60 Jahre liegen zwischen dem linken Bild als Soldat in Deutschland und dem rechten von Dr. Robert Rovinsky in seiner Wohnung in New York. Er hofft, dass der Artikel Harald Bauer aus Großauheim in die Hände fällt – oder jemandem, der ihn kennt. Ein
+
Dr. Robert Rovinsky als Soldat in Deutschland im Jahr 1960.

Wo ist Harald Bauer?

Nach 60 Jahren: Ehemaliger US-Soldat sucht seinen Brieffreund

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    VonYvonne Backhaus-Arnold
    schließen

Ein ehemaliger US-Soldat ist auf der Suche nach einem Jungen aus Hanau, der ihm vor rund 60 Jahren Briefe geschrieben hat.

Hanau/New York City – Der ehemalige US-Soldat ist auf der Suche nach einem Jungen aus Großauheim, der ihm vor rund 60 Jahren Briefe geschrieben hat. Der in Aschaffenburg stationierte Soldat und der Junge namens Harald Bauer hatten einen Briefwechsel – dann brach der Kontakt ab. Diese Geschichte beginnt mit einer E-Mail. Die elektronische Post landete vergangene Woche im digitalen Briefkasten unserer Zeitung. Absender: Dr. Robert Rovinsky. Wohnort: Manhattan. Am Tag zuvor sind ihm zu Hause zwei alte Briefe in die Hände gefallen. Ein Junge aus Großauheim hat sie ihm vor 60 Jahren geschrieben. Rovinsky, der ehemalige Soldat, beschließt, sich auf die Suche nach ihm zu machen.

Drei Jahre lang ist der damals 20-jährige Rovinsky in Aschaffenburg stationiert. Immer wieder sind seine Kameraden und er auch in Hanau, damals eine der größten US-Garnisonen außerhalb der Vereinigten Staaten. Rovinsky, Pionier beim 9th Engineer Battalion, erlebt hier zahlreiche Manöver und arbeitet bei verschiedensten Bauprojekten mit. „1960 war ein Dollar fünf D-Mark wert! Als Sprengstoffspezialist hatte ich ein monatliches Gehalt von 230 Dollar. Ich war also ein reicher junger Mann.“

Rovinsky in seiner Wohnung in New York. Er hofft, dass der Artikel Harald Bauer aus Großauheim in die Hände fällt – oder jemandem, der ihn kennt. Ein Foto von dem kleinen Jungen von damals hat er nicht.

US-Soldat lernt Jungen aus Hanau bei Brückenbau kennen – Briefwechsel bricht irgendwann ab

„Eines Tages, im Oktober 1960, als wir an einem Brückenbauprojekt schufteten, bekamen wir wie gewöhnlich eine Menge Zuschauer, darunter einen kleinen Jungen namens Harald Bauer. Während der drei oder vier Tage bei unserer Arbeit habe ich mich oft und ziemlich lange mit ihm unterhalten“, schreibt der 80-Jährige in seiner Mail.

Er schätzt Harald Bauer auf sieben, acht, vielleicht neun Jahre. Der kleine Junge und der amerikanische Soldat tauschten Adressen aus. „Nach meiner Rückkehr nach Aschaffenburg hatten wir einen allzu kurzen Briefwechsel, und dann war alles vorbei“, heißt es und weiter: „Bis gestern, denn gestern sind wie durch ein Wunder zwei von diesen alten Briefen wieder aufgetaucht. Harald Bauer aus Großauheim, damals höchstens neun Jahre alt, heutzutage hoffentlich ein glücklicher, gesunder Rentner, sitzt wieder neben mir, und erzählt mir von seiner Sandkasten-Liebe, Inge.“

Rovinsky hat viele Fragen: Was ist aus seinem kleinen Freund geworden? Hat er, wie der New Yorker, eine große Familie? Wohnt er immer noch in Hanau? Was hat er für einen Beruf gehabt? Hat er die USA besucht, vielleicht sogar New York? Erinnert er sich überhaupt an die Soldaten aus Aschaffenburg? Und was ist aus Inge geworden?

Post für Soldat Rovinsky: Dieser Brief von Harald Bauer fiel dem New Yorker vergangene Woche zufällig in Hände und spülte jede Menge Erinnerungen an die Oberfläche.

US-Soldat Robert Rovinsky hofft auf Hinweise zu Harald Bauer aus Hanau

Robert Rovinsky wurde 1972 promoviert, war danach Professor für skandinavische Sprachen und Literatur – erst an einer amerikanischen Universität, dann beinahe 40 Jahre in Schweden, wo er als Oberstudienrat an einem schwedischen Gymnasium tätig war. „1966 heiratete ich eine wunderbare Schwedin (deswegen meine Jahre in Schweden), aber tragischerweise starb sie 2011 an Krebs. Dank eines glücklichen Zufalls lernte ich ein paar Jahre später eine verwitwete Frau kennen, und zwar in meiner Heimatstadt New York, wo wir vor bald vier Jahren heirateten.“

Der Rentner hat zwei erwachsene Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Sein Sohn lebt mit Familie in Schweden, die Tochter in Manhattan, ganz in der Nähe ihres Vaters, der hier aufgewachsen ist. „Der Kreis schließt sich“, schreibt Robert Rovinsky. Jetzt hofft er, dass auch seine Suche nach Harald Erfolg hat. (Yvonne Backhaus-Arnold)

Der Aufruf war erfolgreich: Harald Bauer aus Hanau hat sich bei seinem Brieffreund aus den USA gemeldet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema