Original und Nachdruck: Eine Plastikente dient im 3D-Scanner als Vorlage, die der 3D-Drucker dann reproduziert. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Der neueröffnete "MakerSpace" im Kulturforum hat viel zu bieten

Hanau. Das Kulturforum ist seit Samstag um eine Attraktion reicher, denn an der so genannten „MakerSpace“-Theke direkt an der Anmeldung im zweiten Stock steht eine ganze Batterie von Geräten, mit denen man unterschiedlichstes machen kann:

Von Thomas Seifert

CDs, DVDs, Fotos und Dias digitalisieren, Bilder bearbeiten, Roboter bauen und programmieren, 3D-Objekte drucken und Objekte dreidimensional scannen lassen. Außerdem wartet ein Schneidplotter auf „hoffentlich viele Wissbegierige aller Altersklassen“, wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky bei der Eröffnung des „MakerSpace“ feststellte.

Die „MakerSpace“-Theke im Kulturform soll als „digitale Werkbank“ gesehen werden, mit der diese Technik der Zukunft Menschen jeden Alters vermittelt werden soll. „Ein kleines, aber feines zukunftsträchtiges Projekt“ habe das Licht der Welt erblickt, mit dem ein weiteres „Zeichen in Sachen Wissensgesellschaft und Bildung“ gesetzt werden soll. Der „MakerSpace“ reihe sich ein in eine Reihe anderer Vorhaben von Volkshochschule und Kulturforum, um Menschen für die Anforderungen einer sich durch die Digitalisierung rasch wandelnden Umwelt und Arbeitswelt fit zu machen.

Digitale Spaltung vorbeugen

„Mit diesem Angebot wollen wir auch der Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft ein wenig vorbeugen, denn nicht jeder Haushalt ist finanziell in der Lage, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Deshalb ist dieses niederschwellige und kostenlose Angebot im öffentlichen Raum um so wichtiger, um auch Berührungsängste abzubauen und den freien Zugang zu Zukunftstechnologien zu ermöglichen“, fuhr der Rathauschef fort.

„Wenn ich vor einem 3D-Drucker stehe, wird mir die Nähe meiner eigenen Fassungslosigkeit vor den Möglichkeiten dieser Technologie immer schmerzhaft bewusst. Die Arbeitswelt, da bin ich mir sicher, wird sich revolutionieren und wahrscheinlich schneller, als wir uns das heute vorstellen können“, betonte Kaminsky. Der Oberbürgermeister hofft, dass sich vor allem junge Leute an der Schwelle zum Berufsleben mit den Geräten der „MakerSpace“-Theke beschäftigen.

„Sie sollen schlauer, als sie gekommen sind, das Kulturforum wieder verlassen“, hofft der OB. Aber auch die ältere Generation sei natürlich eingeladen, sich mit den neuen Technologien zu beschäftigen, denn „man lernt nie aus“, stellte Kaminsky fest.

Die Leiterin des Kulturforums, Beate Schwartz-Simon, stellte im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER fest: „Die Digitalisierung betrifft heute alle Lebensbereiche und wir möchten die Bürgerinnen und Bürger darin unterstützen, sie für sich zu nutzen. Wissen kommt auch von Selbermachen und deshalb stellt die Stadtbibliothek Geräte und Software bereit, damit Jedermann diese digitalen Werkzeuge ausprobieren oder für ganz bestimmte Projekte nutzen kann.“ Investiert habe die Stadt insgesamt 10 000 Euro für Hard- und Software, die Hälfte davon sei über ein Landesprogramm zur Förderung der Digitalisierung von Bibliotheken finanziert worden.

Workshops zum 3D-Druck

Peter Klemm ist Ingenieur und befasst sich beruflich seit zehn Jahren mit 3D-Druck, zu Hause hat er seit sechs Jahren ein solches Gerät stehen. Er ist einer der Ehrenamtlichen, die Interessenten in Workshops in die Handhabung und die technischen Möglichkeiten des 3D-Drucks einweisen werden, denn ohne Geräteführerschein dürfen die Geräte nicht benutzt werden. „Einfach nur drucken geht nicht, man braucht eine Vorlage, das heißt, entweder man konstruiert am Rechner mit einem speziellen Programm das gewünschte Teil oder man hat einen digitalen Bauplan“, betonte der Experte.

Interessiert über die Schulter geschaut hat ihm Herbert Leypold, Mitglied des Repaircafés Hanau. „Bei älteren Geräten ist es manchmal extrem schwer, an Ersatzteile heranzukommen, deshalb ist 3D-Druck sehr interessant für uns und kann uns helfen, Reparaturen erfolgreich abschließen zu können“, werden dieser Ehrenamtliche und weitere Kollegen das neue Angebot im Kulturforum nutzen.

Nicht nur die Mitglieder des Repaircafés haben den praktischen Nutzen des 3D-Druckers erkannt, Bibliotheksmitarbeiter und IT-Experte Manuel Brandt weiß auch schon, für welches interne Projekt er dieses Gerät nutzen wird. „Unsere Schränke im Gang haben keine Griffe und sind deshalb etwas umständlich zu öffnen.

Deshalb werde ich jetzt ganz einfache Knöpfe ausdrucken lassen und an die Türen anschrauben.“ Und so wird bald schon ein praktisches Problem in der Stadtbücherei der Vergangenheit angehören.

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