Um Hol- und Bring-Zonen auszuweisen, braucht es einen hohen planerischen Aufwand, wie Hanaus Ordnungsamtsleiter Thorsten Wünschmann im Ausschuss erläuterte. Zu sehen ist hier eine Planungsdarstellung am Beispiel der Anne-Frank-Schule. Foto: PM

Hanau

Ordnungsamt greift bei "Eltern-Taxis" in Hanau durch

Hanau. Ein Grundschullehrer bringt es auf den Punkt: „Viel zu viele Eltern wollen ihre Kinder jeden Morgen mit dem Auto praktisch bis in die Klasse hinein bringen. Sie reagieren teilweise sogar aggressiv, wenn wir sie darauf aufmerksam machen, dass das nicht geht.“

Von Rainer Habermann

Der junge Lehrer will nicht namentlich genannt werden, aber vor dem Ausschuss für Kultur, Schule und Sport (AKSS), der am Dienstag in der Mensa der Hohen Landesschule (Hola) tagte, redete ein anderer Klartext: Thorsten Wünschmann, Leiter des Hanauer Ordnungsamts und der Straßenverkehrsbehörde.

Neben den Vorlagen zum Schulentwicklungsplan und dem Digital-Pakt an Schulen, zwei Themen, mit denen sich der AKSS ebenfalls intensiv beschäftigte, stand sein Ergebnisbericht zur Schulwegsicherung im Mittelpunkt der Sitzung. Hol- und Bring-Zonen lautet eines der Zauberwörter zur unmittelbaren Schulwegsicherung vor den Bildungsinstituten, Kontrolle mittels Radar-Geschwindigkeitsmessung ein weiteres.

Ordnungsbehörde setzt auf direktes Gespräch mit Eltern

Das Problem sind die vielen „Eltern-Taxis“, die jeden Tag für teilweise chaotische Verkehrsverhältnisse an den Schulen in der Stadt sorgen. Weil natürlich alle Schüler den gleichen Unterrichtsbeginn haben und auch die Schulbusse zu diesen Zeiten verkehren.

Nach Wünschmanns Bericht setzt die Ordnungsbehörde verstärkt auf folgende Maßnahmen: direkte Ansprache der Eltern, Erörterungsgespräche mit Schulleitungen und Elternbeirat, die Einrichtung von eben jenen Hol- und Bring-Zonen in unmittelbarer Nähe zu den Schulen – wohlgemerkt als kurzzeitige Haltepunkte zum Ein- und Aussteigen und nicht als Parkzonen. Und dann natürlich auch auf die Überwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs durch entsprechende Beamte und Kontrollen.

Hol- und Bringzonen maximal 400 Meter von Schultor entfernt

Diese Zonen wurden bisher eingerichtet an folgenden Schulen: an der August-Gaul-Schule und der Lindenauschule in Großauheim, der Theodor-Heuss-Schule in Steinheim, der Anne-Frank-Schule in der Freigerichtstraße und der Gebeschusschule im Lamboyviertel. Weitere seien in Planung, so Wünschmann, und sollen neben Grundschulen auch an weiterführenden Schulen eingerichtet werden. Die Kriterien hierfür: Sie sollen nicht weiter als 400 Meter vom Schultor entfernt liegen und die Kinder sollen keine Straße mehr queren müssen.

Ein großer planerischer Aufwand ist vonnöten, solche Zonen auszuweisen. Unsere Grafik (am Beispiel der Anne-Frank-Schule) soll einen Eindruck hiervon vermitteln. Wobei natürlich Verkehrsschilder nicht in beliebiger Menge aufgestellt werden können, worauf Wünschmann ausdrücklich hinwies.

Schulwegerfahrung wichtig für Entwicklung der Kinder

Von diesen Hol- und Bring-Zonen weisen knallgelbe Fußabdrücke auf dem Bürgersteigpflaster den Weg bis zum Schultor. Noch leichter kann man Kindern – und Eltern müssen sie hier nicht auch noch begleiten – den Weg in die Selbstständigkeit kaum aufzeigen. Darin liegt genau auch das Problem, das Pädagogen wie ebenso die AKSS-Vorsitzende Anne-Dorothea Stübing hier sehen: Kinder lernen schneller, wenn sie eben auch ihre eigenen Schulwegeerfahrungen machen dürfen.

Das Thema Geschwindigkeitskontrollen ist ein weiteres. Laut Wünschmann hat die Stadtpolizei im Rahmen der Schulwegsicherung seit Januar 2018 87 Mal den ruhenden, und 198 Mal den fließenden Verkehr vor Schulen gecheckt.

Wünschmann spricht von straffen Verkehrskontrollen

Abgesehen von den Displays mit den aufpoppenden grünen „Smileys“ bei Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen – und dem roten „Sadly“-Symbol mit heruntergezogenen Mundwinkeln, ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten, deren Batterien rund eine Woche halten und die dann von den Beamten aufgeladen und umgesetzt werden. Dies ist eine straffreie Version der Verkehrskontrolle, sei aber eine durchaus wirksame, so Wünschmann.

Harte Fakten aber lieferten die „Blitzer“: in 506 Fällen bei insgesamt 4874 durchgeführten Messungen. In der überwiegenden Mehrzahl waren die geblitzten Kandidaten um die zehn km/h zu schnell unterwegs. Aber auch bereits 114 von den 506 leisteten sich eine Überschreitung zwischen elf und 15 km/h. Und einer schoss den Vogel ab: mit 39 km/h zu viel auf dem Tacho muss er jetzt eine dreistellige Euro-Summe berappen, kassiert zwei Punkte in Flensburg und darf einen Monat lang zu Fuß gehen.

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