Drehscheibe und Lokschuppen (im Hintergrund): Sie sollen stehen bleiben, wenn eine Straßenunterführung an den Heideäckern gebaut wird.   Archivfoto: Rainer Habermann

Hanau

Ortsbeirat Großauheim stimmt Plänen für Heideäcker Weg zu

Hanau. Der Ortsbeirat Großauheim/Wolfgang hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend seine Zustimmung zu einer Straßenunterführung des Heideäcker Wegs gegeben. Die Magistratsvorlage bekam bei der Sitzung im Bürgerhaus Wolfgang nur eine Gegenstimme.

Von Rainer HabermannDie Nordmainische S-Bahn Hanau-Frankfurt und der viergleisige Ausbau der regionalen und ICE-Bahntrasse Hanau-Fulda werfen ihre Schatten in der Brüder-Grimm-Stadt voraus. Es sind zwar Projekte der Deutsche Bahn AG, aber überall, wo Gleise auf Straßen treffen, stehen für den Ersatz höhengleicher Bahnübergänge – also Bahnschranke, Andreaskreuz undamp; Co – die Kommunen ebenfalls in der Verantwortung.

13 dieser Verkehrshindernisse in Anführungszeichen gibt es insgesamt im Stadtgebiet von Hanau: eine Nachricht, die auch im Ortsbeirat nicht jeder auf dem Schirm hatte. Einer – oder besser zwei dieser schienengleichen Straßenübergänge liegen im Bereich des Gebiets Heideäcker, und hier geht es sogar um den Ersatz von gleich sechs Gleisquerungen.

Bahnstrecke liegt im Plangebiet

Denn auch die Strecke Hanau-Aschaffenburg, die zweigleisig mitten durch Großauheim führt, liegt im Plangebiet, für das im Ortsbeirat zwei hochrangige Vertreter des HIS (Hanau Infrastruktur Service), Peter Preis und Sebastian Brieger, am Donnerstagabend die Alternativen von Über- oder Unterführung vorstellten. Die dritte Alternative, einfach ein Beibehalten des Status quo mit Wartezeiten für Fußgänger, Rad- und Autofahrer vor den Bahnschranken von zehn, 15 Minuten und mehr, besteht seit dem Jahr 2007 nicht mehr.

Denn in jenem Jahr bereits fasste die Stadtverordnetenversammlung den rechtskräftig gewordenen Planfeststellungsbeschluss, die Übergänge zu ersetzen. Damals allerdings auf Kosten der historischen Lokschuppen und des Drehkreuzes, die der Museumseisenbahnverein Hanau nutzt; unter anderem für seine jährlichen Lokschuppenfeste und seine – nicht nur historisch wertvolle – Arbeit.

All dies im Gleisdreieck hätte einer Straßenüberführung und dem Gleisausbau weichen müssen (der HANAUER berichtete ausführlich über die jahrelangen Diskussionsprozesse). Heute, mehr als zwölf Jahre später, glimmt Licht am Ende des Tunnels. Und dieses Licht sollte auch den rund 36 Meter langen Straßenunterführungstunnel erhellen, der auf der insgesamt rund 210 Meter langen Gesamtabwicklung der künftigen Bahnquerung in den Heideäckern gebaut werden soll. Eine gute Beleuchtung, vielleicht sogar eine Video-Überwachung: Die wünschte (nicht nur) die SPD-Fraktion im Ortsbeirat. Sofern das Eisenbahnbundesamt und auch das Hanauer Stadtparlament ihr Plazet geben.

Unter- statt Überquerung

Dass diese Variante der Unter- statt Überquerung ein Planänderungsverfahren seitens des Eisenbahnbundesamtes nach sich ziehen muss: Darauf wies Brieger ausdrücklich hin. Denn es besteht zurzeit eigentlich Baurecht für jene Überquerung, die den Abriss des Lokschuppens nötig macht. Ebenso für eine Verbreiterung der Gleisanlagen im Süden. Und damit wäre auch die historische Drehbühne Geschichte, weil sie der aktuell geplanten Verdoppelung der Gleise im Weg stünde.

Allerdings existiert laut Brieger, der im Eigenbetrieb HIS seit September 2019 neuer „Projektkoordinator Schiene“ ist, seit 2017 eine Planungsvereinbarung mit der DB, die eine Straßenüberquerung weiter östlich im Plangebiet möglich und einen Abriss der historischen Kleinode entbehrlich mache. Und außerdem eine Verlagerung des Gleisausbaus auf die nördliche Seite festlegt.

Diese nun sogar um den Faktor 0,77 kostengünstigere Variante, nämlich die Unterquerung des Heideäcker Wegs unter die Bahngleise, empfahl der Ortsbeirat auch dem Stadtparlament zum Beschluss. Die groben Kostenschätzungen belaufen sich auf rund zehn Millionen Euro, die Stadt Hanau trägt voraussichtlich rund 3,5 Millionen Euro davon, wobei von einer 50-Prozent-Förderung seitens Hessen Mobil, der landeseigenen Straßenbaugesellschaft, ausgegangen wird. Die neuen Planungen von Bahn und HIS sehen jetzt eine Unterquerung der zweispurigen Fahrbahn mit seitlich angeschlossenem, kombiniertem Rad- und Fußweg vor. Bis zum Jahr 2025 soll aus den Plänen betonierte Realität werden.

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