Die Steampunks waren mit ihren aufwändigen Kostümen und Accessoires ein beliebtes Fotomotiv. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Lokschuppenfest sorgt bei allen Besuchern für leuchtende Augen

Hanau. Mit einem lauten Zischen, verbunden mit einem gellenden Pfeifen, setzt sich die schwere Dampflok langsam in Bewegung. Die Mitfahrer auf dem Führerstand sehen sich mit einer Vielzahl von Anzeigen, Drehrädern und Hebeln konfrontiert, deren Funktionsweise der Lokführer teilweise erläutert.

Von Thomas Seifert

Als er den Deckel des Kessels öffnet und die glühende Kohle aus der Brennkammer einen Hitzeschwall Richtung Passagiere schickt, geht ein Raunen durch die Mitfahrer. „Vorne heiß und hinten kalt und dann noch verschwitzt vom Kohleschaufeln – die häufigste Berufskrankheit von Dampflokführern war Rheuma“, entzaubert der Experte den so heroisierten Beruf, der größtenteils schwere Plackerei war. Das beeindruckt die beiden Jungs auf dem Führerstand aber nicht besonders. Der Wunsch, Lokführer zu werden, wird nach der kurzen Fahrt deutlich in Richtung Muttis geäußert.

Zahlreiche Eisenbahnfans vor Ort

Beim Lokschuppenfest des rührigen Vereins konnten sich am Wochenende die zahlreichen Eisenbahnfans, die der Kälteeinbruch nicht von einem Besuch auf dem Gelände in den Heideäckern abhielt, davon überzeugen, dass die Mitglieder wieder sehr fleißig waren und der Erhalt der diversen Gebäude und des Außengeländes weiter fortgeschritten ist. „Es gibt aber noch reichlich zu tun, deshalb freuen wir uns über jede helfende Hand und jeden gespendeten Euro“, betonte Pressesprecher Sven-Carsten Gutmann.

Die Mitglieder jedenfalls hatten alles getan, damit die Besucher aus dem Schauen und Staunen nicht mehr herauskamen. Die Dampf- und Dieselloks des Vereins waren vor dem Rundschuppen in Position gebracht worden, die Drehscheibe war in Betrieb und als besonderes Schmankerl waren die mächtigen Dampfloks 01 150 und 01 118 unter Dampf gesetzt worden, wobei die Erstgenannte wegen der Erneuerung der Radreifen wohl einige Zeit in der Versenkung verschwinden wird.

„Diese Lok gehört dem DB-Museum in Nürnberg und wurde der Joachim-Schmidt-Stiftung zur Verfügung gestellt, die sie bei uns eingestellt hat“, so Gutmann. Aber auch die zweite in Hessen stationierte „01“ wird demnächst „kaltgestellt“, denn es steht ein Fristablauf an.

Präsentation von Neuheiten

Auch ein Zuwachs des Rollmaterials, ein dreiachsiger Umbauwagen, wurde beim Lokschuppenfest präsentiert. Er kam durch einen Tausch mit der Kandertalbahn zustande, berichtete Sven-Carsten Gutmann.

Neben den begehrten Führerstandsmitfahrten konnte man vom Hauptbahnhof mit einem Pendelzug kostenlos auf das Gelände fahren. Für Kinder verkehrte eine Spur 5-Bahn zum Mitfahren, in der in Originalfarben hergerichteten und komplett neu verkabelten zweiten Lokhalle zogen Modelleisenbahnen ihre Runden, konnten Bahnsouvenirs oder Modellbahnzubehör gekauft werden und wurden die Besucher mit Speis und Trank versorgt.

Im Obergeschoss liefen Bahnvideos, man konnte an einem Simulator seine Fähigkeiten als Straßenbahnfahrer testen und eine Dokumentation über das Bahnbetriebswerk und das Rollmaterial des Vereins besichtigen.

Auf dem denkmalgeschützten Gelände waren weitere Verkaufsstände aufgebaut und Mutige konnten sich mit der Drehleiter der Feuerwehr in luftige Höhen hieven lassen. Ein Blickfang war eine Gruppe von Steampunks aus Aschaffenburg, die in ihrer viktorianisch angehauchten Kleidung mit Accessoires, die an dampf- und zahnradgetriebene Mechanik erinnern, ein beliebtes Fotomotiv war.

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