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Netzwerken beim Abend der Demokratie / Diskussionsrunde mit Peter Fischer

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Von: Kerstin Biehl

Podiumsdiskussion zum Thema Demokratie: Hannes Geist, Katja Kraus, Peter Fischer, Daniel R. Schmidt, Claus Kaminsky und Mario Leo (von links).
Podiumsdiskussion zum Thema Demokratie: Hannes Geist, Katja Kraus, Peter Fischer, Daniel R. Schmidt, Claus Kaminsky und Mario Leo (von links). © Patrick Scheiber

Es ist ein starkes Zeichen, das die HSG Hanau am Dienstagabend für die Demokratie gesetzt hat. Die Handballer hatten zur erstmals stattfindenden Netzwerkveranstaltung „Abend der Demokratie“ eingeladen. Die Veranstaltung, bei der unsere Zeitung Medienpartner war, stieß auf breites Interesse – sämtliche Karten für den Brüder-Grimm-Saal im Congress-Park waren ausverkauft.

Hanau – Unter den rund 400 Gästen fanden sich neben zahlreichen Vertretern der Hanauer Stadtgesellschaft auch viele Sportler und Sportvereine der Region, deren Sponsoren sowie zahlreiche Vertreter aus der Politik, die mit ihrem Kommen das Engagement für die gesellschaftliche Verantwortung der rund 300 Mitglieder starken Handballspielgemeinschaft würdigten. 2009 war der Verein aus den Handballabteilungen der TS Steinheim und des TV Kesselstadt hervorgegangen.

Sämtliche Akteure hatten vor Beginn der Podiumsdiskussion ausreichend Zeit zum Netzwerken. Um die Frage „Wie politisch darf/muss der Sport sein?“ drehte sich anschließend die Podiumsdiskussion, zu der der Organisator des Abends, HSG-Kommunikationschef Thomas Tamberg, eingeladen hatte. Ex-Fußballnationalspielerin, ehemalige Eintracht-Pressesprecherin und langjährige Führungskraft beim Hamburger SV Katja Kraus sowie Eintracht-Präsident Peter Fischer saßen neben dem Digitalexperten Mario Leo, der neben den Vereinten Nationen auch rund 100 internationale Top-Klubs und Verbände in ihren Social-Media-Aktivitäten berät, und OB Claus Kaminsky (SPD) auf dem Podium.

Peter Fischer, noch gezeichnet von den ausgiebigen Feierlichkeiten des Europapokalsiegs, ist wie kaum ein anderer bekannt für seinen Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus. Er machte an dem Abend mehr als einmal deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur über Demokratie zu sprechen, sondern auch zu handeln.

„Was hier in Hanau am 19. Februar passiert ist, dafür bietet die deutsche Sprache keine Worte. Deshalb brauchen wir Aufklärung, Einsatz, müssen lauter sein als die Rechten“, warb der Eintracht-Präsident für Zivilcourage und beteuerte, sich in Hanau „verdammt wohl“ zu fühlen. „Wenn ihr meine Hilfe braucht, ich bin da.“ Claus Kaminsky, stets im Einsatz gegen Rechts und deshalb oft schon selbst angefeindet, sagte: „Demokratie ist unser aller Angelegenheit und wenn das so ist, dann ist sie auch Angelegenheit des Sports.“

Ex-Nationalkeeperin Kraus machte deutlich, dass der Sport „ganz viele Möglichkeiten aus sich heraus bietet, gesellschaftsprägend zu sein. Wir müssen uns das immer wieder bewusst machen, ohne es dabei zu überpolitisieren. Denn oft verlangen wir vom Sport Lösungen, die die Politik selbst nicht hat.“

Die Vorbildfunktion des Sports in Bezug auf Werte betonte Social-Media-Experte Leo, und auch HSG-Geschäftsführer Hannes Geist und der Spieler der ersten Mannschaft, Jannik Ruppert, die Moderator Daniel R. Schmidt auf die Bühne bat, waren sich einig: „Wir müssen die Demokratie verteidigen“, sagte Geist und „Wir müssen auch dem Alltagsrassismus entgegentreten“, sagte Kapitän Ruppert.

Nach dem Attentat vom 19. Februar 2020 hatten die Handballer überlegt, welchen Beitrag sie leisten können, damit eine derart schreckliche Tat nicht noch einmal passiert. Die Ballspieler schlossen sich der Bundesinitiative „Demokratie leben“ an. Der „Abend der Demokratie“ ist Teil dieses Demokratieprojekts, an dem der Hanauer Drittligist seit einem Jahr teilnimmt. Unter anderem setzen sich die Handballer bei jedem Spiel mit dem Statement „Demokratie leben“ auf ihren Trikots für Demokratie ein. Auch Workshops zum Thema Alltagsrassismus werden im Verein angeboten. Alon Meyer, Präsident des Sportvereins Makkabi Frankfurt und Makkabi Deutschland: „Wir dürfen uns des Sports gebrauchen, um eine klare Abgrenzung nach rechts und links zu setzen. Wir dürfen nicht mehr wegschauen. Dieses ewige Wegschauen bin ich leid.“

Nach einer musikalischen Einlage vom Oscar Canton Duo stand der ehemalige Handballnationalspieler Mike Paul, der früher bei der TS Steinheim spielte, auf der Bühne. Er hatte seine Olympia-Silbermedaille von den Spielen 1984 für einen guten Zweck, die Ukrainehilfe, versteigert. „Die Medaille lag jetzt seit 38 Jahren im Schrank, da kann man doch Sinnvolleres mit machen“, sagte er. Julian Müller, selbst Handballer, ersteigerte das Edelmetall für 4200 Euro – und gab es noch am Abend zurück an Paul. „Da gehört sie hin. Mike, du bist mein Held.“

Zudem gab es eine Tombola zugunsten der Lebenshilfe Hanau und des Demokratie-Projekts der HSG, für die der Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach aus Hanau eine Sport-Bildercollage als ersten Preis spendete.

Die HSG Hanau hofft, dass sie mit ihrem Eintreten für Demokratie auch andere Vereine motiviert, sich an ihren Werten zu orientieren. Peter Fischer prognostizierte: „Solche Vereine wie Eurer sind im Moment noch Biotope. Doch es werden auch andere Vereine kommen. Dann fügen sich viele kleine Mosaiksteine zu einem Bild.“

Von Kerstin Biehl

Versteigert seine Olympia-Silbermedaille für den guten Zweck: Ex-Handballnationalspieler Mike Paul (rechts) beim Handschlag mit dem Ersteigerer Julian Müller.
Versteigert seine Olympia-Silbermedaille für den guten Zweck: Ex-Handballnationalspieler Mike Paul (rechts) beim Handschlag mit dem Ersteigerer Julian Müller. © -
Jetzt ist das Publikum gefragt: Abgestimmt wird darüber, ob sich der Sport stärker politisieren soll. „Ja“, sagt der Großteil der Gäste.
Jetzt ist das Publikum gefragt: Abgestimmt wird darüber, ob sich der Sport stärker politisieren soll. „Ja“, sagt der Großteil der Gäste. © -

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