Das Landgericht Hanau. Archivfoto: David J. Kirchgeßner

Hanau

Messerstiche im Tiefgarten: Es war versuchter Mord

Hanau. Versuchter Mord lautet das Urteil in dem Prozess um die Messerstecherei im Hanauer Tiefgarten. Der Haupttäter wurde am Montag vor der 2. Jugendkammer am Hanauer Landgericht unter Vorsitz von Richter Dr. Sascha Rüppel nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt.

Von Carolin-Christin Czichowski

Das Gericht sah das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe als erwiesen an. Der Mittäter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der Fall: Am späten Abend des 19. Dezember 2018 alarmiert ein Augenzeuge die Polizei. Im Tiefgarten an der Otto-Wels-Straße finden die Beamten einen Jugendlichen mit lebensbedrohlichen Stichverletzungen vor. Noch vor Ort kämpfen Einsatzkräfte um sein Überleben. Währenddessen läuft eine Großfahndung, die schnell zum Ziel führt: Zwei 17-jährige Verdächtige werden festgenommen.

Die Vorwürfe gegen einen der beiden Jugendlichen wiegen schwer: versuchter Mord. Der Hanauer soll versucht haben, den damals 17-Jährigen zu töten – und zwar aus Rache. Denn das Opfer hatte ihn zuvor bei einer Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht „verpfiffen“. An jenem Abend im Dezember 2018 sollen der Hanauer und sein Mittäter, ein damals 17-Jähriger aus Rodenbach, sich mit ihrem Kontrahenten in der Kinzigaue verabredet haben – um ihm einen Denkzettel zu verpassen.

Sechs Verhandlungstage

Die zunächst verbale Auseinandersetzung eskalierte nach Auffassung des Gerichts plötzlich. Im Verlauf des Streits sticht der Haupttäter dem Opfer viermal in den Oberkörper. Auch als der 17-Jährige zu Boden sinkt, lassen die Täter nicht von ihm ab, treten weiter auf ihn ein. Nur durch eine spätere Notoperation konnte sein Leben gerettet werden, sagte Oberstaatsanwalt Mies kurz vor Beginn des Prozesses gegenüber unserer Zeitung.

An sechs Verhandlungstagen, von Mitte Juli bis Montag, versuchte die 2. Jugendkammer, den Sachverhalt aufzuklären – unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil es sich um ein Verfahren gegen Jugendliche handelt. Aus diesem Grund darf Behördensprecher Dominik Mies auch keine weiteren Angaben zur Hauptverhandlung machen, etwa dazu, ob die Täter geständig waren.

Mittäter bekommt Bewährungsstrafe

Die Kammer unter dem Vorsitz von Dr. Sascha Rüppel blieb unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß. Für den Haupttäter sah die Anklagebehörde laut Mies acht Jahre vor. Neben dem versuchten Mord wurde der Hanauer auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Diebstahl verurteilt. „Er hat dem Opfer das Handy geklaut“, so Oberstaatsanwalt Mies. Die Höchststrafe für versuchten Mord liegt nach Jugendstrafrecht bei zehn Jahren.

Beim Urteil für den Mittäter, den 18-jährigen Rodenbacher, folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung.

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