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In Gedenken an die Opfer dieser grauenvollen Tat

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Lokal Hanau Trauerfeier Ferhad Uenvar,
© Scheiber/Göbel

Wir gedenken auf dieser Seite der Opfer von Hanau und beleuchten sie und ihr Leben ein wenig genauer. Die Informationen hierfür wurden uns von der Stadt Hanau mitgeteilt, nachdem die Angehörigen die Veröffentlichung freigeben hatten.

Sie wurden geliebt, sie haben geliebt, sie hatten Pläne für die Zukunft. Durch eine rassistisch motivierte Tat wurden am 19. Februar zehn Menschen jäh aus der Mitte unserer Gesellschaft gerissen. Am Mittwoch wird der Opfer des Terroranschlags von Hanau bei einer zentralen Trauerfeier im Congress Park Hanau gedacht. Dazu werden auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier erwartet.

Vili-Viorel Păun

Vili-Viorel war 22 Jahre alt. Der Rumäne kam im Ort Adunatii-Cupaceni auf die Welt. Er war rumänisch-orthodoxen Glaubens. Der junge Mann hatte seinen Schulbesuch in Deutschland nicht fortsetzen können, er wollte Fliesenleger werden. Die Familie war seine erste Priorität. Um diese zu unterstützen, hat er die Ausbildung zurück- gestellt und als Paketzusteller gearbeitet. Vili-Viorel, so beschreiben ihn seine Eltern Niculescu und Iulia, war hilfsbereit und fleißig. Er konnte zuhören, war zuverlässig, verantwortungsvoll und humorvoll. Vili-Viorel war ihr einziges Kind. Er starb bei seinem Einkauf am Kiosk. Sein Leichnam wurde nach Rumänien überführt.

Fatih Saraçoğlu

Fatih war 34 Jahre alt. Geboren wurde er im türkischen Iskilip. Der Mann muslimischen Glaubens hat sich immer um seine Eltern gekümmert. Sein Vater beschreibt ihn mit den Worten: „Er war meine größte Hilfe.“ Obwohl der Vater in Regensburg lebt, besuchte Fatih ihn regelmäßig. Er half ihm bei Behördengängen, übersetzte für ihn. Nur zufällig war Fatih am Heumarkt, weil er dort gerade einen Freund abgesetzt hatte. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Diana. Sein Leichnam ist in die Türkei überführt worden.

Kaloyan Velkov 

Kaloyan Velkov stammte aus der bulgarischen Stadt Mezdra. Der Lkw-Fahrer hatte sich in Deutschland eine neue Existenz geschaffen. Er arbeitete unter anderem in der Bar „La Votre“ am Heumarkt. Der 33-Jährige war orthodoxen Glaubens und lebte in Erlensee. Er hinterlässt seine Frau Harieta und den gemeinsamen siebenjährigen Sohn – beide leben in Bulgarien. Sein Leichnam wurde dorthin überführt.

Ferhat Unvar

Ferhat Unvar war 23 Jahre alt. Er war muslimischen Glaubens und wurde als ältester Sohn von Serpil und Metin Unvar in Hanau geboren. Sein Bruder Mirkan Can kam vier Jahre später zur Welt, 2002 folgten Schwester Nesrin und 2012 Bruder Mirza. Ferhat hat sich trotz seiner kurdischen Wurzeln immer vor allem als Deutscher gefühlt. Er hatte gerade eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker absolviert und diese vor Kurzem abgeschlossen. Ferhat wollte seine eigene Firma gründen. Er stand auf Techno und Hip-Hop-Musik. Ferhat traf sich oft mit seinen Freunden in der Arena Bar – am 19. Februar sollte er von dort nicht wieder heimkehren. Ferhat Unvar wurde in Hanau beigesetzt.

Mercedes Kierpacz 

Mercedes Kierpacz war 35 Jahre alt. Sie wurde in Offenbach geboren, war katholischen Glaubens und wuchs mit drei Schwestern innerhalb einer Großfamilie auf. Mit 19 Jahren brachte sie ihren Sohn Valentino zur Welt, sieben Jahre später schenkte sie Lorena-Genevieve das Leben. Die alleinerziehende Mutter arbeitete fast täglich im Kiosk neben der Arena Bar, am Tatabend wollte sie im Kiosk gemeinsam mit ihren Freunden nur schnell etwas kaufen. Mercedes Kierpacz ist in Offenbach beigesetzt.

Sedat Gürbüz 

Sedat Gürbüz war 29 Jahre alt. Geboren wurde er in Langen, aufgewachsen ist er in Dietzenbach. Sedat hatte die deutsche Staatsbürgerschaft und war muslimischen Glaubens. Er hat die Realschule in Dietzenbach besucht, danach vor Ort in der Logistik gearbeitet. Er hat bis zum Alter von 18 Jahren beim FC Dietzenbach Fußball gespielt. Vor drei Jahren wurde er Teilhaber der Shisha-Bar „Midnight“, einem der Tatorte. Vor einem Jahr übernahm er dort die Leitung und erfüllte sich damit einen lang ersehnten Traum. Seine Mitarbeiter erinnern sich an ihren Chef als einen Mann, der sich stets um die Mitmenschen gesorgt hat.

Said Nesar Hashemi 

Said Nesar Hashemi wurde in Hanau geboren. Der 21-Jährige hatte deutsch-afghanische Wurzeln und war muslimischen Glaubens. Er besuchte die Otto-Hahn-Schule und machte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer bei der Firma Goodyear Dunlop Tires Germany in Hanau. Die Ausbildung schloss er erfolgreich ab. Danach machte er eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker an der Ludwig­Geißler-Schule. Er wollte sie nächstes Jahr abschließen. Für Said Nesar Hashemi war Hanau seine Heimat. Sein ganzes Leben spielte sich in und um Hanau ab. Said Nesar war ein weltoffener Mensch. Er hatte viele Reisepläne, um die Welt zu sehen und Neues kennenzulernen. Sein Auto war sein großes Hobby. Er hat oft daran herumgewerkelt. Auch sein Kennzeichen widmete er seiner Heimatstadt und seinem Stadtteil Kesselstadt mit den Ziffern 454 (die letzten drei Ziffern der Kesselstädter Postleitzahl). Said Nesar wurde in Hanau beigesetzt. Said Nesars Bruder, Said Idris Hashemi (23 Jahre) hat die schreckliche Tat schwer verletzt überlebt.

Hamza Kenan Kurtović

Hamza ist in Hanau geboren und aufgewachsen. Seine Familie stammt ursprünglich aus Bosnien-Herzegowina. Er beherrschte die deutsche Sprache besser als seine Muttersprache. Der 22-Jährige war muslimischen Glaubens. Er hatte drei Geschwister: seine Brüder Aziz und Karim und seine Schwester Ajla. Die Berufsausbildung als Fachlagerist hatte er im Juni 2019 abgeschlossen und erst vor drei Wochen einen neuen Job angefangen. Er war mit seinem neuen Arbeitsplatz überglücklich und zufrieden. Seinen Eltern erzählte er, dass er bis zur Rente dort arbeiten möchte. Hamza verbrachte gern Zeit mit Freunden, außerdem hatte er eine Vorliebe für Autos. Er hatte letzten Sommer seine Flugangst überwunden und plante weitere Reisen mit Freunden, auch Langstreckenflüge. Hamza wurde am 19. Februar in der Kesselstadt erschossen. Am Freitag fand für ihn ein Totengebet auf dem Marktplatz statt. Danach wurde er auf dem Hauptfriedhof beigesetzt.

Gökhan Gültekin 

Gökhan Gültekin war 37 Jahre alt. Seine Eltern stammten aus der Türkei, er war muslimischen Glaubens. Er wurde in Hanau geboren und ist in der Brüder-Grimm-Stadt aufgewachsen. Er war sehr fleißig und hatte sich als Fliesenleger selbstständig gemacht. Um für die bevorstehende Hochzeit mit seiner Verlobten Geld auf die Seite legen zu können, arbeitete er abends noch in dem Kiosk. Gökhan Gültekin war ein Familienmensch. Er lebte bei seinen Eltern, war für sie immer da, wenn er gebraucht wurde. Zum Beispiel wenn es galt, für seinen krebskranken Vater in der Klinik zu übersetzen. Sein Leichnam wurde in die Türkei überführt.

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Die Opfer des Anschlags (von links): Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov, Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtović und Gökhan Gültekin © Scheiber/Göbel

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