Am Hanauer Busbahnhof am Freiheitsplatz verkehren täglich viele Menschen. Angst, dass es in näherer Zukunft an Fahrern mangelt, brauchen die Gäste jedoch scheinbar nicht zu haben. Archivfoto: Gärtner

Hanau

Mangel an Busfahrern ist in der Region weniger stark ausgeprägt

Hanau. Busunternehmen in Deutschland suchen händeringend nach qualifizierten Fahrern. Das liegt auch am Fernbusmarkt, der immer weiter ausgebaut wird und Busfahrer „abgreift“. Bei der Hanauer Straßenbahn GmbH (HSB) sieht man die Situation recht entspannt.

Von Elfi Hofmann

„Wir bekommen viele Bewerbungen und schalten Anzeigen“, so der Geschäftsführer der HSB Thomas Schulte. Der Bedarf sei damit recht gut gedeckt. Allerdings räumt auch er ein, dass der Markt sich in den vergangenen Jahren verändert habe. Zwar arbeiten bei der HSB viele langjährige Mitarbeiter, aber einige von ihnen wechseln zu anderen Unternehmen, auch zu neuen, privaten Anbietern. Doch das Gros bleibe der HSB lange treu verbunden.

Ein Grund für Schulte: der Haustarif. „Wir liegen dabei in einigen Bereichen über dem Tarif der LHO (Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer)“, so der Geschäftsführer. Dazu zählt nicht nur das leicht höhere Einstiegsgehalt – in Hanau liegt es bei 2205,50 Euro, bei der LHO sind es laut Tarifvertrag 2054,76 Euro –, auch die Zusatzleistungen wie Altersvorsorge oder Nachtzuschlag machen die HSB laut Schulte als Arbeitgeber attraktiv.

Zuschläge für geteilte DiensteWas sich nicht vermeiden lasse, seien geteilte Dienste, bei denen die Fahrer zu den Stoßzeiten arbeiten, dann frei haben und zur nächsten „Rush Hour“ wieder kommen. „Wir versuchen das zu vermeiden, zahlen dann aber auch Zuschläge, wenn es nicht anders geht“, so Schulte.

Doch kann eigentlich jeder Busfahrer werden? „Es ist sehr unterschiedlich, was die einzelnen Fahrer mitbringen, wenn sie bei uns anfangen“, erklärt Schulte. Wichtig sei vor allem, dass sie fließend Deutsch sprechen, um den Kunden auch neben dem Verkauf der Fahrkarten erklären zu können, wo der Bus genau hält oder welche Umstiegsmöglichkeiten es gibt.

Viele der Bewerber seien eigentlich gelernte Berufskraftfahrer oder ausgebildete Handwerker, die sich umorientieren wollen oder arbeitslos geworden sind. Die dritte Gruppe sind die Fachkräfte im Fahrbetrieb, die in ihrer Ausbildung nicht nur den benötigten Führerschein erwerben, sondern auch eine kaufmännische Ausbildung absolvieren und in der Werkstatt angelernt werden. Ein solides Fundament also, das allerdings die wenigsten komplett ausnutzen. „Das ist eine wirklich tolle Ausbildung, aber eigentlich wollen die Absolventen dann meistens doch nur Bus fahren“, sagt Schulte. Die HSB selbst bildet übrigens keine Fahrer aus, die Bewerber müssen also bereits einen Führerschein haben, wenn sie sich bewerben.

Der individuelle Werdegang zähltDas wichtigste Entscheidungskriterium sei allerdings, ob der jeweilige Charakter zum Unternehmen passt. „Wir beschäftigen uns intensiv mit jedem einzelnen Werdegang“, so Schulte.Dass wesentlich mehr Männer als Frauen bei der HSB arbeiten, ist nicht von der Hand zu weisen. Auf 114 Fahrer kommen lediglich neun weibliche Angestellte. Eine von ihnen ist Petra Endl. Sie war die erste Frau, die bei der HSB anfing, am 1. April ist das 20 Jahre her. „Ich habe damals 17 Monate in der Türkei als Transferbegleitung gearbeitet und dachte mir, dass es cool wäre, mal so einen Bus zu fahren“, erinnert sie sich. Zurück in Deutschland, meldete sie sich beim Arbeitsamt und machte dann eine Umschulung zur Berufskraftfahrerin. Bei der HSB hatte sie sich damals mehrmals beworben, wurde aber immer wieder abgelehnt. Das lag aber weder an ihrem Geschlecht noch an ihrer Qualifikation, sondern schlicht und ergreifend daran, dass es keine Toilette für Frauen gab.

Das damals neu geschaffene stille Örtchen ist aber nicht die einzige Veränderung, die Petra Endl in den vergangenen 20 Jahren miterlebt hat. Die Dienste seien anders und länger als früher, Hanau sei viel lauter geworden. „Aber man wird ja auch älter und sieht vieles nicht mehr so locker wie früher“, erzählt die 52-Jährige.Auch die Einstellung der männlichen Kollegen habe sich ihr und den anderen Frauen gegenüber geändert, allerdings zum Positiven. „Ich war früher sehr zierlich, habe unter 50 Kilo gewogen. Und dann stand ich vor dem großen Bus“, erinnert sie sich und muss lachen. Da hieß es schon mal „Frau am Steuer...“ Heute verzieht aber keiner mehr eine Miene, wenn er sie beim Fahren sieht.

Gäste sind zu weiblichen Fahrern freundlicherDass Frauen weniger Probleme mit komplizierten Gästen haben, ist übrigens kein Gerücht. „Uns gegenüber herrscht ein ganz anderer Umgangston“, so Endl. Das bestätigt auch Thomas Schulte, der sich nicht nur deshalb mehr Frauen ans Steuer wünscht. Angst müssten sie vor den großen Fahrzeugen nicht haben. „Das Volumen ist zwar groß, aber die Busse fahren sich leicht, man muss keine großen Lenkbewegungen machen“, erklärt der HSB-Geschäftsführer.

Wenn man dann als Busfahrer arbeitet, könne man viele Menschen mit interessanten Werdegängen kennen lernen. „Man erlebt so viel und davon ist wenig genormt“, so Schulte. Dass es nie langweilig wird, dass kann auch Hanaus erste Busfahrerin bestätigen.

Vor einigen Jahren fuhr die Mutter von zwei Kindern auf einer Schulbuslinie auch über die Hola. Dort stieg ein älterer Mann ein, der Bus war allerdings schon voll besetzt. „Dann habe ich einem der Schüler gesagt, dass er mal Platz machen soll“, erinnert sie sich. Der Fahrgast bedankte sich und bot der verdutzten Endl ein Bild seines Sohnes an. „Ich hab mich nur gewundert, was der jetzt will, aber erst mal ja gesagt.“ Ein paar Tage später stand der ältere Herr mit zwei Bildern – beide unterschrieben – wieder vor ihr. Darauf zu sehen: Rudi Völler. Der Fahrgast war dessen Vater Kurt.

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