Vor dem DGB-Haus am Freiheitsplatz: die neue DGB-Regiongeschäftsführerin Katrin Harth. Foto: Christian Dauber

Hanau

Neue DGB-Chefin kämpft für Gerechtigkeit und gegen Rechts

Region Hanau. Sätze wie „Das ist halt so“ oder „Da kann man nichts machen“ regen Kathrin Harth auf. Denn es stimme einfach nicht. Sie ist seit Kurzem neue Regionsgeschäftsführerin des DGB Südosthessen. Wir haben die 35-Jährige in ihrem Büro im DGB-Haus am Freiheitsplatz zum Gespräch getroffen.

Von Christian Dauber

Wenn es um Probleme geht, hört sie häufig Sätze wie „Das ist halt so“ oder „Da kann man nichts machen“. Das rege sie auf, sagt Kathrin Harth. Denn es stimme einfach nicht. „Man kann immer etwas verändern“, macht sie klar – zum Beispiel, wenn man in eine Gewerkschaft eintrete und sich dort engagiere. Harth ist seit Kurzem neue Regionsgeschäftsführerin des DGB Südosthessen. Wir haben die 35-Jährige in ihrem Büro im DGB-Haus am Freiheitsplatz zum Gespräch getroffen.

Ein Anliegen ist Harth der Kampf gegen rechts. Wie wichtig dieser sei, habe sich gerade erst durch den Mordanschlag gegen den Eritreer in Wächtersbach gezeigt. „Die rechte Szene im Main-Kinzig-Kreis ist zwar überschaubar, was die Personenzahl betrifft. Allerdings gibt es gefestigte Strukturen, die wir bekämpfen müssen“, betont Harth.

Gegen rechte Strukturen und Alltagsrassismus

Sie erinnert auch an die Anfeindungen, denen sich Ex-Landrat Erich Pipa ausgesetzt sah und berichtet von rechten Gruppierungen, die sich im Main-Kinzig-Kreis gegründet hätten und überregional vernetzt seien. Außerdem gebe es einen gemeinsamen NPD-Bezirksverband MKK und Wetterau. Auch die AfD ist ihr in großen Teilen ein Dorn im Auge. „Mir fehlt, dass sich die politischen Akteure hier vor Ort von Leuten wie Björn Höcke distanzieren“, sagt sie.

Zu den rechten Strukturen geselle sich ein weitverbreiteter Alltagsrassismus, der bis an die familiäre Kaffeetafel oder in die Firmenkantine reiche. „Der hat im Fall von Wächtersbach dazu geführt, dass der vermutliche Täter seine Tat ankündigen und ungestört durchführen konnte“, betont Harth. Was kann der DGB dagegen tun? „Wichtig ist es, klare Kante zu zeigen und auf die Straße zu gehen“, betont sie. Betrieben gebe man Argumentationshilfen an die Hand. Außerdem führe der DGB Gespräche mit Menschen, bei denen die rechte Gesinnung noch nicht gefestigt sei, mit der Hoffnung, sie zum Umdenken zu bewegen.

Der Wille, etwas zu tun, die Verhältnisse zu verändern

Der Kampf gegen rechts ist nur ein Baustein von Harths Arbeit, die in Gelnhausen zur Schule gegangen ist und im Main-Kinzig-Kreis lebt. Schon während der Schulzeit begann sie, sich für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge zu interessieren. „Das lag vor allem daran, dass ich eine Lehrerin hatte, die sehr überzeugend veranschaulichte, dass die Armut in sogenannten Entwicklungsländern mit unserer Lebensweise hier zu tun hat“, blickt sie zurück. Es folgte die Erkenntnis, dass auch in Deutschland Arm und Reich immer weiter auseinanderdrifteten. „Das hat mit Verteilungsfragen zu tun, und diese wiederum mit Gerechtigkeitsfragen“, sagt Harth.

Ihr Interesse für das Thema war geweckt. Und der Wille, etwas zu tun, die Verhältnisse zu verändern. Nach der Realschule besuchte sie ein Wirtschaftsgymnasium. Nur konsequent, dass sich die heutige DGB-Chefin für ein Studium der Politikwissenschaften in Frankfurt entschied. „An der Uni bin ich das erste Mal mit Gewerkschaften in Berührung gekommen.“

Gemeinschaft von Gleichgesinnten kann etwas bewegen

Im dortigen DGB-Haus hätten viele Veranstaltungen stattgefunden. Gewerkschaften erschienen ihr als das geeignete Mittel, um Dinge zu verändern, politische Parteien weniger. „Da muss man entsprechende Hierarchien durchlaufen, und am Ende werden die Ansichten moderater“, meint Harth.

Wenn man etwas verändern möchte, gehe es leichter in einer starken Gemeinschaft von Gleichgesinnten. „Das weiß jeder, der schon mal an einer Demonstration oder einem Streik teilgenommen hat. Da spürt man schnell Enthusiasmus und Wirkungsmacht“, sagt die überzeugte Gewerkschafterin. Sie tritt nicht nur für gerechte Löhne, sondern auch für Vermögens- und Finanztransaktionssteuern ein. Vor ihrer neuen Stelle war Harth als Jugendbildungsreferentin und Gewerkschaftssekretärin beim DGB tätig.

Bedeutung der Gewerkschaften

Gewerkschaften haben ihrer Meinung nach wichtige Errungenschaften erkämpft, wie etwa bezahlten Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. „Auch jüngere Tarifauseinandersetzungen zeigen, dass wir Arbeitnehmer von der Arbeitgeberseite nichts geschenkt bekommen“, sagt sie. Die legitimen Forderungen müssten mittels Arbeitskämpfen durchgesetzt werden.

Zur Situation in der Region könne sie sich als Vertreterin des Dachverbandes nur allgemein äußern. Die DGB-Region erstreckt sich über Hanau, den Main-Kinzig-Kreis, Offenbach-Stadt und -Land bis nach Fulda. Über die Situation in den Betrieben vor Ort müssten sich einzelne Gewerkschaften wie Verdi oder IG Metall äußern. Klar sei aber: „In den vergangenen Jahren sind hier viele Arbeitsplätze abgebaut worden. Insgesamt bewegt sich die Zahl im vierstelligen Bereich.“

Transformation der Arbeitswelt als großes Thema

Betroffen seien vor allem exportorientierte Branchen. Für die Zukunft sieht Harth die Transformation der Arbeitswelt als großes Thema auf alle zukommen. Damit meint sie den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft und vor allem die Digitalisierung. Unternehmen müssten frühzeitig Zukunftsbereiche erkennen und investieren. Dass die Digitalisierung Arbeitsplätze koste, wolle sie nicht behaupten. „Die Jobs verändern sich. Darauf gilt es, sich einzustellen“, betont Harth.

Ihre Aufgabe sieht sie auch darin, atypische Beschäftigungsverhältnisse wie etwa Zeitarbeit zu identifizieren und zu bekämpfen. „Solche Arbeitsverhältnisse schlagen sich auf die Rente nieder. Vor allem Frauen sind betroffen.“

Als DGB wolle man auf Themen wie diese aufmerksam machen, sie auf die Agenda bringen. Wenn die unverheiratete 35-Jährige nicht für den DGB aktiv ist, liest sie gerne, verbringt Zeit in der Natur oder spielt Gitarre. „Nur für mich alleine, nicht in einer Band“, sagt sie. Auch Reisen gehört zu ihren Hobbys. „Aber auf keinen Fall in die Türkei.“ Despoten wie Erdogan könne sie nicht unterstützen, auch nicht im Urlaub, betont Harth. „Gewerkschafterin ist man nicht nur von 8 bis 17 Uhr. Das ist eine Haltung und Überzeugung.“

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