Die Planungsunterlagen zeigen eine Skizze der Seitenansicht des Gebäudes. 3-D-Ansichten gibt es bisher nicht. Grafik: Baugesellschaft

Hanau

Neue Zukunft für altes Bahnhaus in Wolfgang

Hanau. Das Behinderten-Werk Main-Kinzig (BWMK) wird sein Betreuungs- und Wohnangebot in der Region ausbauen. In Wolfgang soll in einem Haus der Baugesellschaft Hanau eine Wohnstätte für psychisch kranke Menschen mit erhöhtem Hilfebedarf entstehen.

Von Christian Dauber

Dazu wird die Baugesellschaft das Bahnhaus genannte Gebäude in der Straße Vor der Pulvermühle 1 und 1a sanieren und anschließend ans BWMK vermieten. Diese Informationen unserer Zeitung bestätigten Joachim Schröck, Geschäftsführer des Bereichs Wohnen, Kinder, Jugend und Familie des BWMK, und Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft.

Wie Schröck erläutert, sollen in dem denkmalgeschützten Gebäude künftig Menschen mit psychischen Erkrankungen wohnen. Dazu sollen auf drei Stockwerken jeweils vier bis fünf Appartements eingerichtet werden.

Behinderten-Werk plant Wohnangebot für psychisch Kranke

Es solle einen stationären Bereich und ein davon getrenntes betreutes Wohnangebot geben. Die Details stünden noch nicht in Gänze fest: Das Behinderten-Werk sei gerade mit der inhaltlichen und konzeptionellen Planung befasst, erläutert Schröck. „Ziel ist, ein durchlässiges System zu schaffen, das ermöglicht, aus dem stationären in den betreuten Teil zu ziehen. Bei dem Weg zurück in die Normalität und Gesellschaft möchten wir die Menschen so gut unterstützen, wie wir können“, so der stellvertretende BWMK-Geschäftsführer.

Die Einrichtung in Wolfgang solle wie die bereits vorhandenen Wohnangebote ein für sich arbeitender Standort werden. Beispielsweise gibt es in der Lenbachstraße im Lamboy ein Appartementhaus für Menschen mit Beeinträchtigungen, ein weiteres entsteht gerade im Erlenweg (wir berichteten) . Mit dem neuen Angebot im Haus Vor der Pulvermühle entstünden auch neue Arbeitsplätze gemäß dem vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel, so Schröck. Er rechnet mit fünf bis sechs neuen Stellen.

Gottwald: "Komplette Runderneuerung"

Bis die Einrichtung voraussichtlich eröffnet wird, ist noch viel zu tun. Das in den Jahren 1890 bis 1895 erbaute und in schlechtem Zustand befindliche Gebäude muss komplett auf Vordermann gebracht werden. „Wir werden kernsanieren“, sagt Gottwald. Er rechne mit ungefähr einem Jahr bis zur Erteilung der Baugenehmigung.

Die Nutzung durch das BWMK werde als Sondernutzung eingestuft. Folgenden Zeitplan hält Gottwald für realistisch: Der Bauantrag werde voraussichtlich im Oktober 2019 eingereicht. Ab Oktober 2020 werde dann etwa ein Jahr lang gebaut, bis in den Herbst 2021.

Die Liste der zu erledigenden Arbeiten ist lang: Die Dacheindeckung wird neu gemacht. Mit Durchbrüchen, Unterzügen und der Anpassung des Dachstuhls seien „umfangreiche statische Eingriffe in die vorhandene Bausubstanz“ nötig, so Gottwald. Die Deckenbalken müssen zum Teil ausgetauscht werden, die komplette Haustechnik und Elektro würden neu gemacht. Ein innenliegender Aufzug soll eingebaut werden.

Remise wird in eine Werkstatt für therapeutische Zwecke umgebaut

Die vorhandene Klinkerfassade soll auf Vordermann gebracht werden, die Fassadenuhr sowie die Eingangs- und Innentüren instand gesetzt oder erneuert werden. Auch die historischen Treppenanlagen müssten unter Beachtung der brandschutztechnischen und bauaufsichtlichen Auflagen saniert werden.

Die Remise soll in eine Werkstatt für therapeutische Zwecke umgebaut werden. Zudem werden laut Gottwald die Außenanlagen inklusive der Einzäunung neu angelegt. „Kurz gesagt, eine komplette Runderneuerung“, fasst der Geschäftsführer der Baugesellschaft zusammen.

Das Bahnhaus in WolfgangDas markante Gebäude in der Straße Vor der Pulvermühle wird Bahnhaus genannt. Es ist nicht das eigentliche Bahnhofsgebäude – dies befindet sich von der Straße aus gesehen weiter hinten. Errichtet wurde das Bahnhaus in den Jahren 1890 bis 1895. Es ist ein Überbleibsel der Arbeitersiedlung im Backsteinstil der Gründerzeit, die ein ansehnlicher Teil der damaligen Pulverfabrik war. Das Haus hat alle früheren Abrisse von Häusern der Siedlung gut überstanden. Der Wolfgänger Geschichtsverein setzt sich seit Jahren für den Erhalt des historischen Gebäudes ein. Auf seine Initiative hin ist es seit dem vergangenen Jahr denkmalgeschützt. Eine Besonderheit des Gebäudes ist die Wetterfahne in Form einer Kanone, die das Dach ziert. Wer auf die Idee kam, diese zu installieren, ist laut Wolfgänger Chronik nicht bekannt. Offenbar sollte sie den militärischen Charakter der Siedlung unterstreichen. Die Kanone wurde damals eine Art „Wahrzeichen“ und wurde gerne fotografiert. cd

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