Neewroz Duman rief für "United against Racism!" dazu auf, eine Kundgebung in Dresden zu unterstützen, um dort ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Ein Nachmittag im Zeichen der Solidarität auf dem Freiheitsplatz

Hanau. „Solidarität statt Spaltung“ lautete das Motto der Kundgebung, zu der ein Bündnis verschiedener Initiativen am gestrigen Freitag aufgerufen hatte.

Von Ulrike Pongratz

Gegen 16 Uhr wurden auf dem Freiheitsplatz in Hanau verschiedene Stände aufgebaut, die über Themen wie Bürgerasyl und Seenotrettung, aber auch Arbeitnehmerrechte oder die RegionRojava informierten.

Zivilcourage und Humanismus beschworen

Alle Redner riefen die Bürger Hanaus auf, Zivilcourage zu zeigen, sich offen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus zu stellen und sich für eine solidarische Gesellschaft einzusetzen. Gefordert wurden auch gleiche Rechte für alle, Zugang zu Bildung und Gesundheit und faire Jobs für alle.

Ab 16 Uhr wurden auf dem Hanauer Freiheitsplatz Infostände und Themeninseln zu verschiedenen sozialen Fragen aufgebaut. Besondere Beachtung fand bei allen Teilnehmern das Schlauchboot, das die Verzweiflung deutlich machte, aber auch die Praxis der Seenotrettung anprangerte.

Initiativen stellen ihre Arbeit vor

Hagen Kopp eröffnete die Kundgebung auf dem „Marktplatz der Solidarität“, indem er die gängige Praxis der Abschiebung in „Krieg, Armut und Elend“ anprangerte und ein Bleiberecht für alle Menschen forderte.

„Erneut stecken Rettungsschiffe im Mittelmeer fest und dürfen mit mehreren Hundert Geretteten an keinem sicheren Hafen anlegen. Diese tödliche europäische Ausgrenzungspolitik muss sofort beendet werden. Auch Hanau muss dringend ein Signal gegen das Sterben auf See setzen und sich – wie bereits 60 andere Städte in Deutschland – zum 'Sicheren Hafen' erklären.“

Die europaweite Hotline „WatchTheMed Alarm Phone“ für Bootsflüchtlinge oder das Bürgerasysl waren zwei Initiativen, die Flüchtlingen konkrete Hilfe anbieten wollen. Hier können sich Bürger in Listen eintragen und damit ein Zeichen gegen die gegenwärtige Flüchtlingspolitik setzen.

Kampagne "United against Racism!" als Zeichen gegen Ausgrenzung

Ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus setzt Newroz Duman mit der Kampagne „United against Racism!“. Sie tourt zurzeit durch die Kleinstädte Sachsens, um dort Gruppen zu vernetzen und angstfreie Räume zu schaffen für sichere Aussprachen. In Sachsen herrsche ein alltäglicher Rassismus. Wer anders aussehe oder sich offen für Flüchtlinge und Migranten einsetze, werde bespuckt, angepöbelt und bedroht. Deshalb sei es wichtig, am kommenden Samstag in Dresden ein breites gesellschaftliches Zeichen zu setzen.

Die DGB-Regionsgeschäftsführerin Kathrin Harth machte deutlich, dass auch im Main-Kinzig-Kreis eine akute Bedrohung durch rechtsextremistische Gewaltaktionen bestehe. „Rechter Terror muss endlich konsequent als sol-cher benannt und wirksam bekämpft werden. Dazu gehört sowohl ein entschiedenes Vorgehen seitens der Behörden als auch die Problematisierung von sogenanntem Alltagsrassismus.“

Unterstützung für Eritreer aus Wächtersbach

Der junge Mann aus Eritrea, der in Wächtersbach niedergeschossen und schwer verletzt worden war, konnte inzwischen das Krankenhaus verlassen. Er und seine Familie seien von Freunden und Bekannten sehr unterstützt worden, sagte Marion Bayer von Pro Asyl.

Nun sei es wichtig, eine Wohnung in Hanau oder Frankfurt, jedenfalls in einer städtischen Umgebung, zu finden, damit das Trauma überwunden werden könne. „Ich kann mit nicht vorstellen, wie man nach einem solch traumatischen Erlebnis diesen Weg zum Arbeitsplatz jemals wieder gehen kann“, sagte Bayer.

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