Es geht nach Berlin. Die Klasse 9 GF hat die Fahrt beim Wettbewerbe der Bundeszentrale für politische Bildung gewonnen. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Otto-Hahn-Schüler gewinnen Hauptpreis beim Wettbewerb der bpb

Hanau. Wenn ein Schulleiter den Mathe-Unterricht des Klassenlehrers unterbricht, dann muss tatsächlich etwas sehr, sehr Dringliches anliegen. „Der Unterricht fällt heute aus“, sagt Thomas Röder-Muhl in die Stille des Klassenraumes.

Von Ulrike Pongratz

In Begleitung von PoWi-Lehrer Christopher Weigelt, Presse und Rundfunk und Hans-Georg Lambertz kommt Röder-Muhl in den Klassenraum. Erste Gesichter entspannten sich: „Der Wettbewerb!“, dämmert es einigen.

Die Überraschung ist Hans-Georg Lambertz gelungen. Der Leiter des Wettbewerbs der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist persönlich aus Bonn angereist, um den Schülern einen der elf begehrten Hauptpreise zu überreichen. „Für mich ist der persönliche Besuch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung der Arbeit von Schülerinnen und Schülern und natürlich freue ich mich auch jedes Jahr riesig auf die überraschten Gesichter“, so Lambertz.

Im Sommer nach Berlin

Die ganze Klasse 9 GF fährt im Sommer nach Berlin. Die fünftägige Reise ist bereits gebucht und vollständig bezahlt, das Programm ist organisiert. Zu den Höhepunkten zählt vermutlich der Besuch im Kanzleramt. „Es ist eine Bildungsreise, ja, aber im Vordergrund sollen Freude und Spaß stehen“, so Lambertz. „Das ist die Belohnung für die tolle Arbeit, die ihr mit eurem Projekt geleistet habt.“

Der Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung wurde 2018 bereits zum 48. Mal ausgelobt. 2556 Klassen an deutschsprachigen Schulen weltweit hatten die Möglichkeit, einen kreativen Projektvorschlag als Beitrag zur politischen Bildung einzureichen. Zwölf Aufgabenfelder standen zur freien Auswahl, die Schüler konnten das Thema wählen, das sie am meisten begeisterte. Ziel des Wettbewerbs ist es, Felder der politischen Bildung auch außerhalb des Lehrplanes kennenzulernen. Eigeninitiative und Kreativität sollen mit dem Projekt gefördert und unter Beweis gestellt werden.

Zum ersten Mal teilgenommen

In Form von Videos, Wandzeitungen oder Multimediapräsentationen setzen sich die Schüler mit politischen Themen auseinander. Ausgelobt wurden über 350 Preise, darunter elf Klassenreisen. Von hessischen Schulen kamen in diesem Jahr 120 Einsendungen, davon gewannen 20 weitere Klassen Geldpreise. Doch zur großen Freude von Schulleiter Thomas Röder-Muhl und dem betreuenden Lehrer Christopher Weigelt ging einer der Hauptpreise an „ihre Schule“.

„Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal am Schülerwettbewerb der bpb teilgenommen“, sagt Edith Schneider, die Fachbereichsleiterin. Umso größer die Überraschung, dass die 9 GF, eigentlich eine naturwissenschaftliche Profilklasse, die Juroren mit ihrem Beitrag überzeugen konnte. In einem zweistufigen Verfahren, so Lambertz, werden die Preisträger ermittelt. Unter anderem sei es ein wesentliches Kriterium, dass es sich um eine Arbeit der gesamten Klasse handele, jeder seinen Beitrag dazu geleistet hätte. So seien die Aufgaben des renommierten Schülerwettbewerbs, die alle eine Testphase durchlaufen hätten, konzipiert.

Fotoshooting mit Angela Merkel

Das Recherchieren, das Führen der Expertengespräche und vieles mehr hätte die Klasse in Gruppenarbeit sehr eigenständig und mit großer Begeisterung organisiert, so Weigelt. Die Schüler hatten einen Beitrag zum Thema „Genossenschaften – Eine alte Idee wird entstaubt!“ erarbeitet und kreativ umgesetzt.

Die Klasse hatte eine Schülergenossenschaft für schulische Unterstützungsangebote entwickelt und dokumentierte ihr Projekt in 20 Folien. Vor allem hat den Juroren die Art und Weise gefallen, wie die Klasse die historische Entwicklung aufbereitet und ihre Idee regional umgesetzt haben. Die Ziele der Schülergenossenschaft sind beispielsweise Nachhilfe, Schutz gegen Mobbing und Schülerberatungen.

Gerne würden sie ihr Projekt auch in die Tat umsetzen, innerhalb und außerhalb der Schule, verraten die Gewinner nach dem obligatorischen Blitzlichtgewitter. „Die bürokratischen Hürden sind überwindbar“, meint der Schulleiter dazu. Doch zunächst heißt es: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ zum Fotoshooting mit der Kanzlerin.

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