Neue Philharmonie Frankfurt bei einem Konzert im Amphitheater Hanau
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Die Band und die Streicher der Neuen Philharmonie sorgten mit den Solisten Katrin Glenz (Mitte), Thomas Klossek und Achim Dürr für ein musikalisch anspruchsvolles Konzert. Dass das Ambiente nicht vergleichbar war mit dem im Wilhelmsbader Kurpark, trübte die Begeisterung nur minimal.

Neue Philharmonie Frankfurt in abgespeckter Form auf der Bühne des Amphitheaters in Hanau

Hanau – Keine bunten Decken auf dem Gras, keine Liegestühle, keine Sonnenschirmchen, keine Lampions: Alles, was eine „Hanauer Sommernacht“ im Kurpark Wilhelmsbad ausmacht, war nicht da. Alles? Nein, die Hauptsache war da: die Neue Philharmonie Frankfurt (NPF).

Von Rainer Habermann

Mit ihrem künstlerischen Leiter Jens Tröster und den großartigen Vokalisten Katrin Glenz,Thomas Klosssek und Achim Dürr. Wenn auch in abgespeckter Form, wie es der Moderator und Sänger formulierte.

249 Zuschauer im Amphitheater Hanau

Die saloppe Redewendung bezog sich natürlich nicht auf den Körperumfang der Musiker, wohl aber auf die Anzahl der Köpfe. Und auch die Publikumszahlen reichten nicht wie üblich in die Tausende, sondern ließ sich haargenau beziffern: 249 zahlende Gäste verbuchte das Veranstaltungsbüro der Stadt, Organisator der Konzertreihe im Amphitheater, das als Ersatz für die volle Freiluft-Atmosphäre im weitläufigen Park diente.

„Kleine Sommernacht“: daher der Konzerttitel unter der offenen Zeltkuppel. Aber zu Corona-Zeiten, mit den üblichen Beschränkungen, hieß das: ausverkauft. Mehrere Kameras hielten auch dieses Ereignis unter dem Hashtag „#hanaudaheim“ fest und streamten die Veranstaltung live ins Internet.

Konzert im Amphitheater Hanau: Internationales Publikum ist über das Internet dabei

Hier war die Besetzung – auf der heimischen Couch oder vor dem Smartphone – international, wie die herzlichen Glückwünsche in den Kommentarspalten auf Facebook & Co zeigten. „Vi ringrazio per questa serata meravigliosa“, stand da zu lesen, auf Italienisch. Übersetzt heißt das in etwa: „Habt Dank für diesen wunderbaren Abend“.

Ebenfalls im Netz wurde der Begriff „Teufelsgeigerin“ neu geprägt, eigentlich für den Superstar auf der Violine, David Garrett, reserviert; und zwar als Attribut für Konzertmeisterin und Erste Violinistin Anna-Maria Barth. Sie lieferte tatsächlich, unterstützt von Gitarrist Ralf Hübner, beim „Baba O’Riley“ von The Who ein Geigensolo ab, das man mit Fug’ und Recht als „höllisch“ bezeichnen kann – im positivsten Sinn.

Amphitheater Hanau: Sänger-Trio überzeugt mit Rock

Für Sänger Achim Dürr bedeutete dieser Klassiker der Rockgeschichte aus dem Album „Who’s next“, vom Who-Gitarristen Pete Townshend geschrieben, wohl die ultimative Herausforderung, die er mit Bravour meisterte. Kraftvoll, mit seinem typischen „Joe-Cocker-Timbre“, lieferte Dürr buchstäblich alle Höhen und Tiefen dieser anspruchsvollen Nummer ab und hatte in Thomas Klossek und Katrin Glenz ebenbürtige Gesangspartner, die gemeinsam, aber auch in ihren jeweiligen Solonummern glänzten.

Ob als „Bond-Girl“ mit „Live and let die“ oder bereits in der ersten Rock-Ballade des Abends, der „Bridge over troubled water“ (Simon & Garfunkel) im Duett mit Klossek: Auch ihre Erscheinung war nicht nur optisch ein Genuss.

Klassik, Rock und Pop im Amphitheater in Hanau

Neben klassischen Stücken wie der Serenade in G-Dur, der „Kleinen Nachtmusik“ (Mozart), oder der Händel’schen „Feuerwerksmusik“ standen Rock und Pop auf dem Programmzettel. Bis zum „Finale Furioso“ aus „Sledgehammer“ (Peter Gabriel), „Hey Jude“ (Beatles) und „Smoke on the water“ (Deep Purple).

Dazwischen erinnerte die NPF an die Opfer des rechten Terrors vom 19. Februar in Hanau. Dürr nannte sie alle beim Namen, und mit „Imagine“ von John Lennon sangen er, Glenz und Klossek die passende Hymne zu diesem traurig und wütend stimmenden Anlass.

Teilweise durchwachsenes Fazit der Zuschauer im Amphitheater Hanau

Das Fazit, das Besucher aus der „Sommernacht mit anderen Mitteln“ nach fast drei Konzertstunden zogen, fiel aber – insbesondere gültig für die erste Konzerthälfte vor der Pause und bei denen aus dem Publikum, die wir zufällig befragten – gemischt aus. Für Brigitte und Reinhold Ellmauer aus Klein-Auheim „fehlte irgendwas“.

Deshalb lautete ihr Urteil auch „durchwachsen“. Die Leistungen der Sänger seien „fantastisch“ gewesen, aber es hätte durchaus auch „mehr Klassik“ im Programm sein dürfen. „Blech und Holz“ hätten gefehlt: Die NPF stand eben nur mit zehn Streichern und ihrer vierköpfigen Band um Schlagzeugerin Gaby Jüttner auf der Bühne. Gewissermaßen als „Kammerorchester“.

Abwechslungsreiches Programm: Auch Lob für Konzert im Amphitheater Hanau

Für Mechthild Leiderberger, Emmi Hagel und Elisabeth Fölzing-Ungewitter, drei Freundinnen aus Erlensee und, wie das Ehepaar Ellmauer, „alte Hasen“ der Sommernachtskonzerte im Wilhelmsbader Kurpark, war der Abend hingegen „großartig“.

Sie machten kaum einen Unterschied aus zu den lauen Nächten im Park, fanden das Programm „sehr abwechslungsreich“ und „für jeden Geschmack geeignet“. Auch sie lobten die Gesangsleistungen über den grünen Klee und hatten „ganz viel Spaß mit den tollen Liedern“.

Orchester mit Mischung aus Klassik und Rock

Konzerte der Neuen Philharmonie Frankfurt sind immer ein Highlight, egal wo das Orchester auftritt. Mit ihrer spritzigen und humorvoll präsentierten Mischung aus Klassik und Rock, der sich die Musiker und Sänger um den Dirigenten und künstlerischen Leiter Jens Tröster verschrieben haben, begeistern sie alleine schon aufgrund ihrer Qualität nahezu jedes Publikum.

Das ist im Amphitheater nicht anders als in einer großen Konzerthalle. Oder eben unter ganz freiem Himmel wie im Wilhelmsbader Kurpark.

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