Sprach im Anschluss an den Jahresempfang der Stadt Hanau mit unserer Redakteurin Jutta Degen-Peters über die Herausforderungen seines neuen Amtes: Der hessische SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen, der am Samstag mit 64,6 Prozent der Stimmen zum neuen Generalsekretär der Hessen-SPD gewählt wurde. Fotos: Mike Bender

Hanau

Neuberger Christoph Degen ist neuer SPD-Generalsekretär

Hanau. Spontan das Schwert zu zücken und loszupoltern, entspricht nicht unbedingt seinem Naturell. Doch wer Christoph Degen bei Plenarsitzungen im Hessischen Landtag im Clinch mit Kultusminister Lorz erlebt hat, weiß, dass er auch kämpfen kann.

Von Jutta Degen-Peters

Diese Fähigkeit wird der in Neuberg lebende SPD-Landtagsabgeordnete künftig noch stärker einsetzen müssen: Am Samstag wurde er zum neuen Generalsekretär der hessischen SPD gewählt.

Von Baunatal, wo der SPD-Parteitag mit Wahl der neuen Parteivorsitzenden und des Generalsekretärs stattfand, kam Degen gestern nach Hanau in den Congress Park, wo ihm nicht nur Oberbürgermeister Claus Kaminsky von der Bühne aus gratulierte. Auch Weggefährten und politische Gegner nutzten die Gelegenheit, ihn zu seiner Wahl zu beglückwünschen.

Freude über den Vorschlag

Die erste Amtshandlung des studierten Förderschullehrers wird am Dienstag im Gespräch mit der Geschäftsstelle der hessischen SPD in Wiesbaden bestehen, kündigt er im Gespräch mit unserer Zeitung an. Ob er dort ein eigenes Büro beziehen wird, weiß er allerdings jetzt noch nicht. Denn regulär wird er sich dort nur einmal die Woche aufhalten. Die Leitung der Geschäftsstelle wird überwiedend per Telefon und E-Mail erfolgen, so der neue Generalsekretär.

Der Vorschlag Nancy Faesers, der am Samstag als Nachfolgerin von Thorsten Schäfer-Gümbel gewählten neuen SPD-Chefin, Degen zum neuen Generalsekretär zu machen, freute diesen sehr. Faeser ist er seit vielen Jahren eng verbunden. „Sie war meine Mentorin in meinem ersten Landtagsjahr 2008“, erinnert sich der Neuberger. Dass Faesers Wahl auf Degen fiel, begründete die neue SPD-Chefin unter anderem mit dessen verbindendem und verbindlichem Wesen.

Die Zeit sei reif für eine neue Herausforderung

„Ich werde nach innen für den Zusammenhalt in der Partei sorgen“, kommentiert dieser denn auch Facetten seiner künftigen Aufgaben. Wenn es nötig sei, werde er allerdings gegenüber dem politischen Gegner auch austeilen.

Vor zwei Wochen sei er von Nancy Faeser angesprochen worden. Nach fast sechs Jahren an der Spitze des Unterbezirks und sieben Jahren im Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises sei für ihn die Zeit reif gewesen für eine neue Herausforderung. Ein Amt im näheren Umfeld der neuen Vorsitzenden hatte er schon seit Juni im Auge gehabt und sich zunächst als Vize-Landesvorsitzender beworben. Dass er stattdessen für das Amt des Generalsekretärs vorgeschlagen wurde, war dann doch eine Überraschung. „Ich habe nicht direkt darauf hingearbeitet. Es war vielmehr wie so oft in meiner Biografie: Es hat einfach gerade gut gepasst“.

„Die SPD muss sich nicht verstecken“

Dass Degens Schwerpunkt auf der Schul- und Bildungspolitik liegt, war für Faeser ein gewichtiges Argument bei ihrer Wahl. Degen wird die Chance nutzen, Themen wie Inklusion, die Lehrerbildung und die Unterrichtsthemen noch stärker als bisher einzubringen. Auch seine Herkunft dürfte eine nicht unerhebliche Rolle spielen: Im Main-Kinzig-Kreis kann die SPD Erfolge vorweisen, weil der Kreis unter ihrer Führung prosperiert: „Wir stellen hier über die Hälfte der Bürgermeister“, betont Degen die Stärke der Sozialdemokraten – auch für ihn ein stabiles Fundament.

Überhaupt geht der Pädagoge sein neues Amt mit Optimismus und Zuversicht an. „Die SPD muss sich nicht verstecken“, betont er. Und von einem Sanierungsfall könne schon gar keine Rede sein, sagt er mit Verweis auf „den Gewinn“ bei den Landtagswahlen in Brandenburg. (Daraus ging die SPD mit 26,2 Prozent trotz eines Stimmenverlusts von 5,7 Prozent als stärkste Kraft hervor).

„Ich hoffe, man nimmt wahr, dass wir ein gutes Team sind!“

„Die Sozialdemokraten haben Hessen nach dem Krieg wiederaufgebaut“, sagt er. „Und zur Klimadebatte erinnere ich daran, dass wir schon 2008 mit Hermann Scheer eine ganz klare Position hatten.“ Hinter den Grünen herzulaufen, dazu sieht Degen also keinen Grund. Er sieht seine Hauptaufgabe darin, diese guten Positionen wieder deutlicher nach außen zu bringen und besser zu kommunizieren.

Auf kommunaler Ebene tut er das immer wieder. Er verweist darauf, dass die SPD bei der letzten Kreistagswahl über 33 Prozent erhalten und den Landrats- und Generationenwechsel erfolgreich gestaltet habe. „Ich hoffe, man nimmt wahr, dass wir ein gutes Team sind!“ Der gute Zusammenhalt, der in der Region bestehe, könne auf Landesebene noch ausgebaut werden, merkt er an – auch ein Feld, das er bearbeiten will.

Degen versucht die Ämter zu vereinbaren

Als Pfund kann der 39-Jährige in die Waagschale werfen, dass er als Main-Kinzig-Politiker und -bürger von jeher für ländliche wie für (groß-)städtische Kommunen zugleich gedacht habe und denke – bei Wohnen, Mobilität und Klima müssten stets die urbane Sichtweise neben der ländlichen stehen.

Sein Amt als Vorsitzender des Unterbezirks will Degen zunächst weiterführen. Im Frühjahr 2020 stehen Neuwahlen an. Bis dahin werde sich zeigen, wie sich die Ämter vereinbaren ließen, sagt der passionierte Läufer, der auch künftig an seinem Jogging-Training festhalten will. Auch seinen Wohnort in Neuberg will Degen beibehalten, ebenso wie weitere Ämter. „Das Amt des Präsidenten des Hessischen Musikverbandes werde ich als Letztes streichen“, sagt er. Auf die Frage, was ganz oben auf seinem Wunschzettel steht, kommt die Antwort ohne Zögern: „Na, dass wir die nächste Landtagswahl gewinnen!“

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