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Neue Bühne für Fundstücke in Hanauer Remisengalerie

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Der Künstler inmitten seiner Werke: Klaus D. Fellner stellt bis Anfang Februar in der Hanauer Remisengalerie aus.
Der Künstler inmitten seiner Werke: Klaus D. Fellner stellt bis Anfang Februar in der Hanauer Remisengalerie aus. © andrea pauly

Hanau – Verkohltes Kaminholz, halbverrottete Toilettenpapierrollen, verrostete Schrauben, gesprungene Glasvasen und verwelkte Botanik – viele von uns denken bei solchen Dingen direkt an Entsorgung. Klaus D. Fellner nicht.

Der Künstler montiert und kombiniert Fundstücke, die meist starke Spuren von Alterung und Zerstörung zeigen, zu überraschenden Arrangements als Wandobjekte mit den Mitteln der Malerei und des Mixed-Media-Stils, oder er fotografiert sie als barock anmutende Stillleben. In der Ausstellung des Hanauer Kulturvereins, der mit Fellner seine aktuelle Saison eröffnt, zeigt der gebürtige Klein-Auheimer in der Remisengalerie von Schlosses Philippsruhe einen Querschnitt seines künstlerischen Schaffens unter dem Motto „Meine Art von Art“.

Erleichterung darüber, dass Kunstausstellungen wieder „live“ sind

Maria Dorn, Vorsitzende des Vereins, ist froh, dass die Kunstausstellungen hier aktuell „live“ für Besucher unter Beachtung der geltenden Hygieneschutzkonzepte zu sehen sind, was in den vergangenen zwei Jahren durch die Pandemie streckenweise nicht möglich war und natürlich auch die Planung erschwerte.

Man hatte sich, wie viele andere Galerien und Kunstvereine, zum Teil mit der Darstellung über das Internet begnügen müssen, was im Fall von Fellner ein echter Verlust gewesen wäre, leben seine Arbeiten doch von einer Dreidimensionalität und einem Detailreichtum, die vor allem durch den realen und direkten Blick des Betrachters – nicht über einen Bildschirm – wahrgenommen und entdeckt werden können.

„Unser Jahresplan steht. Es wird neben Ausstellungen von hiesigen und internationalen Künstlern, wie dem renommierten weißrussischen Künstler Maxim Wakultschik im März, auch wieder ganz unterschiedliche Veranstaltungsformate geben. Diese reichen von Diskussionsrunden und Vorträgen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus bis zu Open-Air-Konzerten und den Wiesen-Matinéen, die im vergangenen Jahr ein echter Publikumsmagnet waren“, berichtet Dorn. Den noch bis Anfang Februar ausstellenden Klaus D. Fellner hatte die Vereinsvorsitzende bereits 2013 während einer vom damaligen Hanauer Kulturdezernenten Klaus Remer organisierten Reise ins befreundete russische Jaroslawl kennengelernt.

Künstler lebt in Alzenau

Sein vielseitiges und umfangreiches Werk habe sie dann aber erst vor kurzem bei einem Besuch mit ihrem Vorstandskollegen Udo Reckmann in Fellners Haus und Atelier in Alzenau entdeckt, wo der Künstler inzwischen seit etlichen Jahren lebt, so Dorn.

Nach seiner Ausbildung zum Farblithographen und dem Studium des perspektivischen Zeichnens und der Malerei an der Zeichenakademie in Hanau, arbeitete der 1945 geborene Fellner im Bereich Grafik, Lithografie und Fotografie unter anderem in der Werbebranche und machte sich schließlich selbstständig. Sein Interesse an der kubistischen Malerei und abstrakten Tendenzen zeigte sich bereits in seinen ersten Arbeiten ab etwa 1965.

Vor rund zehn Jahren begann der Künstler dann experimentell mit ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. Dabei bilden die Entstehungsgeschichten seiner Werke einen wohltuend amüsanten Kontrast zu der abstrakt anmutenden Darstellungsform, wie beispielsweise bei dem Wandobjekt „2 Paare“, bei dem man erst einmal rätselt, was sich eigentlich hinter den runden Papierteilen verbirgt, die aus der Fläche herausragen.

Seine Geschichte zu den Werken

Fellners Geschichte dazu: Auf dem Boden seines häuslichen Kaminschachtes habe manchmal eine Wasserpfütze gestanden. Um das rußige Wasser aufzufangen, stellte er mehrere Rollen Toilettenpapier auf den Schachtboden und vergaß diese. Beim Schornsteinfeger-Besuch im nächsten Jahr kamen sie dann wieder zum Vorschein. Mehrfach durchnässt und wieder getrocknet, mit Rußpartikeln und Staub paniert und patiniert – eine spannende Basis für das schließlich noch mit Wachs ergänzte Werk auf Leinwand.

Infos zur Ausstellung

Klaus D. Fellner: „Meine Art von Art“ – Fotografie, Malerei und Mixed-Media-Objekte – ist zu sehen in der Remisengalerie des Hanauer Kulturvereins im rechten Torgebäude des Schlosses Philippsruhe in Hanau.

Öffnungszeiten der Ausstellung: Noch bis Sonntag, 6. Februar, immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Die jeweils geltenden Hygienemaßnahmen sind zu berücksichtigen. (Von Andrea Pauly)

Aus Fundstücken wird Kunst: Für dieses Objekt hat Fellner halbverrottete Toilettenpapierrollen verarbeitet.
Aus Fundstücken wird Kunst: Für dieses Objekt hat Fellner halbverrottete Toilettenpapierrollen verarbeitet. © -

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