Die Lernwerkstatt im Kulturforum, die hier von Bürgermeister Axel Weiss-Thiel eröffnet wird, versteht sich als Treffpunkt zum Lernen, Wissensaustausch und Kommunizieren. Zweimal wöchentlich findet ein niedrigschwelliges Bildungsangebot statt. Foto: ju

Hanau

In der neuen Lernwerkstatt kann man das Lernen lernen

Hanau. Für den 60-Jährigen, der sich im ersten Stock des Kulturforums an die deutsche Sprache herantastet, ist die neue Lernwerkstatt ein Segen. Bei diesem Angebot von Volkshochschule und Stadtbibliothek muss er sich nicht seiner Defizite schämen.

Von Jutta Degen-Peters

Hier gibt es keine Aufnahmeformulare und keine Kursmitglieder, die viel weiter sind als er. „Bei diesem niedrigschwelligen Angebot geht es darum, das Lernen zu lernen“, sagt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel bei der Eröffnung des Raumes im Kulturforum.

Karten mit bunten Abbildungen von Früchten und Alltagsgegenständen liegen auf den Tischen. Erika Schneider, Lothar Rappke und Reinhold Huth, Lehrer und Bibliothekslotsen, wandern von Tisch zu Tisch, um Gruppen von Jugendlichen und Erwachsenen zu helfen: Wer da ist, möchte etwas lernen, ohne die Hürde eines Kurses oder eines Zertifikat. Und genau das macht den Reiz des neuen unentgeltlichen Angebotes aus.

Die Initiative ist eine ideale Kombination, bei der der Lernort, die Stadtbibliothek, und die Volkshochschule (VHS) als klassischer Wissensvermittler Hand in Hand arbeiten. In der Etage, in der bis vor Kurzem noch die Sparkasse Hanau Beratungsräume nutzte, aus denen sie jetzt umgezogen ist in die Hauptstelle am Markt, werden den Besuchern zweimal wöchentlich Kenntnisse vermittelt. Dabei sollen sich in erster Linie Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen fühlen, für die andere Bildungsangebote aus den unterschiedlichsten Gründen nicht infrage kommen.

"Offener geht's gar nicht"

Geeignet ist die Lernwerkstatt beispielsweise für Menschen, die sich auf ihren B1-Sprachkurs vorbereiten möchten. Er biete sich aber auch für diejenigen an, die zwar Migrationshintergrund haben, aber denen nicht als Flüchtlinge die Sprachkurse offenstehen. Weiss-Thiel wies darauf hin, dass der Anteil der Hanauer mit ausländischen Wurzeln aktuell bei 26 Prozent liege. Dem müsse man Rechnung tragen. Alphabetisierung und Grundbildung sind also erst einmal Schwerpunkte in der Lernwerkstatt.

Die Idee zur Lernwerkstatt, so berichtete VHS-Leiterin Elke Hohmann, besteht schon einige Jahre. Doch jetzt habe sich mit dem Weggang der Sparkasse im Zentrum der Stadt mit bester Verkehrsanbindung ein idealer Standort gefunden. Mittwochs von 10.30 bis 13.30 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr stehen die Lernbegleiter den Lernwilligen zur Verfügung.

Dass die Stadtbibliothek die Lernmittel in Reichweite bietet, mit denen sich die Besucher vorwärts arbeiten können, ist ein großer Vorzug des Konzepts. Das punktet auch, weil es keine verschlossenen Türen oder Anmeldeformulare gibt: „Offener geht's gar nicht“, erklärte Hohmann. Und die Leiterin der Stadtbibliothek, Beate Schwartz-Simon, sieht in der neuen Einrichtung die Weiterentwicklung eines Lernortes. Hier bekomme man Bildung quasi en passant vermittelt.

Die Lernwerkstatt im ersten Stock des Kulturforums ist jeweils mittwochs von 10.30 bis 13.30 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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