Einer der ersten Hanauer, der spontan Blumen ablegt: Klaus Gutschalk ist tief betroffen von dem Geschehen. Foto: Thorsten Becker

Hanau

Nach dem Terror: Stimmungsumfrage auf dem Marktplatz

Hanau. Die Hanauer zeigen sich erschüttert, sind fassungslos. Wir haben nach den Gewalttaten vom Mittwoch eine spontane Umfrage auf dem Marktplatz gemacht.

Von Eva Walther und Marie Fries

Mohamed Araachoui sagt: „Es ist einfach traurig, erschreckend. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Hanau passieren würde.“ Dem schließen sich zahlreiche andere Befragte an, so auch Malte Beau: „Es hat mich schon etwas traumatisiert. Es ist gerade schrecklich, dass es immer mehr Rechtsextreme gibt, die durchdrehen“.

Viele finden keine Worte, um ihre Gedanken auszudrücken. „Es ist schlimm, dass Menschen überhaupt fähig sind, einfach so andere Menschen zu töten.“ Die meisten der Befragten haben Angst, und möchten deswegen nicht mit Namen genannt werden. Hanau sei klein, und man sei mit zu vielen Menschen bekannt, wird als Begründung angeführt.

„Ich dachte zuerst, es sei die Mafia."

Sonst ereigneten sich solche Taten nur in größeren Städten, und sie schienen deshalb weit weg. „Vielleicht ist das ein Wachrüttler für diejenigen, die immer noch denken, man wäre hier nicht vom Rechtsextremismus betroffen. Man schämt sich, dass es Hanauer gibt, die so denken wie der Täter“, sagte ein junger Mann, der anonym bleiben will.

Ein Mitarbeiter in einer Spielhalle in der Nähe einer der Tatorte sagt: „Ich habe Schüsse gehört, aber keinen gesehen. Ich dachte zuerst, es sei die Mafia“.

„Zum Glück war ich um 22 Uhr nicht mehr dort in der Gegend."

Anas Yusufs Kinder haben Angst, und auch er macht sich Sorgen um sich und seine Kinder: „Was soll ich sagen, das ist nicht normal“, meint er. Es wird von allen Seiten Unverständnis bezüglich der Tat ausgedrückt: „Es ist einfach nur grauenhaft, was in den Gehirnen mancher Menschen vorgeht. So viel Hass, die Gewalt“, sagt ein Mann, der ebenfalls nicht mit Namen genannt werden möchte.

„Schon krass“, sagt Juliane Strack. „Zum Glück war ich um 22 Uhr nicht mehr dort in der Gegend.“ Eine andere Befragte sagt: „Ich habe in meinem Heimatland studiert, bin jetzt schon seit 30 Jahren in Deutschland und gelte immer noch als Ausländerin. Dabei zahlen wir wie alle anderen Deutschen Steuern und arbeiten. Deutschland ist ein gutes Land, ich bin stolz darauf, hier zu leben. Der Hass und die Angst gegen Menschen mit Migrationshintergrund sind unbegründet. Ich glaube, dass diese Leute einfach keine Kontakte oder Informationen haben, und daher kommt das.“ Sven Lindqvist gibt diesen Kommentar ab: „Wo hatte der Idiot eigentlich seine Waffen her?!“

Einig sind sich alle: Was passiert ist, ist schrecklich. „Diese Woche wird hier in Hanau niemand mehr tanzen“, sagt Renate B. zum bevorstehenden Fasching.

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