Neuer alter Steuermann: Manfred Matzner hat beim Hanauer Ruderclub Hassia wieder den Posten des ersten Vorsitzenden übernommen, wie bereits schon von 1979 bis 2005. Im Bootshaus stehen in diesem Jahr umfangreiche Sanierungsarbeiten an, die bald beginnen sollen. Foto: Michael Bellack

Hanau

Neuanfang: Ruderclub Hassia sieht sich in Zukunft gut gerüstet

Hanau. Mitte April dieses Jahres stand der Hanauer Ruderclub Hassia nach einer turbulenten Jahreshauptversammlung ohne Vorstand da.

Von Michael Bellack

Beim Traditionsverein sprach man von einem Vorgang, der in der 115-jährigen Geschichte einzigartig war. Zwei Monate später blickt die Hassia voller Tatendrang und Optimismus in die Zukunft. Mit neuem Vorstand.

Schuss vor den Bug zur rechten Zeit

Als „Warnschuss zur rechten Zeit“ bezeichnet Manfred Matzner die Vorkommnisse bei der unterbrochenen JHV im April. Matzner leitete die Versammlung in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender, vor zwei Wochen wurde er bei der neu angesetzten JHV einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt. Wieder. Bereits von 1979 bis 2005 stand er an der Spitze der Hassia. Dann war er beim Hessischen Ruderverband aktiv, eigentlich wollte er längst aufgehört haben. Jetzt ist er wieder erster Vorsitzender bei dem Verein, in dem er seit über 60 Jahren Mitglied ist.

Doch Matzner hat nun ein großes Team um sich. Das hat sich bereits im April bei einem kurzfristig anberaumten Werk‧stattgespräch gefunden, in dem über die Zukunft des Vereins gesprochen wurde. Rund 60 Mitglieder nahmen daran teil, der Großteil hat sich bereit erklärt, auch Aufgaben im Verein zu übernehmen.

Aufgaben werden künftig klar verteilt

Die werden künftig klar verteilt. In fünf Teilbereiche hat die Hassia die Arbeit aufgeteilt: Verwaltung, Finanzen, Anlagen, Sport und Vorsitz. Jede Gruppe hat jeweils einen Sprecher, der einen Platz im Vorstand hat. Für den Sport Stefan Buschbeck, für die Finanzen Betram Trunk und für die Verwaltung Allegra Gärtner. Frank Forkert ist für die Sachanlagen zuständig, Matzner für den Vorsitz.

Zwischen sechs und zehn Mitglieder bringen ihr Wissen in jede Gruppe ein. „Jeder weiß, was er zu tun hat. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Leuten“, so Matzner. Besonders erfreulich sei die hohe Beteiligung junger Mitglieder.

Und das ist auch gut so. Matzner selbst gehört mit 73 Jahren eigentlich schon zum alten Eisen. Ein, maximal zwei Jahre will er Vorsitzender bleiben und das Ruder dann an einen jüngeren Nachfolger übergeben. „Ich bin dann 75 Jahre alt. Von einem Aufbruch zu reden, kann dann nicht funktionieren.“ Eben jene Aufbruchstimmung herrsche derzeit im Verein. Matzner versteht sich in der Übergangszeit als Moderator zwischen allen Abteilungen, um den Umbruch einzuleiten.

Aufbruchstimmung im Verein

Das wurde in der Vergangenheit verpasst. „Man kann sagen, wir hatten das Glück – oder auch das Pech – in den vergangenen 60 Jahren nur drei Vorsitzende gehabt zu haben“, sagt Matzner. Zum einen sei eine derartige Konstanz nichts Schlechtes, zum anderen führe es aber bei vielen Mitgliedern dazu, sich zurückzulehnen nach dem Motto: Es läuft ja sowieso.

Die sportliche Ausrichtung wird die Hassia nicht verändern. Man setzt weiter auf eine enge Kooperation mit der Karl-Rehbein-Schule, an der es bei der Versammlung Mitte April Kritik gegeben hatte. Der Vorwurf lautete, in den vergangenen Jahren zu wenig für den Breitensport getan zu haben. „Wir machen das Schulrudern seit 70 Jahren, da gab es immer wieder Differenzen. Wir wollen die Kooperation, die uns stark gemacht hat, fortsetzen. Da gibt es keine Abstriche“, sagt Matzner. Sportlich sei der Verein voll auf der Höhe. Diverse Hassia-Athleten sind bei Europa- und Weltmeisterschaften vertreten.

Kritik wird ernst genommen

Dennoch nimmt man die Kritik aus den eigenen Reihen ernst, wie Matzner betont. Um den Breitensport wieder verstärkt zu fördern, will der Verein einen neuen Mitarbeiter einstellen. Dieser soll Schnupperkurse organisieren und die Verbindungen in der Ruderwelt nutzen, um zum Beispiel ehemalige Ruderer wieder für die Hassia zu begeistern.

Die größten Veränderungen in diesem Jahr stehen am Bootshaus an. Hier sollen die Umkleiden und Sanitäranlagen renoviert. Kostenpunkt: rund 200 000 Euro. Die Finanzierung steht bereits, entsprechende Fördergelder wurden genehmigt. Ende Juli sollen die Arbeiten beginnen. „Durch die verschobene Jahreshauptversammlung hinken wir sechs Wochen hinterher“, sagt Matzner. Das sei aber unproblematisch.

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