+
Stadtpolizist auf Kontrollgang: Marco Aprigliano und seine Kollegen sind am Mittwochmorgen auf dem Hanauer Wochenmarkt unterwegs. Wichtigste Frage: Wird der Abstand eingehalten?

Unterwegs für die Gesundheit

Die Mitarbeiter der Hanauer Stadtpolizei kontrollieren in der Corona-Krise – wir haben sie begleitet

  • schließen

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Um die Gesundheit der Hanauer zu schützen, ist die Stadtpolizei stärker im Einsatz. Wir haben sie begleitet. 

Es ist Mittwochmorgen und klirrend kalt. Auf dem Hanauer Wochenmarkt sind einige Stellflächen leer. Fast alle Imbissbuden fehlen seit Samstag. Die, die weiter die Stellung halten, bieten Essen und Trinken to go, also zum Mitnehmen, an. 30 Prozent der Beschicker fehlen, schätzt Daniel Rohr vom Gewerbeamt. Er hat heute die Marktaufsicht. An seiner Seite – und auch seit 6 Uhr im Dienst – sind Marco Aprigliano von der Stadtpolizei und Michael Barbieri. Letzterer ist Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes aus Lampertheim. Er und ein weiterer Kollege unterstützen die Hanauer Stadtpolizisten in den kommenden Tagen.

Denn trotz einiger Krankheitsausfälle sollen sie laut Ordnungsamtschef Thorsten Wünschmann Präsenz in der Stadt zeigen. Normalerweise kontrollieren Rohr und seine Kollegen, welche Beschicker da sind und welche fehlen. Seit der neuen Verordnung aufgrund der Corona-Krise kontrollieren sie auch Sicherheitsabstände – von Beschicker zu Beschicker und zwischen den Kunden in der Schlange. „Überall, wo man etwas Essen kann, haben wir Tische und Bänke weggeräumt“, sagt Rohr. „Manche Beschicker haben sich direkt nach Bekanntwerden der Verordnung abgemeldet.“ 

Keine Beanstandungen der Stadtpolizei in der Nürnberger Straße

Den frei gewordenen Platz nutzt die Marktaufsicht, um „umzuräumen“ und mehr Raum zwischen den noch verbliebenen Ständen zu schaffen. Rohr ist zufrieden: „Die Marktbeschicker arbeiten sehr gut mit“, so seine erste Bilanz. Und auch die Kunden sind einsichtig. Beim Gang über den Platz müssen Aprigliano und Barbieri an diesem Morgen niemanden ermahnen. Kontrollieren mussten sie in den vergangenen Tagen – und meistens nach Hinweisen von Bürgern –, ob Gaststätten auch wirklich geschlossen sind – und bleiben, ob der Sicherheitsabstand und die Hygienevorschriften in Märkten eingehalten werden und der Kiosk um die Ecke tatsächlich nur Straßenverkauf anbietet. „Wir haben mit Kunden genauso wie mit Verkaufsleitern gesprochen“, erklärt Stadtpolizist Aprigliano auf dem Weg durch die Nürnberger Straße.

Nachkontrolle: Aprigliano und Michael Barbieri, Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes, der die Stadtpolizei aktuell unterstützt, sind heute zufrieden. Markierungen und Spuckschutz sind angebracht.

 Hier, in einem Einkaufsmarkt, wo es am Montag und Dienstag weder Spuckschutz an der Kasse, noch Bodenmarkierungen für die Kunden gab, müssen sie heute Morgen nochmal nachkontrollieren, ob die Mängel behoben wurden. Positiv: Es gibt nichts mehr zu beanstanden für Aprigliano und Barbieri. Von der Decke baumeln provisorisch aufgehängte Folien im Kassenbereich, und auch Markierungen sind heute vorhanden – samt Stopp-Schildern. „Sie können der Marktleitung sagen, dass das so passt“, gibt der Stadtpolizist an die Verkäuferin weiter. Richtung Einsatzzentrale funkt er danach, dass die Kontrolle positiv verlaufen ist. „Die meisten bessern zügig nach“, sagt der Rodenbacher, „und sie sind einsichtig. Am Ende geht es für alle ja ums eigene Wohl.“ 

Kein Strafenkatalog für diese Art der Ordnungswidrigkeiten 

Weiter zur Bruchköbeler Landstraße. Ein Kiosk hier hatte am Dienstag weder Hinweisschilder, noch Spuckschutz. Als die Kollegen schon auf dem Weg nach draußen waren, sahen sie den Eingang nebenan – der auch zum Kiosk gehört. Hier war geöffnet, saßen mehrere Personen zusammen. In diesen Tagen ist das eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt wird. „Wir haben die Personalien des Ladenbesitzers aufgeschrieben und bei den anderen Punkten um Nachbesserung gebeten“, so Aprigliano.

Kontrolle, die Zweite: Auch der Besitzer eines Kiosks an der Bruchköbeler Landstraße hat nachgebessert.

 Sachverhalt und Daten wird der Stadtpolizist jetzt an das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises melden. Mögliche Bescheide, so erklärt es die Pressestelle auf Nachfrage, werden dann auch über den Main-Kinzig-Kreis verschickt. Wie hoch das Bußgeld sein wird, ist unklar. Auf Nachfrage heißt es: „Hessen hat im Unterschied zu manch' anderem Bundesland keinen Strafenkatalog in diesem Bereich, der die Sanktionierung natürlich vereinfachen würde. Es liegt im Ermessen des zuständigen Amtes, die Ordnungswidrigkeit mit einem angemessenen Bußgeldbetrag zu belegen.“ 

Ordnungsamtschef Thorsten Wünschmann: „Die Hanauer sind total schlaue Menschen“

Abfahrt: Marco Aprigliano und seine Kollegen sind hier fertig, aber die nächste Kontrolle folgt – garantiert.

Marco Aprigliano und seine Kollegen haben in den vergangenen Tagen – so wie viele Ordnungsamtskollegen zwischen Maintal und Schlüchtern – meistens ein Auge zugedrückt und es bei einer mündlichen Verwarnung belassen. Im Kiosk an der Bruchköbeler Landstraße gibt es heute jedenfalls nichts mehr zu meckern: Spuckschutz und Hinweisschilder hängen, die Eingangstür nebenan ist zugesperrt. Bei künftigen Streifen hofft der Stadtpolizist weiter auf die Vernunft der Menschen. „Wenn ich jemanden auf einem gesperrten Spielplatz antreffen würde, würde ich kein Auge mehr zudrücken“, so Aprigliano. 

Ordnungsamtschef Thorsten Wünschmann zieht nach den ersten drei Tagen ebenfalls eine positive Bilanz. Die meisten seien einsichtig, größere Gruppen nicht mehr unterwegs. „Die Hanauer sind total schlaue Menschen“, sagt er und man hört das Schmunzeln durchs Telefon: „Die wissen einfach, worauf es ankommt.“

Das könnte Sie auch interessieren