Imam Mustafa Macit Bozkurt erklärt den Besuchern seine Aufgaben und wie in der Moschee gebetet wird. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Tag der offenen Moschee: "Menschen machen Heimat(en)"

Hanau. Wie sieht eigentlich das Haus des Zentrums des Islamischen Vereins Hanau (IVH) in der Gärtnerstraße von innen aus?

Von Ulrike Pongratz

Wer dies schon immer gerne wissen wollte, hatte gestern die Gelegenheit, nicht nur die Moschee zu sehen, sondern auch Imam Mustafa Macit Bozkurt und Vorstandsmitglieder verschiedener Abteilungen des IVH kennenzulernen, sowie auch einen sehr interessanten Vortrag zum Thema „Menschen machen Heimat(en)“ zu hören.

Nach der Eröffnungsrezitation begrüßte der stellvertretende Vorsitzende, Ibrahim Ayan, die Gäste. Ayan, der in Hanau aufgewachsen ist, stellte die Arbeit des Vereins kurz vor, der sich seit seiner Gründung in der Hospitalstraße 1973 zu einem Kultur- und Gemeindezentrum mit fast 850 aktiven Mitgliedern entwickelt hat. Der Verein bietet vielfältige kulturelle, soziale und edukative Angeboten für alle Generationen; einer breiten Öffentlichkeit ist der IVH durch den Fußballverein „Hilalspor“ oder auch mit dem öffentlichen Fastenbrechen ein Begriff.

Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck ging in ihrer Begrüßungsrede kurz auf die Historie des Tags der offenen Moschee ein, der 1997 vom Zentralrat der Muslime ganz bewusst auf den 3. Oktober gelegt wurde. Der Tag stünde für Verständigung und Verständnis über Religionen und Kulturen hinweg, aber auch für die Verbundenheit der Muslime mit Deutschland.

Wie Muslime Deutschland (auch) als Heimat begreifen können, das stellten die beiden Abiturienten Berfin Yigit und Ismail Gültekin vor; beide Schüler sind zudem im Vorstand Frauen- bezeihungsweise der Jugendabteilung aktiv.

Heimat als Grundbedürfnis

Heimat sei ein Grundbedürfnis des Menschen, der Gemeinschaft und Austausch suche. Daher schaffe die Sprache Zugehörigkeit. Die Vortragenden machten am Beispiel einiger Propheten deutlich, dass man durchaus mehrere Heimaten besitzen könne. So hätten Amerikaner in Frankreich oder Franzosen in Amerika keine Probleme mit ihren Identitäten. Bei Muslimen hingegen werde dies oft hinterfragt.

„Fühlst du dich Deutsch oder Türkisch?“, diese Frage hören Muslime oft. Deshalb wolle man am Tag der offenen Moschee für einen universellen Heimatbegriff werben. Hakki Tasci, Vorsitzender des Islamischen Vereins Hanau, drückte es so aus: „Menschen können mehr als eine Heimat haben. Heimaten zu haben ist in einer pluralen und globalen Welt normal.“

Muslime in Deutschland würden für einen unverkrampften Umgang mit dem begriff Heimat eintreten, die Vielfalt nicht als eine Bedrohung, sondern als eine Bereicherung sähen, so die Vortragenden in ihrem Schlussplädoyer. Auf den Punkt brachte es Soziologe, Islamischer Religionswissenschaftler und Imam Bozkurt: „Wir Muslime in der dritten Generation sehen Deutschland als unsere Heimat. Wir sind in der Mitte des Gesellschaft angekommen.“ Der bundesweite Tag der offenen Moschee zum Thema Heimat sei auch ein Signal gegen den Rechtsruck und der Verengung des Begriff auf die nationale Identität.

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