Scharenweise stürmten die Narren am Sonntag das Schloss Philippsruhe. OB Claus Kaminsky musste seinen Platz im Schloss auch in diesem Jahr räumen. Foto: Paul

Hanau

Narren stürmen Schloss Philippsruhe: Magistrat hisst weiße Flagge

Hanau. Pünktlich um 11.11 Uhr, als die Narren zu ihrem Sturm auf Schloss Philippsruhe ansetzten, kam die Sonne zum Vorschein, um mit dem Faschingsvolk um die Wette zu strahlen. Durch das goldene Tor schunkelnd machten sich die Narren auf, das Schloss zu erstürmen. Das Ziel: Die Herrschaft über Stadtkasse und den Stadtschlüssel.

Von Reinhard PaulVerzichten mussten die Narren in diesem Jahr auf die musikalische Unterstützung des Steinheimer Fanfarenzuges: Viele Musiker lagen krank zu Hause, was eine enorme Schwächung der Narrenschar bedeutete.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) stand gemeinsam mit dem Magistrat entspannt auf dem Balkon des Schlosses. „Lasst sie nur kommen, wir sind gewappnet, die Narrenschar hat heute absolut keine Chance“, gab er sich kämpferisch. Doch je größer und lauter das bunt gekleidete Völkchen wurde, desto kleiner wurde sein Mut: „Es sind ja doch schon einige, wir werden uns aber mit allen uns möglichen Mitteln wehren“.Kaminsky gibt sich kämpferischSiegessicher reihten sich die Narren im Hof auf, die Husaren brachten ihre Musketen in Stellung und die Vertreter aller Hanauer Karnevalvereine forderten lautstark einen Machtwechsel: „Ihr habt lange genug regiert, viele Entscheidungen getroffen, die wir Narren so nicht hinnehmen wollen, jetzt lasst uns endlich ran.“ Dieter Henning, der Präsident des Jubiläumsclubs 1. Hanauer Carnevals Gesellschaft (EHCG) fordert lautstark mit den ihn umringenden Narren die Macht über Schloss und Stadt.

Zuerst gab es vom OB wieder einmal das obligatorische „Nö.“ „ Geht heim, genießt das Wetter, ruht euch aus, ihr müsst morgen alle wieder arbeiten, oder genießt den Tag lieber zu Hause auf der Couch“. Doch damit kam er den Narren gerade recht. Sie erwiderten die Verhohnepipelung vom Balkon mit wilden Gewehrsalven der Husaren. Das indes wiederum störte die Obrigkeit auf dem Balkon nicht. Im Gegenteil: „Leute, wir ziehen uns zurück, gehen erst einmal einen Kaffee trinken im Schloss Café, danach sehen wir weiter“, so der Oberbürgermeister. Schunkelnd und singend quittierten die zuerst verdutzt da stehenden Narren diese Aktion.Gewehrsalven gen Schloss gerichtetNach einer Weile kam wieder Bewegung auf den Balkon. „Habt ihr euch umentschieden?“, fragte Henning nach oben? Ein klares „Nö“ von Seiten des Magistrats ließ die Husaren noch einmal Gewehrsalven gen Schloss richten.

„Kaminsky, wir schicken Sie nach Amerika um dort mit Trump über den Abriss der Mauer zwischen Mexiko und Amerika zu reden. Sie nehmen die Gelder für den weiter geplanten Bau mit nach Hause und damit können wir in unserer Stadt einige Projekte voran treiben. Wie etwa den Umbau des Rochusplatzes in Großauheim oder eine neue Heimstätte für die Hanauer Tafel“, so Henning.Beate Funck hisst weiße FlaggeDas wiederum hielt Kaminsky für eine gute Idee – abdanken indes wollte er nicht. Im Gegenteil, der Magistrat feuerte Konfettikanonen auf die Narren ab, die das mit wütenden Gegenangriffen in Form von Schmähgesängen und abermaligen Feuerdampf aus den Musketen erwiderten.

Und es kam natürlich wie es kommen musste: Schlussendlich hisste Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck, die blütenweiße Flagge und der OB zog unter Begleitschutz aller Hanauer Prinzenpaare aus dem Schloss aus. Die Stadtkasse sowie der Stadtschlüssel wurden an das Hanauer Prinzenpaar Prinz Steven I. aus Hagenovien sowie seiner lieblichen Prinzgemahlin Prinzessin Bianca I. von Hagenovien übergeben.„Endlich mal was zum lachen“Die Obrigkeit wurde aus dem Amt gejagt und Gott Jokus hält nun bis Aschermittwoch Einzug ins Rathaus. „Endlich mal was zum Lachen und nicht zum Heulen, wenn es um die Amtsgeschäfte geht“, witzelte ein Zuschauer.

„Und keine Groko, hier wird noch ehrliche Politik betrieben“, lachte ein anderer. Dann ging es zum gemeinsamen Fototermin und zur Siegesfeier, bei der reichlich kühler Schampus und Gerstensaft gereicht wurde – ganz nach Vorbild der großen Polit-Parteien.

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