Will sich erstmal die gewachsenen Strukturen anschauen: Michael Roth (rechts) übernimmt bei der Frankfurter Volksbank den Posten von Robert Lang als Regionaldirektor. Foto: Christian Dauber

Hanau

Michael Roth tritt bei Frankfurter Volksbank in große Fußstapfen

Hanau. „Momentan habe ich das Gefühl, als wäre ich in einem langen Urlaub“, sagt Robert Lang. Der Unterschied dazu ist jedoch, dass der langjährige Hanauer Regionaldirektor der Frankfurter Volksbank nie wieder ins Büro zurückkehren muss. Denn Lang, der gebürtig aus Oberbayern stammt, ist jetzt im wohlverdienten Ruhestand.

Von Christian Dauber

„Als ich mich von allen Mitarbeitern verabschiedet habe, war schon viel Wehmut dabei“, sagt der 64-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung, für das er nochmal in die Filiale an der Krämerstraße gekommen ist. An seiner Seite sitzt Michael Helmut Roth, der zum 1. Juli den Posten übernommen hat. Roth kommt aus Hanau, kennt die Stadt wie seine Westentasche. „Das ist meine Heimat. Meine Kinder sind hier geboren. Deswegen habe ich gerne und sofort Ja gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich den Job machen möchte“, betont der 51-Jährige. Roth ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Begleitung bei Kundenterminen

Seit 2014 hatte er den Regionalmarkt Süd der Frankfurter Volksbank geführt, der sich von Kelsterbach bis Griesheim erstreckt. Davor leitete er bei der Commerzbank das Beratungszentrum für Geschäftskunden. Um ihm den Einstieg in sein neues Reich zu erleichtern, hat Lang Roth in den vergangenen Wochen bei Kundenterminen begleitet, ihm „Meinungsbildner“ in der Region vorgestellt. „Das hat mir viel Spaß gemacht. Viele Menschen waren mir zu meiner Freude bereits bekannt“, sagt Roth, der in Limeshain wohnt. Schließlich habe er von 2007 bis 2011 bei der damals noch existenten Dresdner Bank gearbeitet und die Fachberatung Finanzierung geleitet.

Dennoch, die Fußstapfen von Lang seien groß, meint er mit Blick auf dessen Vita. Lang hat eine Bankkarriere von der Pike auf hingelegt. Bei der Sparkasse Alzenau lernte er von 1970 bis 1973 Bankkaufmann. Nach zwei Jahren bei der dortigen Kreissparkasse folgten erst einmal zwei Jahre als Bundeswehrsoldat auf Zeit, bevor Lang zur Raiffeisenbank Wachenbuchen kam und dort schnell die Karriereleiter bis zum Vorstandsmitglied nach oben stieg.

Zwei Fusionen hat der frischgebackene Pensionär über die Bühne gebracht. Zunächst verschmolzen die Banken in Wachenbuchen und Dörnigheim zur Raiffeisenbank Maintal. „Das war ein schwieriger Prozess“, blickt Lang zurück. „Es gab viele Widerstände und Ängste bei den Kunden. Deswegen lehnten die Mitglieder die Fusion zunächst ab. Ich hatte damals gedacht, das wird schon irgendwie gut gehen. Ich war ein junger Kerl“, sagt er. Erst im zweiten Anlauf gab es grünes Licht.

Später sei noch die Bank in Bischofsheim hinzugekommen, bevor 1998 die nächste große Fusion folgte: jene mit der Frankfurter Volksbank. Es war die erste von weiteren 20 Zusammenschlüssen, die das Geldhaus zur heutigen Größe gebracht hat. „Es gab damals mehrere Optionen, die Frage lautete: Orientieren wir uns in Richtung Osten oder in Richtung Frankfurt? Wir haben uns für Frankfurt entschieden, da es da schon gewachsene Strukturen gab. Das hat super gepasst. Aus heutiger Sicht war die Entscheidung genau richtig“, betont Lang. Blickt man auf die Entwicklung des Ballungsraums und der Metropolregion, muss man das sicherlich unterschreiben.

Aus im Bankengeschäft

Lang leitete bei der Frankfurter Volksbank, deren Generalbevollmächtigter er wurde, zunächst den Regionalmarkt Frankfurt-Ost, dann jenen in Hanau. Darüber hinaus war er Geschäftsführer der bankeigenen Immobilien-Gesellschaft. Jetzt ist es für immer vorbei mit dem Bankgeschäft.

„Ich freue mich auf mehr Zeit mit der Familie und vor allem meinen Enkelkindern. Zwei von ihnen leben in Goslar, da will ich jetzt öfter zu Besuch sein“, erklärt Lang, Vater von zwei erwachsenen Kindern. Auf den Schritt, plötzlich keine Verantwortung mehr im Job zu haben, habe er sich lange vorbereitet. „Damit ich nicht in ein Loch falle.“ Schließlich sei er sehr fokussiert auf den Beruf gewesen. „Das geht jetzt nicht so weiter, dass du nur über die Bank sprichst“, habe ihm seine Frau daher zu bedenken gegeben.

Und sieht der neue Direktor Roth nach ersten Eindrücken Veränderungsbedarf in der Bank? „Davon halte ich nichts, dass man irgendwo neu hinkommt und dann erst mal alles umwirft“, macht Roth klar. Er werde zunächst das Bewährte fortführen und sich die gewachsenen Strukturen anschauen. Inhaltlich will Roth vor allem darauf setzen, den Kunden zu erklären, wie man in Zeiten niedriger Zinsen dennoch Rendite erwirtschaften könne.

„Viele neigen dazu, ihr Geld liegen zu lassen und gar nichts zu machen“, sagt er. Außerdem wolle er beim herrschenden Bauboom möglichst vielen Menschen helfen, in die eigenen vier Wände zu kommen. Sein erstes Ziel jedoch sei, alle Mitarbeiter näher kennenzulernen, betont Roth abschließend.

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