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Hanau

Der Matsch regiert: Holzrückearbeiten im Hanauer Stadtwald ruhen

Hanau. Wer derzeit in den Wald geht, dem sind Gummistiefel dringend zu empfehlen – viele Wege sind wegen der anhaltenden Nässe und der Spuren der Holzrücke-Fahrzeuge völlig verschlammt. Um Verständnis bittet deshalb die Forstverwaltung und hat im Rahmen eines Ortstermins Aufklärungsarbeit geleistet.

Von Kerstin Biehl

Im Großauheimer Stadtwald, rund um das Neuwirtshaus, wird derzeit Holz gemacht. Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Von diesen Spuren der Waldpflege konnten sich dieser Tage auf Einladung von Forstamtsleiter Christian Schaefer und Revierförster Olaf Gold der Großauheimer Ortsbeirat sowie Stadtrat Thomas Morlock (FDP) ein Bild machen.

Neben gesperrten und verschmutzten Wegen fallen dort vor allem die gestapelten Baumstämme am Wegesrand auf. „Die anhaltende Nässe erschwert die Holzernte in diesem Winter erheblich“, so Schaefer. Dem Wald hingegen tut der viele Regen gut. Sein Wasserspeicher wird in diesem Winterhalbjahr gut gefüllt; ein trockener Sommer könnte ihm deshalb wenig anhaben. Doch das ist momentan noch Zukunftsmusik.

Logistische HerausforderungDie Nässe nämlich verlangt der Forstwirtschaft heuer einiges ab, lässt den Holztransport zu einer logistischen Herausforderung werden. Gefällt wird im Großauheimer Wald dennoch während des Ortstermins zwischen Heidelbeer- und Zwergtannen-Schneise. Gerückt allerdings nicht. Schaefer: „Wir sind jeden Winter erneut einem Konflikt ausgesetzt, müssen dabei die Aspekte Erholung, Naturschutz und Holzwirtschaft im Gleichgewicht halten.“ Die Forstleute werben um Verständnis für die Beeinträchtigungen die jene, die im Wald Erholung suchen und derzeit durch den Schlamm stapfen, hinnehmen müssen.

Grund dafür sind die Interessen der Waldwirtschaft, die natürlich auch bedient werden müssen. Die tonnenschweren Holzfahrzeuge, die die gefällten Baumstämme am Wegesrand stapeln, sind für den Schlamm verantwortlich.

Hohe Kunst„Es ist die hohe Kunst des Försters, dafür zu sorgen, dass dieser Konflikt aushaltbar gemacht wird. Wir versuchen, in möglichst kurzer Zeit das Holz bereit zu stellen, es dann an den Weg und von dort aus aus dem Wald heraus zu bringen“, sagt der Forstamtsleiter. Dafür ist im Hanauer Stadtwald Förster Gold zuständig: „Wir versuchen, diesen Interessenkonflikt zwischen Holzwirtschaft und Waldbesucher auf möglichst kurze Zeit zu beschränken und ihn dann schnell wieder aufzulösen“.

Gold erklärt: „Wir wollen keine Schäden im Wald erzeugen. Deshalb wird das Holz auf sogenannten Rückelinien aus dem Wald heraus gezogen. Maschinen dürfen nur auf diesen Rückelinien fahren. Dort darf möglichst wenig passieren. Wenn diese Linien so durchfeuchtet sind, dass dort starke Verdrückungen passieren würden, wird das Rücken eingestellt.“

BefahrbarkeitskarteDeshalb hat das Forstamt eine Befahrbarkeitskarte angelegt. Auf der sind die einzelnen Waldabteilungen mit der jeweiligen Empfindlichkeit der Böden eingezeichnet.

„Anfang November haben wir in diesem Jahr manuell im Mittelbuchener Wald mit der Holzernte begonnen“, erzählt Gold. Man habe gehofft, die dortigen Eichen noch vor Weihnachten rücken zu können. Der Regen kam dazwischen. „In den nächsten vier bis sechs Wochen ist dort kein Rücken möglich“, so der Förster. Er ist dabei froh, auf durchwegs erfahrene Rücker zurückgreifen zu können, die den Wald kennen und behutsam vorgehen.

HaupteinschlagsaisonDie Regenperiode hält nun schon seit Anfang November an. Die Nässe begünstigt die Gefahr der Entwertung des Holzes durch einen Bläuepilz. „Um also finanzielle Schäden zu vermeiden, muss das Holz schnell abtransportiert werden“, so Gold.

Die Haupteinschlagsaison geht in der Regel von Oktober bis Ende März. „Heuer werden wir damit nicht hinkommen, die Arbeiten könnten sich bis in den April ziehen“, prognostiziert Gold, der zudem einen Überblick über von ihm gesammelte Wetterdaten seit 2001 gibt. So sind von November bis jetzt 226 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen – der Durchschnittswert liegt bei gerade einmal 128 Litern.

„Wir haben in der gesamten Zeit seit der Messung nur zwei Winter gehabt, die annähernd an diesen Wert heran kamen“, so Gold. Ein extremer Winter also. Das bescheinigen auch die 59 Regentage (70 Prozent) seit Beginn der Aufzeichnungen im November.

Auf Parallelwege umsteigenWas den Matsch angeht, raten die Förster den Waldbesuchern auf Parallelwege umzusteigen. Falls dies überhaupt nötig ist. Denn lediglich 1,3 Kilometer des insgesamt 58,6 Kilometer umfassenden Hanauer Wald-Wegenetzes (0,2 Prozent) sind vom Matsch angegriffen.

Ende März dürfte damit dann auch Schluss sein. Meist herrschten dann nämlich schon ein paar Wochen Trockenheit. Der Rücker, der zum Schluss mit einem Schieber die Wege abzieht, tut das Übrige, damit die Wege wieder plan liegen. Wenn dann die Feuchtigkeit entwichen ist, zerfällt auch der restliche Matsch zu Staub. Dann gehört der Wald wieder ganz den Erholungssuchenden.

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