Coronavirus – Notbetreuung in Kitas
+
In den Kindertagesstätten gibt es derzeit nur eine Notbetreuung. Wer diese in Anspruch nehmen will, muss sich an die Stadt wenden. 

Schneller Online-Antrag nicht möglich

Kita-Notbetreuung: Eltern klagen über unübersichtliche Richtlinien und nutzerfeindliche Formulare

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
    schließen

Was das Thema Notbetreuung angeht, ist es derzeit für Eltern schwer, im Wirrwarr sich ständig wandelnder Bestimmungen den Überblick zu behalten und verlässlich zu planen. Das Gros der Kindergärten und Kindertagesstätten ist Corona-bedingt geschlossen, auch die meisten Schulklassen sind dicht.

Wohin also mit den Kindern? Eltern aus „systemrelevanten“ Berufen, wie Polizisten, Krankenschwestern und Ärzte, aber auch Pharmamitarbeiter, Logistiker und Verkäuferinnen können für ihre Kinder bis zwölf Jahre eine Notbetreuung beantragen. Alle, also, deren Job für die Sicherstellung der öffentlichen Daseinsfürsorge unabdingbar sind.

Bisher zählten die Lehrer zu dieser Gruppe noch nicht dazu, was für großes Unverständnis sorgte. Am Freitag wurden sie in diese Gruppe aufgenommen. Bis Freitag hieß es auch, dass die vierten Klassen am Montag wieder ihren Betrieb aufnehmen. Das wurde gestern rückgängig gemacht. Die Verwirrung ist also groß.

Notbetreuung beim medizinischen Personal funktioniert

Für manche, wie das medizinische Personal im St.-Vinzenz-Krankenhaus, klappte die Sache mit der Notbetreuung reibungslos, wie Pflegedirektorin Jutta Berg auf Anfrage erklärt. Dort übernahm die Personalabteilung die Sache mit den Formularen der Stadt Hanau, die seit dem 16. März Notplätze zur Verfügung stellt. Anfangs, als noch beide Elternteile in systemrelevanten Berufen tätig sein mussten, damit die Eltern einen Anspruch hatten, hatte die Stadt laut einer Sprecherin der städtischen Pressestelle 60 solche Notbetreuungsplätze angeboten.

Mittlerweile, wo es ausreicht, wenn ein Elternteil „systemrelevant“ ist, werden 212 Kinder in der Notbetreuung versorgt. Dies werde mit 15 Tagesbetreuungspersonen und in zwölf städtischen Kitas sowie sieben Einrichtungen von freien Trägern gewährleistet. Dabei war die Zahl der Einrichtungen in freier Trägerschaft kontinuierlich gestiegen. In dieser Woche kamen erneut zwei hinzu. Die Kindertagesstätten der Kathinka-Platzhoff-Stiftung nehmen laut Stadt in der kommenden Woche (KW 18) ihren Notbetrieb auf.

Kinder werden in Kleingruppen betreut

Notbetreuung im aktuellen Krisenfall bedeutet laut Pressestelle, dass die Kinder in Kleingruppen von maximal fünf Kindern abgesondert von den anderen Kleingruppen in der Kita betreut werden. Die Teams in der Einrichtung arbeiten im Wechsel, um für den Quarantäne- oder Krankheitsfall die Notbetreuung sicherstellen zu können. Doch dabei wird es nicht bleiben.

Jetzt, da nun auch die Lehrer in die Gruppe der systemrelevanten Berufe aufgenommen wurden, muss der Krisenstab erneut an den Notbetreuungsplänen arbeiten und das Angebot erweitern. Auch die Planungen an den Grundschulen sind schon wieder überholt, wie die Schilderungen einer Lehrerin an einer Grundschule außerhalb Hanaus deutlich machen, die nicht namentlich in Erscheinung treten wollte.

Planungen wurden über den Haufen geworfen

Eigentlich hatte man dort für jeden Lehrer mit kleineren Kindern eine Notbetreuung beantragt, weil ab Montag die vierten Klassen wieder unterrichtet werden sollten. Denn dann hätten jeder Kollege und jede Kollegin rangemusst, die nicht zur Risikogruppe gehören oder über 60 Jahre alt sind. „Da dann die Klassen geteilt werden müssen, brauchen wir die doppelte Zahl an Lehrern“, erläutert sie.

Aus diesem Grunde werde für jeden eine Notbetreuung gebraucht, der kleine Kinder habe. Wer einen Platz für eine Notbetreuung braucht, muss sich in jedem Falle an die zentrale Koordinations- und Vergabestelle der Stadt wenden, nicht an seinen Kindergarten. Denn die Vergabe der Notplätze läuft ausschließlich über die E-Mail-Adresse eigenbe trieb-kindertagesbetreu ung@hanau.de.

Formular lässt sich nicht einfach online ausfüllen

Das Verfahren kritisieren Eltern als nicht sehr nutzerfreundlich, was schon mit dem Formular beginne, das man sich von der städtischen Homepage herunterladen und ausdrucken muss. Denn das wenig professionell wirkende Dokument lässt sich nur von Hand (und mit Mühe, da die Spalten extrem schmal sind) ausfüllen. Die betroffenen Eltern müssen zudem, auch dann, wenn nur einer von ihnen beiden zur systemrelevanten Gruppe gehört, je einen Antrag des eigenen Arbeitgebers und einen des Chefs des nicht-systemrelevanten Partners vorweisen.

Dazu erklärt die städtische Pressestelle: „Da die Erfahrung zeigt, dass oft beide Elternteile in systemrelevanten Bereichen tätig sind, benötigt der EB Kita die Information für beide Eltern, um dies bei der Zusammensetzung der Notfallgruppe zu berücksichtigen. Denn Notfallgruppen betreuen in der Regel keine Kinder, deren Eltern in der gleichen systemrelevanten Einrichtung (zum Beispiel mehrere Ärzte und Krankenschwester aus einem Klinikum) arbeiten.

So wird die Notbetreuung beantragt

Wer eine Notbetreuung in den Kindertagesstätten benötigt, muss sich schriftlich per E-Mail über das Postfach Eigenbetrieb-Kindertages betreuung@hanau.de an den Eigenbetrieb Kita wenden, der die zentrale Koordination aller Notplätze für das gesamte Stadtgebiet übernommen hat. Zusätzlich ist das Telefon des Eigenbetriebs werktags bis 12 Uhr geschaltet. Die Vermittlung erfolge bei vollständiger Datenlage innerhalb von drei Werktagen.

Das könnte Sie auch interessieren