Blick in die Räume des Papiertheatermuseums, das derzeit wegen des Umbaus im Schloss nur eingeschränkt zugänglich ist. Foto: Bildarchiv Stadt Hanau

Hanau

Papiertheaterverein feiert sein 25-jähriges Bestehen

Hanau. Um ein Haar hätte der Papiertheaterverein seinen 25. Geburtstag verpasst, doch Vorsitzende Sieglinde Haase blätterte im Frühjahr in den Vereinsunterlagen und stieß per Zufall auf die Seite mit den Daten des Treffens zur Vereinsgründung, das am 17. Mai 1992 auf der Terrasse von Schloss Philippsruhe stattfand.

Von Thomas Seifert

Mit der Gründung des Papiertheatermuseums im Schloss Philippsruhe fanden sich schnell Freunde dieser Einrichtung zusammen, die sich das Ziel setzten, „eine fruchtbare Arbeit zur wissenschaftlichen Erforschung des Papiertheaters, zur Darstellung der sozialen, pädagogischen und kulturellen Bedeutung des Papiertheaters seit dessen Entstehen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart“ zu leisten. Das schreibt Haase in ihrem Bericht zur Jahreshauptversammlung, die die Mitglieder in diesem Jahr nach Darmstadt zur Sammlung Walter Röhler führte. Das Museum stellt aber nicht nur die Minibühnen der verschiedensten Epochen aus, es besitzt auch eine eigene Papiertheaterbühne, „auf der pädagogisch geleitete Aufführungen vor Publikum stattfinden“.

In den Unterlagen ist festgelegt, welcher Vereinszweck erfüllt werden soll. „In dem Bestreben, auf den durch die Stadt Hanau gesetzten Grundlagen aufzubauen und Forschung und Wissenschaft, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur tatkräftig zu fördern und zu unterstützen, wird der Verein 'Hanauer Papiertheater Schloss Philippsruhe e.V.' gegründet“, heißt es dort. Dem ersten Vorstand gehörten Dietger Dröse, Helmut Wurz, Rüdiger Koch, Hans-Otto Bienau und Dr. Anton Merk an.

ÖffentlichkeitsmobilisierungDer Vorstand wurde auch gleich in Sachen Mitgliederwerbung aktiv und verfasste einen Brief, in dem die Ziele konkretisiert wurden: „Der Verein verfolgt den grundsätzlichen Zweck, das Hanauer Papiertheatermuseum, alle auswärtigen Initiativen wie z.B. das Preetzer Papiertheatertreffen oder wissenschaftliche Arbeiten zu unterstützen.“ Das scheint gelungen zu sein, denn nach vier Jahren zog Dröse eine positive Bilanz in Sachen bessere Kommunikationsebene, Öffentlichkeitsmobilisierung und Finanzierung. Die Unterstützung von Festivals in ganz Deutschland – zu dem von Preetz in Schleswig-Holstein sind noch einige andere hinzugekommen – ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit, bestätigt Sieglinde Haase.

Und so verwundert es nicht, dass viele Mitglieder gar nicht in Hanau und der Umgebung wohnen, sondern über die gesamte Republik und sogar das benachbarte Ausland verstreut sind. Haase, Vorsitzende seit viereinhalb Jahren, wohnt zum Beispiel in Remscheid, die Schatzmeisterin Sabine Ruf kommt aus der Nähe von Fürth. So wie schon in den Anfangsjahren, als der Verein jährlich an verschiedenen Orten Symposien zum Thema Papiertheater organisierte, werden auch heute noch mehrere Festivals finanziell unterstützt. Wobei die Mitglieder dann dort fast immer die meisten Bühnen stellen, betont Haase nicht ohne Stolz.

Medium PapiertheaterVor 17 Jahren kam das Ehepaar Haase zum ersten Mal mit Papiertheater in Berührung und war sofort Feuer und Flamme. Er hatte bereits Erfahrungen als Laienspieler, Regisseur und ist leidenschaftlicher Bastler, sie verlegte sich aufs Spielen und die Organisation. Inzwischen haben die Haases in ihrem Wohnhaus zwei Theaterräume mit zehn und 16 Plätzen und ziehen mit ihren mobilen Bühnen durch das Land. „Im vergangenen Jahr kamen so 140 Aufführungen zusammen“, zählt Haase auf. Das Museum in Hanau besuchte das Ehepaar dann auf einem Stopp bei einer Fahrt in den Süden und wurde 2008 beim Festival in Preetz angesprochen, Mitglied zu werden. „Mein Mann trat 2010 dem Verein bei, ich dann 2012 – und wie das so geht, ist man plötzlich Vorsitzende.“

Sieglinde Haase freut sich, dass viele unterschiedliche Bühnen dazu beitragen, das Medium Papiertheater bekannter zu machen: „Das Publikum ist heute wie damals fasziniert vom Charme der kleinen Bühnen. Die Spieler haben vorrangig andere Ziele und Fragen als die Sammler. Wo gibt es Auftrittsmöglichkeiten? Wie finden wir Beachtung in der Öffentlichkeit? Wie können wir unser Publikum erreichen? Aber auch: Wo bekomme ich Material her? Und da schließt sich für mich der Kreis. Es ist schön, wenn sich Sammler und Spieler ergänzen und voneinander profitieren. Sammler, Spieler und Liebhaber bewahren die Theaterbegeisterung des 19. Jahrhunderts, um sie im 21. Jahrhundert weiter zu verbreiten und immer noch lebendig zu halten.“

'Das Blättchen'Dazu haben auch die Publikationen, die der Verein herausgegeben hat, einen Beitrag geleistet. Haase hat sie alle noch einmal chronologisch aufgelistet: „Die erste Vereinszeitung erschien Anfang 1993 und war ein Mitteilungsblatt des 'Hanauer Papiertheater Schloss Philippsruhe e.V.'. Im Impressum stehen als Verantwortliche Dietger Dröse, Rüdiger Koch und Wilhelm Severin. Die Zeitung nannte sich schlicht und einfach 'PapierTheater', letzte Ausgabe Heft 16 Jahrgang 2000. Ab Dezember 2000 übernahm Norbert Neumann mit der 17. Ausgabe die Gestaltung der Zeitung, die er bescheiden 'Das Blättchen' nannte.

Von diesem Zeitpunkt an änderte der Verein auch seinen Namen in 'Forum Papiertheater – Hanauer Papiertheater Schloss Philippsruhe e.V.'. Heft 32 beendete leider im Dezember 2006 diese Reihe von wunderbaren Zeitschriften. Die nachfolgende Zeitung nannte sich nun 'Das PapierTheater' und startete im Januar 2007 mit Heft 1. Rainer Sennewald, Uwe Warrach und Gaby John begannen ihre redaktionelle Arbeit, wobei die Aufmachung nun einer Tageszeitung ähnelte. Im Dezember 2015 beendete Uwe Warrach 'Das PapierTheater' mit einem Sonderheft im Maxi-Format. Anfang 2016 übernahm Sabine Herder die Redaktion und veröffentlichte unter dem Titel 'PapierTheater' im Juni 2016 das erste Heft unter Fortsetzung der alten Zählung.“

Regelmäßige Aufführungen in Schloss PhilippsruheIm Museum in Schloss Philippsruhe finden seit der Vereinsgründung regelmäßige Aufführungen der Bühnen Wurz und Buttler sowie diverse Gastspiele statt. Im Laufe der 25 Jahre gab es dort viele Aktivitäten und Ausstellungen, wie zum Beispiel 1996 eine Ausstellung, die den 1974 verstorbenen Papiertheaterkenner und -sammler Walter Röhler ehrte, stellt Haase fest.

Auch an die schöne Feier zum 20-jährigen Museumsbestehen 2010 erinnert sie sich gerne. „Wir hoffen, dass wir nach den Renovierungsmaßnahmen im Schloss das Museum wieder so einrichten können, dass viele Menschen beim Besichtigen ihre Freude daran haben“, blickt die Vereinsvorsitzende in die Zukunft.

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