Gestern Sportschuhe, morgen Öko: An zentraler Stelle in der Innenstadt eröffnet am 13. Dezember gegenüber dem Marktplatz ein Unverpackt-Laden. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Am Marktplatz eröffnet der Unverpackt-Laden des BWMK

Hanau. Die Idee, in Hanau einen Unverpackt-Laden anzubieten, ist nicht neu. Doch bisher war es bei Willensbekundungen geblieben. Jetzt wird das Vorhaben umgesetzt:

Von Jutta Degen-Peters

Am Freitag, 13. Dezember, eröffnet das Behinderten-Werk Main-Kinzig (BWMK) an zentraler Stelle in der Innenstadt ein Geschäft, in dem gänzlich auf Verpackung verzichtet wird. Dort, wo bis vor Kurzem Sportschuhe verkauft wurden, kann sich der Kunde in Zukunft Lebensmittel, Kosmetika und Reinigungsmittel selbst abfüllen.

Damit schließt das Behinderten-Werk Main-Kinzig eine Lücke, über die in den vergangenen Monaten heftig diskutiert worden war. Eine Initiative, die von den beiden Studentinnen Mara Landwehr und Stina Amrhein gestartet worden war, hatte im Februar in der Alten Schule Großauheim großen Anklang gefunden und den Wunsch nach einem Laden ohne Verpackung noch einmal deutlich gemacht.

Wenige Monate, nachdem die engagierten Umweltschützerinnen für ihr Konzept geworben hatten, das als Gemeinschaftsprojekt mit Bürgern realisiert werden sollte, machte in Gelnhausen im Juli der erste Unverpackt-Laden im Kreis auf. Er verbindet unter der Maxime „Nachhaltig, sozial, regional“ das Thema Umweltbewusstsein mit dem Anspruch nach Inklusion. Das BWMK beschäftigt dort – und demnächst auch in Hanau – Mitarbeiter mit seelischen Beeinträchtigungen.

Optimaler Einkaufsort für Kunden

In Hanau wird den Kunden ein optimaler Einkaufsort geboten: Das Eckgeschäft an der Römerstraße 1 mit 80 Quadratmetern Fläche, in dem bis vor Kurzem noch Sportschuhe verkauft worden waren, stand leer. Daraufhin nahm die Hanau Marketing GmbH (HMG) Kontakt mit dem Behinderten-Werk auf und regte an, an dem Standort am Marktplatz einen Unverpackt-Laden zu eröffnen.

Das BWMK zögerte keinen Moment. Wie Dorothée Müller von der Pressestelle auf Anfrage erklärte, nahm das Sozialunternehmen die Herausforderung an, nun auch in Hanau Präsenz zu zeigen. Auch wenn die Eröffnung zweier solcher Läden in einem so kurzen Abstand eine echte Herausforderung darstellt: „Wir können nicht immer nur über Nachhaltigkeit sprechen“, sagt sie und freut sich über die Chance, in Hanau Umweltbewusstsein und Inklusion zusammenzuführen. Der Laden soll als inklusives Projekt von einem Team geführt werden, in dem gehandicapte und nicht gehandicapte Kollegen zusammenarbeiten. Wie viele Mitarbeiter dort beschäftigt sein werden, steht noch nicht fest.

Fest steht aber das Angebot. 250 verschiedene Nahrungsmittel sollen vorrätig sein: unterschiedlichste Hülsenfrüchte, diverse Mehlsorten, Getreide, Nudelvariationen, Müsli zum Selbstmischen, Süßigkeiten, Trockenfrüchte und vieles mehr. Naturreine Seifen, feine Kosmetik, Wasch- und Reinigungsessenzen runden das Sortiment ab. Geben soll es auch Deko- und Nutzartikel aus Holz, die in der gläsernen Manufaktur in Gelnhausen angefertigt werden. Kunden können diese ganz nach ihren Wünschen herstellen und personalisieren lassen.

Zucht des BWMK-Tochterunternehmens

Bald wird es in der Römerstraße 1 nach Tee, Gewürzen und hausgemachtem Kleingebäck duften. Auch frische Edelpilze aus der Zucht des BWMK-Tochterunternehmens „GrünundGrün“ sowie Bio-Lebensmittel des Hofguts Marjoß werden sich im Sortiment finden. Der Kunde, der sich die gewünschten Mengen selbst abfüllt, bezahlt immer genau die Menge, die er mitnehmen will. Wer spontan ohne eigenen Behälter vorbeikommt, kann im Laden Mehrwegverpackungen kaufen.

„Das Prinzip ist ganz einfach“, sagt Anke Ebenbeck vom BWMK: „Jeder Kunde bringt eigene Behältnisse mit, in die Lebens- oder Reinigungsmittel abgefüllt werden.“ Die Behälter werden am Anfang jeder Einkaufstour leer gewogen und nach dem Füllen erneut.

Froh über die Bereicherung in der Innenstadt zeigt sich HMG-Geschäftsführer Martin Bieberle. „Der Unverpackt-Laden passt perfekt zum Wochenmarkt und unseren Bestrebungen, auch dort das Einweg-Plastik zu reduzieren.“ „Der Laden passt genau in die Zeit“, sagt Dorothée Müller. „Wir können damit sicher nicht die Welt retten. Aber es ist ein wichtiges Signal, wie es tatsächlich um die Inklusion und unser Konsumverhalten bestellt ist.“

Der Laden in der Römerstraße 1 öffnet am Freitag, 13. Dezember, um 10 Uhr. Öffnungszeiten sind: Montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 19, mittwochs von 8 bis 19 und samstags von 8 bis 15 Uhr.

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