1,4 Millionen Euro hat der Förderverein durch verschiedenste Aktionen insgesamt an Spendengeldern eingenommen. „Für unser Karussell in Hanau. Das ist eine echte Aussage.“ Mit den beiden Tafeln sollen nun diejenigen geehrt werden, die alles möglich gemacht haben.

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