Dem Abriss geweiht: Damit die Wohnblocks in Wolfgang nicht abgerissen werden müssen, plant der OB eine aufsehenerregende Initiative. Archivfoto: Axel Häsler

Hanau

Oberbürgermeister will Sportsfield-Wohnblocks vor Abriss bewahren

Hanau. Außergewöhnliche Umstände verlangen außergewöhnliche Maßnahmen: Oberbürgermeister Claus Kaminsky will Verantwortliche nach Wolfgang einladen.

Von Jutta Degen-Peters

Als Ausweg aus der Zwickmühle, trotz allgemeinen Mangels an bezahlbaren Wohnraums auf dem Areal von Sportsfield Housing in Hanau-Wolfgang die 22 Bestandsgebäude abreißen zu müssen, weil diese den aktuellen baurechtlichen Vorgaben nicht mehr entsprechen, will Oberbürgermeister Claus Kaminsky jetzt Verantwortliche aus Bund und dem Land nach Wolfgang einladen.

Vor Ort, quasi im Angesicht der sinnlichen Erfahrung bester Bausubstanz, will er ihnen dort aufzeigen, an welchen Stellen das Baurecht geändert werden muss. Das kündigte Kaminsky am Montagabend in der Stadtverordnetenversammlung an.

Dem Untergang geweiht

Es verursache ihm einen fast körperlichen Schmerz, wenn er von seinem Haus in Wolfgang in die Innenstadt fahre und dabei die Häuser in der ehemaligen Siedlung der in Hanau stationierten US-Soldaten sehe, die dem Untergang geweiht seien.

Kommunalpolitiker jeder Couleur betonten auf Landes- und Bundesebene immer wieder die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dass der Magistrat den Bürgern gleichzeitig vermitteln solle, weshalb Hanau mit Baggern anrücken und bezahlbaren Wohnraum zerstören müsse, sei die Krönung, schimpfte der OB. „Davon habe ich die Nase voll“, empörte er sich und kündigte an, „bis zur Ministerebene hoch“ Verantwortliche aus Bund und Land einladen zu wollen.

Lärm- und Geruchsbelästigung

Auf dem Areal in Wolfgang stehen 22 Wohnblocks, die sich im Besitz der Bima, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, befinden. Aktuell leben in 13 Blocks, die die Stadt von der Bima angemietet hat, noch 815 Menschen, die als Flüchtlinge nach Hanau gekommen sind. Ihre Unterkünfte waren – wie berichtet – mit einem Millionenbetrag an Steuergeldern saniert worden.

Da aber das geltende Bundesbaurecht für Wohngebiete, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu lärm- oder geruchsproduzierenden Industrieanlagen nicht mehr ausgewiesen werden können, müsste die Stadt diese Wohnhäuser abreißen. Fast schon eine „Generalüberholung des Baugesetzbuchs“ mahnte der OB eindringlich an.

Gegen den Geruch ankämpfen

Bürger, die im Freigerichtviertel lebten, oder auch die Soldaten, die mit ihren Familien in den Unterkünften untergebracht waren, müssten mit eben der Geruchsbelästigung klarkommen, die Neubürgern nicht zumutbar seien.

Der OB sprach davon, dass Dunlop Investitionen von 70 Millionen Euro angekündigt hatte, die auch für die Verbesserung der Geruchsbelästigung eingesetzt werden sollen. Dennoch, „wenn man es heute streng nimmt, dürften wir (in Sportsfield) nicht einmal mehr ein Gewerbegebiet ausweisen“, kritisierte der OB.

Ohne Einklang

Mittlerweile habe man einen Standard erreicht, der nicht in Einklang zu bringen sei mit den gesetzlichen Vorschriften, so der Rathauschef weiter. „Wir listen auf, was es an konkreten Veränderungen geben muss, um Leben dort möglich zu machen“, kündigte der OB an.

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