Es bestand großer Gesprächsbedarf: Bei der Info-Veranstaltung im alten Verwaltungsgebäude des Traktorenwerks wurde rege diskutiert. Foto: Rainer Habermann

Hanau

Neue Pläne für Bautz-Areal: Bootsanlegestelle entfällt

Hanau. Das Großauheimer Mainufer gehört nicht unbedingt zu den Luxusquartieren in Hanau; es könnte aber eines werden. Denn der Bautz-Gewerbepark hat den unwiderstehlichen Charme einer grünen und backsteinernen Industriebrache mit glorioser Vergangenheit, unmittelbar am Fluss gelegen und insgesamt 13 Hektar messend.

Von Rainer HabermannBis 1963 wurden hier Traktoren gebaut, jetzt plant der Investor Bien-Ries AG den Abriss und die Schaffung von 1300 neuen Wohnungen. Gewerbeverträglich – es haben sich im Gewerbepark zahlreiche kleinere Unternehmen angesiedelt, für sie gab es bereits eine Info-Veranstaltung des Käufers und der Stadt – und gleichzeitig wohnverträglich: Darüber informierten Hanaus oberster Stadtplaner Martin Bieberle und der Geschäftsführer des Projektentwicklers und Bauträgers Bien-Ries, Wolfgang Ries, am Donnerstagabend im alten Verwaltungsgebäude des Traktorenwerks. Das Gebäude ist mittlerweile denkmalgeschützt und genießt Bestandsschutz, auch wenn dahinter und drumherum drei- bis fünfgeschossige Wohngebäude entstehen werden.

Der Saal im Bautz-Bau war brechend voll, das Interesse ebenso riesig wie das Projekt. Im Anschluss an die Vorträge von Bieberle und Ries konnten die zahlreich erschienenen Bürger an drei „Thementischen“ nach Herzenslust diskutieren, ihre Fragen stellen und Anregungen loswerden. Das war bitter nötig, wie sich an der regen Beteiligung zeigte: Denn ein Projekt, das quasi einen eigenen Stadtteil im Stadtteil erschafft, das „Bautz-Quartier“, wirft doch die eine oder andere Frage auf.

„Pfund des Grundstücks“

Der Clou beim ganzen Projekt, das „Pfund des Grundstücks“, wie Ries meinte: Das Mainufer soll einbezogen werden. Die Josef-Bautz-Straße, die derzeit als Uferstraße den Gewerbepark erschließt, soll zurückgebaut und in eine echte Promenade unmittelbar am Wasser verwandelt werden. Allerdings fällt die ursprünglich einmal angedachte Bootsanlegestelle, die sogenannte „Marina“, im Main flach. Das Schifffahrtsamt habe wegen der Strömungsgeschwindigkeit in der Mainkurve abgewunken, erklärte Ries.

Die Verkehrserschließung soll von der Irminratstraße her erfolgen, wobei parkende Pkw am Straßenrand oder vor den Gebäuden die Ausnahme bilden sollen. Vielmehr werden laut Projektentwickler Tiefgaragen für die künftigen Bewohner ausreichend Parkmöglichkeiten bieten.

Fließgeschwindigkeit des Mains ist zu hoch für eine Bootsanlegestelle: Auf aktuellen Plänen entfällt die zuvor angedachte Marina, die nach Prüfung der Flussstelle durch das Schifffahrtsamt nicht realisierbar sei. Foto: Rainer Habermann

Die Anlage der Gebäude soll nach dem Prinzip der Unregelmäßigkeit alter Stadtkerne erfolgen, als einzelne „Schollen“ und ohne das Diktat des rechten Winkels. Ein Supermarkt und eine siebenzügige Kita sollen den Bedarf des Quartiers decken. Immerhin könnten hier im Laufe von zehn Jahren (mit dieser Gesamtfertigstellungszeit rechnet Ries) mehr als 2000 Neubürger einziehen. Das hätte auch Auswirkungen auf den Bedarf an schulischem Unterricht, jetzt schon ein Problem in Großauheim. Bieberle versicherte, dass auch dies im Rahmen des Bebauungsplanentwurfs berücksichtigt wäre und das Quartier in den Schulentwicklungsplan aufgenommen werde.

Arbeitsplätze müssen stimmen

Und 2000 Menschen mehr bedeutet auch: Die müssen an ihre Arbeitsplätze kommen. So führe die Bien-Ries AG bereits Gespräche mit der DB AG, um einen eigenen Haltepunkt der Odenwaldbahn am Rande des Quartiers zu bekommen, so Ries. Der grobe Zeitplan sieht jetzt folgendermaßen aus, nachdem der Aufstellungsbeschluss fürden B-Plan im Juni von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig gefasst wurde: Offenlegungsbeschluss für den B-Plan und damit die Bürgerbeteiligung sowie der Träger öffentlicher Belange im ersten Quartal 2020, Satzungsbeschluss durch das Parlament und damit die Schaffung von Baurecht Ende 2021. Ab dann kann gebaut werden.

Wobei Grundrisse der entstehenden Wohnungen, Gebäudeansichten oder Quadratmeterpreise (es sollen sowohl Eigentums- als auch Mietwohnungen entstehen) im jetzigen noch sehr frühen Stadium der Planung noch nicht vorliegen.

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