1. Startseite
  2. Hanau

Millionendefizit bleibt aus: Klinikum Hanau macht leichtes Plus

Erstellt: Aktualisiert:

Positive Trendwende am Hanauer Klinikum: Das Minus von 960 000 Euro, mit dem Anfang letzten Jahres noch gerechnet worden war, ist nicht eingetreten. Bei der Bilanzpressekonferenz konnte sogar ein leichtes Plus vermeldet werden. Foto: Schlitt
Positive Trendwende am Hanauer Klinikum: Das Minus von 960 000 Euro, mit dem Anfang letzten Jahres noch gerechnet worden war, ist nicht eingetreten. Bei der Bilanzpressekonferenz konnte sogar ein leichtes Plus vermeldet werden. Foto: Schlitt

Hanau. Die Spekulationen haben sich nicht bestätigt: Das Klinikum Hanau schließt das Geschäftsjahr 2016 nicht mit einem millionenschweren Defizit ab, sondern verzeichnet sogar ein leichtes Plus.

Von Reinhold Schlitt

Spekulationen, wonach das Klinikum Hanau sein Geschäftsjahr 2016 mit einem millionenschweren Defizit abschließen könnte, haben sich nicht bestätigt. Das stadteigene Krankenhaus hat nach eigenen Angaben mit 260 000 Euro sogar ein positives Jahresergebnis erzielt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), er ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Klinik-GmbH, sprach sogar von dem „bislang erfolgreichsten Wirtschaftsjahr des Hauses“.

Gerechnet hatte man mit einem Minusbetrag in Höhe von 970 000 Euro, wie Kaminsky sagte. Presseberichte vom August letzten Jahres, die sich seinerzeit auf glaubhafte Quellen stützen konnten, gingen sogar von weit höheren Defiziten aus, die sich aus einer Quartalshochrechnung ergaben. Hintergrund war die äußerst negative Entwicklung in den ersten drei Monaten des letzten Jahres.Leistungen sorgen für UnruheFür Unruhe sorgte damals zusätzlich, dass das Klinikum zwar eine Reihe zusätzlicher medizinischer Leistungen erbracht hatte, diese jedoch von den Krankenkassen aufgrund einer gesetzlichen Vorschrift mit einem satten Rechnungsabschlag von 25 Prozent erstattet wurden.Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 hat sich die Situation aber deutlich verbessert, wie der im April letzten Jahres neu eingestellte Geschäftsführer Volkmar Bölke angesichts des Defizitszenarios sagte. Von der positiven Trendwende zeigte sich auch Kaminsky am Mittwoch vor Pressevertretern beeindruckt. Er lobte das Klinikpersonal und sagte: „Das Ergebnis bestärkt uns in unserem Ziel, das Klinikum unter wirtschaftlichen Aspekten auch künftig in kommunaler Trägerschaft zu halten.“Zahl der stationären Klinikfälle steigtDas positive Jahresergebnis wurde erheblich von der steigenden Zahl der stationären Klinikfälle beeinflusst, die mit den Krankenkassen abgerechnet wurden. Eine Rolle spielt dabei auch der zunehmende Schweregrad beziehungsweise die Komplexität von Behandlungsfällen. Insgesamt wurden 1400 Patienten mehr aufgenommen als noch im Vorjahr.Die Gesamtfallzahl lag bei 35 400. Für die zusätzlichen Fälle in 2016 erhalten die Hanauer von den Krankenkassen allerdings nur drei Viertel der ihnen zustehenden Honorare, weil nach dem Krankenhaus-Entgeltgesetz zusätzliche Leistungen „gedrosselt“ werden, um eine „ungerechtfertigte Leistungsausweitung“ in den Kliniken unattraktiv zu machen.

Mehr GeburtenZuwächse hat es in allen medizinischen Abteilungen gegeben, besonders aber in der Unfallchirurgie und in der Geburtenklinik sowie in Internistischen Abteilungen (unter anderem Onkologie, Hämatologie, Kardiologie, Gastroenterologie und Neurologie). Die Klinikleitung berichtete, dass allein diese Bereiche sowie „bessere Verhandlungen mit den Krankenkassen“ bis zu 1,5 Millionen Euro mehr als erwartet eingespielt hätten.Hingegen hat sich die Zahl der ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter, die auch die steigenden Patientenzahlen zu bewältigen haben, mit insgesamt zusätzlichen „zehn bis 15“ Vollzeitkräften unterm Strich kaum erhöht. Hier gab es 2016 insgesamt 854 Mitarbeiter im Pflegedienst und 306 Ärzte. In der Verwaltung seien hingegen fünf bis sechs Stellen abgebaut worden, sagte Aufsichtsratschef Kaminsky: „Wir haben den Personalanstieg gedrosselt.“ Derzeit gibt es, zusammen mit den technischen und Verwaltungsbereichen, 1818 Mitarbeiter im Klinikum.Riesiger Berg an InstandhaltungenEine weitere Einnahmequelle, die Honorare aus der ambulanten Versorgung von Patienten im klinikeigenen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), scheint hingegen keine so große Rolle zu spielen. Deren Erlöse (überwiegend aus den Honorartöpfen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte) hätten im letzten Jahr rund 178 000 Euro erbracht, wobei rund 70 000 Euro auf einen Einmaleffekt entfielen, mit dem man im neuen Rechnungsjahr nicht mehr kalkuliere.Kaminsky und Bölke bauen darauf, dass die Einnahmesituation auch 2017 und in den Folgejahren positiv bleibt, weil das Klinikum derzeit einen riesigen Berg an Instandhaltungen, Renovierungen und Umbauten sowie Modernisierungen und Neubauten zu schultern habe. Gleichwohl gibt sich der Oberbürgermeister optimistisch: „Das Klinikum ist als Maximalversorger mit seinem sehr umfangreichen Leistungsspektrum im Konkurrenzkampf mit anderen Kliniken im Rhein-Main-Gebiet gut aufgestellt.“Kaminsky bleibt entspanntEntspannt gibt sich der Rathauschef auch mit Blick auf die geplante Fusion des Klinikums Hanau mit dem städtischen Klinikum Aschaffenburg/Alzenau. „Wir stehen da nicht unter Druck, wie unsere neuesten Zahlen zeigen. Insofern sehen Sie mich entspannt, ja, sogar tiefenentspannt.“Voraussichtlich im Mai wollen die politischen Entscheidungsträger und Klinikchefs von Hanau und Aschaffenburg zusammenkommen und ihre „Zahlen nebeneinanderlegen“. Ob die Aschaffenburger Seite bis dahin allerdings ihre Bilanz schon geschrieben hat, ist unklar. Eine Kliniksprecherin sagte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung, dass sie erst im Sommer mit Zahlen aus ihrem Haus rechne.

Auch interessant