Das Operettentheater Salzburg überzeugt mit einer gelungenen Vorstellung des „Vogelhändlers“ das Hanauer Publikum. Foto: Habermann

Hanau

Operette: Volksbühne präsentiert den "Vogelhändler" im CPH

Hanau. „Schenkt man sich Rosen in Tirol“, dann muss Liebe dahinter stecken. Das wohl bekannteste Lied aus der Carl-Zeller-Operette „Der Vogelhändler“ hat am Samstagabend das gesamte Publikum im nahezu ausverkauften Congress Park Hanau (CPH) verzückt.

Von Rainer Habermann

Ebenso „Adam“, wohl nicht zuletzt mit einem Vögelein, das als hochmoderner kleiner Kopter die Bretter rauf und runter schwirrte. Die Hanauer Volksbühne hatte das Operettentheater Salzburg eingeladen, dessen Schauspieler und Sänger restlos überzeugten.

Es war ein vergnüglicher Abend, und ein langer. Plakate im Saal wiesen bereits auf die weit über drei Stunden hin, die man mit Adam, dem feschen Tiroler Vogelhändler, und seiner Christel von der Post, die ihn nach so manchen Aufregungen und Verwirrungen am Ende kriegt, verbringen würde. Doch die Zeit ging schließlich fast zu schnell vorbei. Volksbühnenchef Hans Otto Bienau hat mit der Auswahl des ersten Highlights im neuen Jahr, und mit dem Ensemble aus der Metropole an der Salzach, das die Operette wirklich großartig und mit Herz verkörperte, wieder mal ein gutes Händchen bewiesen. Das zeigte der häufige Szenenapplaus und der stürmische, lang anhaltende Beifall zum Schluss.

Klassische Operette in drei AktenSalzburg liegt zwar nicht in Tirol, wo die Handlung spielt. Trotzdem hatten Schauspieler und Orchester, das wie üblich bei Opern- und Operettenaufführungen im CPH im Graben unterhalb der Bühne saß, gewissermaßen ein Heimspiel. Die Inszenierung oblag Lucia Meschwitz, Trägerin des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst, Christian Pollack und Katalin Doman hatten die musikalische Leitung.

Der Vogelhändler ist eine klassische Operette in drei Akten, uraufgeführt im Jahr 1891 im Theater an der Wien. Das Ensemble stand in Kostümen jener Zeit, prächtig gestaltet von Gerlinde Höglhammer, auf der Bühne des Brüder-Grimm-Saals. Sie machten auch den Unterschied zwischen dem höfischen und dem gemeinen Volk deutlich. Denn darum geht es auch, in der Operette: die Liederlichkeit bei Hofe, und die Nöte der Bauern.

Die HerrenDa ist der kurfürstliche und stets für Bakschisch empfängliche Wildmeister, Baron Weps, gespielt und gesungen vom „bulgarischen Sachsen“ (sein Spitzname) Ivaylo Guberov, mit fulminantem Bass. Sein arroganter Neffe Graf Stanislaus wird mit vollem Tenor an diesem Abend verkörpert von Juan Carlos Petruzziello, vielleicht eine der besten Gesangsleistungen auf der Bühne.

Und Volksliebling Adam, der Vogelhändler mit der Kiepe auf dem Buckel, der Selbstgerechtigkeit im Kopf und der Verbohrtheit im Bauch, der Christel erst verhöhnt und am Ende dann doch ehelicht, spielt der versierte Tenor Raimund Stangl, der in Südafrika geboren ist „und mit drei Jahren österreichischen Boden betreten hat“, wie es in seiner Biografie heißt. Er überzeugt mit viel Körperlichkeit und einer Stimme, die Petruzziello in nichts nachsteht.

Die DamenNatürlich geht nichts, weder in einer Operette noch im wirklichen Leben, ohne die Frauen. Hier gibt die feine Sopranistin, die Deutsch-Schweizerin Katharina Jing An Gebauer, die Kurfürstin Marie, die dem feschen Adam um den Bart geht. Und schließlich Christel: Das scheinbar biedere, aber äußerst lebenslustige Mädel von der Post wird dargestellt von Melanie Wurzer, ebenfalls einer europaweit bekannten Sopranistin. Schließlich spielt eine gewisse Hauptrolle auch die „komische Alte“: Franziska Stanner mimt die Hofdame Baronin Adelaide.

Die Besetzung ist wirklich hochkarätig, temperamentvoll und mit viel Schwung sind die Akteure auf der Bühne unterwegs. Hervorragend unterstützt werden die Solisten des Operettentheaters Salzburg vom Chor und Ballett der rumänischen Staatsoper Brasov, und ebenso von deren exquisitem Orchester.

Stürmischer Applaus für den KlassikerDie Lieder und Arien aus dem Vogelhändler sind wohl alle echte Klassiker, die Operette gilt als eine der meistgespielten und seit ihrer Uraufführung ständig präsenten auf deutschsprachigen Bühnen. „Ich bin die Christel von der Post“, „Grüß Euch Gott, alle miteinander“, „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt’s“, und natürlich das vermeintliche Liebesduett zwischen Marie und Adrian: „Schenkt man sich Rosen in Tirol“: Sie sind Evergreens der Operette und fanden auch am Samstagabend im CPH wieder stürmischen Applaus.

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