Die Hola stellt das neue Fach Medienkunde auf der Bildungsmesse vor: Julian Salomon, Helge Messner und Patrick Ratzka sind von Konzept überzeugt. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Mediennutzung: Schüler der HoLa machen sich Gedanken

Hanau. Einmal pro Woche dürfen die Schüler der fünften und sechsten Klassen im Unterricht das tun, was die meisten von ihnen vermutlich am liebsten machen: Sie beschäftigen sich mit ihrem Smartphone – zumindest sprechen sie darüber. Auf dem Stundenplan steht dann Medienkunde.

Von Ulrike Pongratz

Ein Unterrichtsfach, das in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis nur an der Hohen Landesschule einstündig gelehrt wird. „Mit der Medienkunde sind wir wohl regional einzigartig“, sagt Helge Messner. Der stellvertretende Schulleiter ist von der Aktualität des Themas und von der Notwendigkeit des neuen Fachs überzeugt. Seit drei Jahren, mit der Umstellung auf G9, bietet die Stundentafel Raum für dieses Angebot in der Unterstufe.

edienpädagoge Julian Salomon und der Medienbeauftragte des Gymnasiums, Patrick Ratzka, werden das Konzept des neuen Unterrichtsfaches Medienkunde am Donnerstag auf der Medienbildungsmesse in Frankfurt interessierten Kollegen vorstellen.

„Woran erkenne ich das, wie verhalte ich mich?“

„Wir sehen es als einen neuen Bildungsauftrag der Schule, über Medien und deren Nutzung zu sprechen und zum Nachdenken darüber anzuregen“, sagen die Pädagogen im Gespräch. Denn die meisten Schüler, die hier eingeschult würden, besäßen ein Smartphone. Inhaltlich sei das Fach Medienkunde auf Bildung ausgerichtet. Die Medien seien kein Selbstzweck, sondern man müsse die Jugendlichen im Gebrauch begleiten. „Im Elternhaus werden Kinder oft alleine gelassen“, schätzt Messner die Situation ein. „Eine regelmäßige Reflexion passiert zu Hause nicht.“ In der Schule könne man im Rahmen der Medienkunde mit Jungen und Mädchen kontinuierlich über Gebrauch und Umgang sprechen. „Das ist eine große Chance, die sich hier allen bietet. Auch wir können Erfahrungen sammeln. Denn wenn wir unsere Kinder nicht begleiten, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie nicht dort ankommen, wo sie sollen“, meint Messner.

Im Wesentlichen geht es im Fach Medienkunde also um zwei Aspekte, um das Thema Jugendmedienschutz und über eine regelmäßige Reflexion des eigenen Verhaltens. Die soziale Verantwortlichkeit gelte auch im Netz. Fragen wie „Was kann ich tun?, Wo sind die Grenzen?“ würden sich auch hier stellen. Das Thema Cybermobbing sei nach wie vor aktuell. Ganz praktisch könne man im Unterricht darüber sprechen, inwieweit man Freiheit ausleben könne und wo die Verletzung bei anderen beginne. „Woran erkenne ich das, wie verhalte ich mich?“ sind weitere Aspekte, die man sehr erfolgreich mit den Jugendlichen bearbeiten könne.

Gute Resonanz auf das Angebot

Auch das Thema Medienkonsum sei relevant. „Wann rutsche ich ab?“ sei eine Frage, die selbst oft Erwachsene nicht im Blick hätten. Die Suchtgefahr von Online-Spielen werde vielfach unterschätzt, ist sich Ratzka sicher. Mit dem Angebot der Medienkunde könne Schule die Eltern zwar entlasten, aber Erziehungsarbeit müssten sie dennoch übernehmen. „Die Eltern kaufen die Geräte, sie tragen letztlich dafür die Verantwortung“, sagt Messner.

Die Hola bietet einen Medienabend für Eltern und informiert über das neue Unterrichtsfach. Die Schule will über Dimensionen und Möglichkeiten im Internet aufklären. „Die Resonanz auf das Angebot ist sehr gut, wir erreichen an diesem Abend 90 Prozent der Eltern“, sagen die Pädagogen. Diese würden einfache Tipps gerne mit nach Hause nehmen. Es sind Dinge wie eine Handy-Garage oder nachts den Router auszustellen, aber auch anspruchsvollere Ratschläge wie im Rahmen eines „Handyvertrages“ vor allem mit den Kindern über die Nutzung zu sprechen. Ob so ein Vertrag nun unterschrieben werde, sei letztlich zweitrangig, wichtiger sei es, darüber zu sprechen.

Kinder seien 'native digitals'

Die Fünft- und Sechstklässler wiederum nutzen ihr Unterrichtsfach, um sich über Youtuber und Influencer Gedanken zu machen. „Wir reden auch über Zugangsberechtigung, Jugendschutz und AGB. Vielen Kindern ist nicht bewusst, dass nicht alles umsonst zu haben ist“, sagt Ratzka. Dem Geisteswissenschaftler liegt die Medienkunde in dieser Konzeption besonders am Herzen. „Unsere Kinder sind 'native digitals'. Sie wachsen mit neuen Kulturtechniken auf. Wichtig ist es, dass Eltern und Großeltern ihnen 'alte Werte' mitgeben, die sie festigen.“ Das sei eine gute Basis für einen vernünftigen Umgang mit Smartphone undamp; Co.

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