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Hanau

Messerstiche Röntgenstraße: Fünf Jahre Haft für den Angeklagten

Hanau. Fünf Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung lautet das Urteil gegen den Angeklagten Hakan Y. in der Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht. Hakan Y. hatte am 18. März in der Kesselstädter Röntgenstraße auf sein Opfer eingestochen und bei diesem erhebliche Verletzungen im Arm sowie an der Hand verursacht.

Von Nicolas Obst„Wenn man so agiert wie Sie, hat man einen Tötungsvorsatz“, erklärt der Vorsitzende Richter Dr. Peter Graßmück dem Angeklagten das Urteil. „Es ist ein bloßes Glück, dass es nicht zum Tod kam“, fährt er fort.

Rund eineinhalb Stunden brauchten die Richter nach den Plädoyers, um eine Entscheidung zu finden. Vorher wurde noch ein letzter Zeuge gehört. Ein Nachbar, der am Tatabend den Konflikt vom vierten Stock eines Wohnhauses beobachten konnte. Die Worte „Ich bringe dich um“ habe der Zeuge nicht vernommen. Laut dem Opfer hatte der Angeklagte mehrmals diesen Satz verwendet. Ansonsten decken sich die Aussagen des Zeugen mit der Version des Opfers. Der Angeklagte sei auf das Opfer losgegangen.

"Selbstjustiz in reinster Form"

Oberstaatsanwalt Dominik Mies beschreibt die Tat später in seinem Plädoyer als „Selbstjustiz in reinster Form.“ Der Angeklagte habe nicht nur beim Opfer einen großen Schaden angerichtet, sondern auch seine eigenen drei Kinder sowie seine Ehefrau, durch die bevorstehende Haft, in eine schwierige Situation gebracht. Mies kann die Version, der Angeklagte hätte mit dem Messer lediglich rumgefuchtelt und keineswegs aktiv auf das Opfer eingestochen, nicht nachvollziehen. Außerdem erinnert der Oberstaatsanwalt daran, dass die vollkommene Heilung der Verletzungen ausgeschlossen ist.

Das jedenfalls hatte der Unfallchirurg Dr. Klemens Braun am dritten Verhandlungstag ausgesagt. Zwar könne man dem Angeklagten zugutehalten, dass er keine Vorstrafen besitze, ein Schmerzensgeld von 10 000 Euro bezahlt habe und eine aufrichtige Entschuldigung an das Opfer richtete. Trotzdem beschreibt Mies die Tat als „Agieren ohne Rücksicht auf Verluste“ mit einer gewissen Brutalität und schweren Folgen, deshalb fordert der Oberstaatsanwalt fünfeinhalb Jahre Haft.

Onur Türktorun, der Anwalt des Opfers, geht in seinem Plädoyer noch einen Schritt weiter. „Mein Mandant stand dem Tod so nah, wie noch nie in seinem Leben. Der Angeklagte hatte nur ein Ziel, er wollte töten.“ Immer wenn das Opfer auf seinen Arm schaue, würde es sich an die Tat erinnern, erklärt Türktorun. Er fordert somit eine Haftstrafe von mindestens siebeneinhalb Jahren wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Bewährungsstrafe würde ausreichen

Naturgemäß anders sehen das die Verteidiger des Angeklagten. Rechtsanwalt Gordian Habitzel kommt zu dem Entschluss, dass eine zweijährige Bewährungsstrafe ausreichen würde. „Auch Nebenkläger können Lügen“, erklärt er und zweifelt damit an mehreren Aussagen, die das Opfer als Zeuge vor Gericht getätigt hatte. Weil das Opfer und die Frau des Angeklagten eine Affäre hatten, letztlich auch der Grund für die Tat, sieht Habitzel die Möglichkeit, dass das Opfer womöglich seine Aussagen ausgeschmückt hatte, um für den Angeklagten eine lange Haftstrafe zu ermöglichen. „So leid es mir tut, aber Sie haben für ihre Situation auch kräftig mitgeholfen“, wendet er sich an das Opfer.

Nach den Plädoyers darf auch der Angeklagte noch einige Worte sprechen. Zum Opfer spricht Hakan Y. über den Dolmetscher: „Ich bitte dich von Herzen um Entschuldigung, ich mag dich und hoffe, du verzeihst mir irgendwann.“ Letztlich wählen die Richter mit ihrem Urteil ein mittleres Strafmaß. Der Strafrahmen für die gefährliche Körperverletzung liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft. „Was Sie da angerichtet haben, lässt das Opfer nie wieder los“, sagt Richter Graßmück zum Ende der Verhandlung.

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