Hier sollen auf rund vier Hektar 111 Wohneinheiten, darunter zwölf Einfamilienhäuser, 14 Doppelhaushälften, 60 Reihenhäuser und 25 Eigentumswohnungen entstehen. Foto Paul

Mittelbuchen

Neubaugebiet: Gefährdet Verkehr die Sicherheit der Schüler?

Mittelbuchen. Die Sorge einiger Eltern ist groß: Gefährdet der Baustellenverkehr für das geplante Neubaugebiet in Mittelbuchen die Sicherheit der Büchertalschüler? Denn der Verkehr kreuzt den Schulweg am Feldrand, den zahlreiche Schüler täglich zu Fuß benutzen. Auch die Schule sieht darin eine Gefahr.  

Von Kerstin Biehl

Es ist eine lange Liste von Argumenten für Einsprüche gegen das Neubaugebiet, die die Interessengemeinschaft Bauvorhaben Mittelbuchen Nordwest für die Bürger zusammengetragen hatte. Konkret spricht sich die IG in 58 Punkten gegen die bisherigen Planungen aus.

Ein Flugblatt mit Anregungen für etwaige Einwendungen fand sich in den vergangen Wochen in jedem Mittelbuchener Briefkasten. Am Montag endete die von der Stadt festgelegte Einwendungsfrist. Insgesamt gingen rund 100 Einwendungen im Rathaus ein. Insgesamt wohnen in Mittelbuchen knapp 4000 Menschen, rund 500 Mittelbuchener hatten an der Bürgerversammlung zum geplanten Neubaugebiet im November teilgenommen.Interessengemeinschaft ärgert sich„Die Auswertung erfolgt in den kommenden Tagen“, hieß es auf Nachfrage bei der städtischen Pressestelle. Bei einer ersten Durchsicht der Unterlagen hätten sich vor allem die Argumente Verkehr und Schulwegsicherung hervorgetan. Seit der Bürgerversammlung sind mehrere Wochen vergangen. Wir haben uns bei der Interessengemeinschaft nach der aktuellen Stimmung erkundigt.„Wir ärgern uns darüber, dass bis heute nicht die Belange des Ortes berücksichtigt werden“, sagt IG-Sprecher Klaus Walter. Mittlerweile werde die eingangs von den Projektbeteiligten verwendete Bezeichnung „Siedlung in der Siedlung“ vermieden und stattdessen mit Bezeichnungen wie „Gelenkfunktion“ (gemeint ist eine geplante Grünfläche zwischen altem und neuem Baugebiet) für die Verbindung zwischen Alt und Neu geworben.IG mit Verkehrsgutachten unzufriedenUnverständnis herrscht bei der IG auch über die großzügige Auslegung der Bebauungsdichte in Neubaugebieten. Als Beispiel führen Walter und seine Mitstreiter Elena Weber und Christoph Happrich die geplante Wohnbebauung auf dem Pioneer-Areal an. Wo in Mittelbuchen mit hoch und platzsparend argumentiert werde, würde dort mit großzügigen Stadtvillen geplant werden. „Es ist augenscheinlich, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird“, sagt Walter.Nicht einverstanden ist die IG zudem mit dem aufgestellten Verkehrsgutachten. Es besagt, dass das zusätzliche Verkehrsaufkommen durch die Schaffung des Neubaugebiets gut verkraftbar, weil nur marginal sei. Die IG moniert, dass der Berechnung pro Haushalt lediglich 1,2 Fahrzeuge zu Grunde liegen.Büchertalschule wirbt um Unterstützung„Die Realität sieht anders aus. Heutzutage muss man mit mindestens zwei Fahrzeugen rechnen, allein schon wegen der in Mittelbuchen nicht vorhandenen Infrastruktur“, sagen sie. Und: Der zu erwartende Baustellenverkehr sei in dem Gutachten erst gar nicht berücksichtigt.

 

Dieser Umstand umtreibt auch den Schulelternbeirat der Büchertalschule. Er richtete sich kürzlich per E-Mail an die Eltern eines jeden Büchertal-Schulkindes. Die Bitte: Das Anliegen von Harald Gomm, Vater eines Büchertalschülers, zu unterstützen.Baustellenverkehr kreuzt SchulwegSeine Bedenken: Der Baustellenverkehr, der den Schulweg am Feldrand kreuzen soll, sei eine große Gefahr für die Schulkinder. Denn die Baustraße soll am Rand der derzeitigen Bebauung zur Landstraße zwischen Mittelbuchen und Wachenbuchen entlang führen.Diese Baustraße würde den Fuß- und Fahrradweg von Mittelbuchen zur Büchertalschule kreuzen, dem einzigen Zugang von Mittelbuchen zur Büchertalschule für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer. Er wird von vielen Grundschülern täglich als Schulweg genutzt. „Die sich dadurch ergebende Gefährdung der Schulkinder auf ihrem Schulweg und in der Freizeit ist den Verantwortlichen der Stadt bewusst und wird billigend in Kauf genommen“, wirft Gomm in seinem Schreiben der Stadt vor.Acht HamsterbaueDie geplante Baustraße stehe im Widerspruch zu vorangegangenen Entscheidungen, wie beispielsweise der Schaffung von Schwellen, um den Autoverkehr zum Abbremsen zu zwingen. Gomms Forderung: Eine alternative Streckenführung für den Baustellenverkehr. Sein Vorschlag: eine kreuzungsfreie Lösung abseits bestehender Bebauung über den außerorts befindlichen Weg In der Wasserfalle.Ein weiterer Aspekt, für den auf der Bürgerversammlung keine Zeit mehr blieb und somit öffentlich bis dato gar nicht thematisiert wurde, ist der Punkt Naturschutz. Konkret geht es um die Feldhamsterproblematik. Ein von Terramag angefordertes Gutachten bestätigt insgesamt acht Hamsterbaue auf dem Areal.Brutzelle für HamsterGenauer gesagt handelt es sich hier um eine Quellpopulation, heißt, dass diese Bauten quasi als Brutzelle für Hamster – sie stehen auf der roten Liste für gefährdete Tierarten – fungiert. „Werden diese zerstört wird die Weiterentwicklung der Hamsterpopulation gefährdet, die Bestände nehmen erheblich ab“, erklärt Walter.Im Frühjahr soll es nach Aussage der Stadt eine weitere Bürgerversammlung geben, in die auch die Auswertungen der Einwendungen einfließen. „Wir hoffen, dass die Einwände der Bürger gehört werden und dadurch etwas an den bisherigen Planungen geändert wird“, so die IG-Vertreter.Bürgerfreundlich und naturerhaltend„Wir sind nicht gegen das Baugebiet“, machen sie deutlich. Vielmehr kämpften sie dafür, dass ein Bebauungsplan der aktuell weder bürgerfreundlich noch naturerhaltend ist vielleicht doch noch eine für alle Seiten verträgliche Lösung parat hat.

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