+
Rund 1000 Gläubige wären zu dem Fastengebet gestern im Herbert-Dröse-Stadion erwartet worden.

Bis zu 1000 Gläubige erwartet

Muslimisches Fastengebet abgesagt: Stadt und Kreis entziehen Genehmigung für Veranstaltung im Herbert-Dröse-Stadion

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
    schließen

Das für Sonntagvormittag im Herbert-Dröse-Stadion geplante Fastengebet zahlreicher muslimischer Vereine und Institutionen wurde kurzfristig abgesagt.

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau haben laut Mitteilung am Samstagmorgen in einer Dringlichkeitssitzung gemeinsam beschlossen, die Genehmigung der Veranstaltung zu widerrufen. Am Mittwoch hatte das Kreisgesundheitsamt zunächst grünes Licht für das Gebet gegeben, zu dem der Muslimische Arbeitskreis Hanau als Veranstalter am Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan bis zu 1000 Gläubige im Herbert-Dröse-Stadion erwartet hatte. 

Als Grund für die kurzfristige Absage nannten der Kreis und die Stadt Hanau eine geänderte Lage im Covid-19-Infektionsgeschehen in Hanau. Am Freitag war bekannt geworden, dass sich bei einem Baptisten-Gottesdienst in Frankfurt auch mindestens 16 Hanauer mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Das Infektionsgeschehen in der Brüder-Grimm-Stadt und im Rhein-Main-Gebiet habe sich dadurch verändert, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung von Stadt und Kreis. Und weiter: „Angesichts der jüngsten Entwicklungen beim Infektionsgeschehen in Hanau ist das Risiko zu groß.“ Es sei derzeit noch nicht abzusehen, welche Folgen die Ereignisse in Frankfurt für die gesamte Region hätten. 

Muslimischer Arbeitskreis Hanau zeigt sich verständnisvoll

„Vor diesem Hintergrund wäre es unverantwortlich, wenn in Hanau mehrere Hundert Muslime zum gemeinsamen Fastengebet zusammenkämen“, werden Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) und die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) in der Mitteilung zitiert. 

Die Veranstalter des Fastengebets vom Muslimischen Arbeitskreis Hanau reagieren verständnisvoll auf die kurzfristige Absage. „Natürlich hatten wir viel Arbeit in die Vorbereitung der Veranstaltung gesteckt“, erklärt Vorsitzender Behlül Yilmaz am Sonntag im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Yilmaz: Eine wichtige und richtige Entscheidung 

Drei Tage lang seien mehr als 100 Ehrenamtliche Tag und Nacht in die Vorbereitungen eingebunden gewesen, nicht zuletzt auch in die detaillierten Planungen für das Sicherheitskonzept, das der Muslimische Arbeitskreis beim Kreisgesundheitsamt vorgelegt hatte. „Aber es geht um die Gesundheit, um Menschenleben, und das geht immer vor“, so Yilmaz. 

Gerade nach den jüngsten Ansteckungen bei dem Frankfurter Gottesdienst sei das Risiko auch aus seiner Sicht zu groß gewesen. Deshalb hätte der Vorstand des Muslimischen Arbeitskreises auch am Samstag mit den Vorständen aller Hanauer Moscheen gesprochen und stadtweit sämtliche Fastengebete abgesagt. Diese finden traditionell zum Ende des Fastenmonats Ramadan sowohl in Moscheen als auch im Freien statt. „Wir haben mit der Absage aller Veranstaltungen eine wichtige und richtige Entscheidung getroffen“, ist Yilmaz sicher. 

Kritik am Main-Kinzig-Kreis für die Erteilung der Genehmigung

Dass der Main-Kinzig-Kreis überhaupt eine Genehmigung für die Veranstaltung mit bis zu 1000 Besuchern erteilt hatte, wurde besonders in den sozialen Medien wie Facebook heftig kritisiert. Den Behörden wurde unter anderem eine Ungleichbehandlung von Veranstaltungen vorgeworfen, schließlich hatten Bund und Länder Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August unlängst verboten. 

Doch in ihrer Stellungnahme betonen Kreis und Stadt Hanau, dass die Muslime bei der Genehmigung am Mittwoch nicht bevorzug behandelt worden seien. „Uns ist ein schlüssiges Konzept vorgelegt worden, das alle vom Land Hessen vorgesehenen Hygienereglungen berücksichtigt hat. Deshalb gab es am Mittwoch auch keinen Grund, die Veranstaltung abzusagen“, heißt es darin. Durch die Meldungen aus Frankfurt und die breite Bewerbung der Veranstaltung hätte sich allerdings die Bewertungsgrundlage verändert. 

Zusammenhalt in Hanau und im Main-Kinig-Kreis seien vorbildlich

„Wir alle sind in der Pflicht, unsere Entscheidungen vor den aktuellen Entwicklungen des Infektionsgeschehens immer wieder zu überprüfen. Das haben wir am Samstagmorgen in einer gemeinsamen Sitzung getan“, werden Simmler und Kaminsky in der Mitteilung zitiert. 

Das sehen auch die Mitglieder des Muslimischen Arbeitskreises rund um Behlül Yilmaz so. „Die Zusammenarbeit zwischen uns, dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau war vorbildlich“, so der Arbeitskreis-Vorsitzende. Er hofft nun, dass die Muslime der Region im nächsten Jahr wieder gemeinsam das Ende des Ramadans feiern können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema