An der Aschaffenburger Straße wurden Anfang des Jahres zahlreiche Pappeln gefällt. Das stieß auf Unmut in der Wolfgänger Bürgerschaft (rechtes Bild). Zahlreiche Bäume - insbesondere Pappeln - sind in Hanau von Misteln bewachsen (linkes Bild). Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Pappelfällungen an Aschaffenburger Straße: Kritik an Begründung

Wolfgang. Auf Kritik aus den Reihen der Wolfgänger Bürger stößt weiterhin die Fällung zahlreicher Pappeln entlang der Aschaffenburger Straße. Während die Untere Naturschutzbehörde durch Mistelbewuchs mangelnde Vitalität der Pappeln als Grund anführt, ist Naturfreund Heinz Ross gegenteiliger Meinung.

Von Holger Hackendahl

Die Anfang des Jahres durchgeführten Rodungen entlang der vierspurigen Bundesstraße, wo viele Jahrzehnte alte Pappeln standen, seien vor allem im Hinblick auf die dort vorgesehene Lärmschutzwand vorgenommen worden, sagte die Stadt. Die Arbeiten hierzu würden zwar voraussichtlich erst im Sommer beginnen, hieß es in einer Stellungnahme zu Anfang dieses Jahres.

Da aus Rücksichtnahme auf die Brut- und Setzzeit zwischen März und Oktober keine Fällarbeiten erlaubt sind, seien die Fällungen vorgezogen worden. Die entsprechenden Fällanträge hatte die LEG Hessen-Hanau GmbH bei der Stadt Hanau eingereicht. Dort seien sie durch die Untere Naturschutzbehörde unter Verweis auf die Fällperiode aus Rücksicht auf die bald beginnende Brut- und Setzzeit genehmigt worden. Da Fällungen nur bis Ende Februar möglich sind, würden aktuell auch schon Bäume an Stellen gefällt, an denen erst zu einem späteren Zeitpunkt die Bauarbeiten starten würden, hieß es in einer Mitteilung der Stadt.

Viele der gefällten Pappeln hätten Vitalitätsmängel wegen Mistelbefall aufgewiesen. Glasbrüchige Hybrid-Pappeln gefährdeten darüber hinaus die Verkehrssicherheit, so die kurze Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde zu den Pappelrodungen an der Aschaffenburger Straße.

Eine weitergehende Stellungnahme zum Fällen und zum Mistelbefall der Pappeln war von der Unteren Naturschutzbehörde in den vergangenen Wochen trotz mehrfacher Anfrage nicht zu erhalten. Dort hüllt man sich in Schweigen. So bleibt es bei er dünnen und wenig stichhaltigen Aussage, die bei den Kritikern der Baumfällung nicht auf Wohlgefallen stoßen dürfte.

"Macht dem Baum überhaupt nichts aus"

„Wenn der Mistelbefall von Bäumen ein Argument zum Fällen wäre, müssten bei Hanau ganze Waldbestände gefällt werden – etwa die vielen Pappeln entlang der Kinzig oder die Pappeln im Waldgebiet nahe der ehemaligen Fischzucht Haas. Aber die Mistel macht dem Baum überhaupt nichts aus“, sagt Heinz Ross, erfahrener Naturfreund und Forstmann aus Wolfgang. „Wenn behauptet wird, die Bäume seien wegen der Misteln nicht vital, ist das so nicht richtig. Ich habe mir nach der Fällung die gefällten Baumstümpfe der Pappeln angeschaut.

Da waren astreine Schnittflächen und es war kein Schaden im Holz zu sehen. Die von der Unteren Naturschutzbehörde angeführten Argumente dienen zum Verhohnepipeln der Bürger“, glaubt Ross. Er sagt, dass Misteln lediglich aus Obstbäumen herausgemacht werden sollten, da sonst der Ernteertrag sinke. „Erst kürzlich wurde mir in einem Vortrag über Misteln bestätigt, dass – mit Ausnahme einer Mistelart, die Kiefern befällt – die Mistel den Bäumen nichts ausmacht. In England gilt die Mistel fast schon als heilige Pflanze“, unterstreicht Naturfreund Ross.

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